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Robert
Filliou
(1926 Sauve,Südfrankr.
- 1987 )
Filliou : Kunst die sich nahe der alltäglich erfahrbaren Realität mit Prozeßhaftem, Vergänglichem und/oder Prinzipien der Veränderung befaßt.Wie läßt sich über die Funktion des Künstlers im Museum nachdenken?
Robert Filliou, Akteur der Fluxus-Bewegung, wählte 1977 im Louvre und im Musée d'Art Moderne de la Ville Paris Meisterwerke aus, die er abstaubte. Er wischte mit frischen Tüchern den Staub ab, der sich auf Gemälden und Skulpturen abgelagert hatte.
Bei der Aktion ließ er sich photographieren. Er legte die gebrauchten Staubtücher in Schachteln, in die geöffneten Deckel klebte er die Polaroids, die ihn in Aktion zeigen.
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R o b e r t F i l l i o u Geboren in Sauve, Frankreich am 17. Januar 1926
Studierte economics and science, University of California, Los Angeles 1948-51
Gestorben 1987 in Les Eyzies de Tayac, Frankreich
Einzelausstellungen / Performances / Events (Auswahl)
1960 Paris, verschieden Orte, Performance Piece for a Lonely Person in a Public Place (mit Peter Cohen)
1962 Paris, Frankfurt, London, Galerie Légitime - street performance
1964 Köln, Galerie Rudolf Zwirner, The Pink Spaghetti Handshake,
Extra-Sensory Misperception Platitude en relief (mit Daniel Spoerri)
1969 Mönchengladbach, Städtisches Museum, The Eternal Network
1973 Aix-la-Chapelle, Frankreich, 1.000.01o. Geburtstag der Kunst
1974 Berlin, Akademie der Künste, Telepathische Musik Nr. 2
1984 Hannover, Sprengel Museum, The Eternal Network: Robert Filliou
1990 Nimes, Musée d'art contemporain, Robert Filliou (Wanderausstellung)
1995 Vancouver, Morris and Helen Belkin Art Gallery & University of
British Columbia, Robert Filliou: From Political to Poetical Economy
1997 Remscheid, Galerie der Stadt, Robert Filliou, Poet: Samlung Feelisch
Gruppenausstellungen /Gruppenperformances (Auswahl)
1960 Paris, Palais des expositions de la Porte de Versailles, Festivals d'art d'avant-garde
1962 Wiesbaden, Fluxus Internationale Festspiele Neuester Musik
London, Gallery One, Festival of Misfits
1965 New York, St. Mary's of the Harbor, First World Congress: Happenings
1972 Kassel, Museum Fridericianum, Documenta 5
1984 Düsseldorf, Messehallen, Von Hier Aus
1988 Köln, Museum Ludwig, Übrigens sterben immer die anderen, Marcel Duchamp und die Avantgarde seit 1950
1993 Minneapolis, Walker Art Center, In the Spirit of Fluxus (Wanderausstellung)
1997 Stuttgart, Staatsgalerie, Art Games: Die Schachteln der Fluxuskünstler
1998 Los Angeles, Museum of Contemporary Art, Out of Actions: Between Performance and the Object, 1949-1979
Bibliografie
1966 Filliou, Robert; A Proposition, a Problem, a Danger and a Hunch,
Manifestos, Somthing Else Press, New York
1973 Filliou, Robert; Information Box, Galerie Buchholz, München
1984 Erlhoff, M. (Hrsg.), The Eternal Network Presents: Robert Filliou, Sprengel Museum, Hannover (Kat.)
1997 Conzen, I., Art Games: Die Schachteln der Fluxuskünstler. Staatsgalerie Stuttgart (Kat.)
1998 Schimmel, P., Out of Actions: Between Performance and the Object 1949-1979,
Thames and Hudson, New York
Immerwährende Schöpfung
Robert Filliou realisierte in Remscheid 1969 den >Permanent Creation Tool Shed<. Das war ein Werkzeugschuppen, ursprünglich ein Gartenhaus, hinter dem Wohngebäude, das Filliou bei seinem ersten Besuch bei Wolfgang Feelisch für sich entdeckte. Er beschäftigte sich einige Zeit mit dieser EinRaum-Situation von ca. zwei mal zwei Metern.
Am 4.6.1969 wurde mit Hilfe fachkundiger Handwerker der "Tool Shed" realisiert. Im August 1970 publizierte Filliou im Katalog zum Edinburgh-Festival Fotos dieser Arbeit, und wenig später nahm da Verlag König, Köln/New York, eine Totalansicht auf die Titelseite des ersten großen Filliou-Buches "Teaching and learning as performing arts". Hier und da noch ein paar Zeitschriftenbeiträge. Und dann wurde es angemessen ruhig um den Ort. Weinbewachsen außen, innen je nach Jahreszeit ständig wechselndes Sammelsurium von Gartengerät. Freunde und Besucher hinterlassen kleine unauffällige Objektgrüße, oder sie korrigieren mit Feingefühl das gerade vorgefundene Ensemble. Ab und zu nisten Vögel hinter den Dachbalken, oder der Efeu erobert sich durch eine Lühungsöffnung ein Stück Innenraum.
Filliou schuf ein Environment, in dem die Werkzeuge zur immerwährenden Schöpfung gelagert sein sollten. Immaterielle Werkzeuge, gemacht aus nichts anderem als Licht: "Innocence" (Unschuld) und "Imagination" (anschauliches Denken). Die Schöpfung nicht im alttestamentarischen Sinn als abgeschlossene Geschichte von sieben Tagen gesehen, sondern als von Menschen, durch Menschen fortgesetzter Prozeß, in dem jeder seinen Beitrag zu leisten hat. Nichts Spektakuläres, sondern unauffällig und der Eigenverantwortlichkeit bewußt.
Er thematisiert die Unschuld. Damit meint er den Zustand vor jeglicher Dualität des Denkens, Urteilens und Handelns. Nicht das dumpfe, das dunkle Bewußtsein von Primitiven oder Kindern, sondern existentielles Denken in wachem Geisteszustand, die Unschuld des "So Sein", wie sie im Buddhismus angestrebt wird und dort also nicht Vorgabe, sondern bereits so etwas wie Ziel ist. Meditation ist der Weg. "Still sitzen. Nichts tun. Hellwach." Das war ein Ideal, das Filliou schon 1964 formulierte.
Imagination heißt soviel wie Vorstellungskraft. Jedoch weist die ebenso mögliche Übersetzung "anschauliches Denken" weiter in die buddhistische Geisteswelt: Form, Gefühl, intuitive Wahrnehmung sowie Intellekt und Geist sind gemeint. Imagination als eine der Voraussetzungen und gleichzeitig Gegenstand permanenter Kreation.
1970 realisiert er seine <Permanent Creation Unit< genannt " The wishing and joking room" und mit dem Thema belegt: >Private whiscshing- collictive Imagination<,bestehend aus einem Faß mit Wasser( wishing bucket, make an innocent wish!), einem Rednerpult mit Mikrophon und transportablem Verstärker ( Now come to the mic and tell a joke!) und einer nakten brennenden Glühbirne an der Decke darüber. Dazu die Anweisung. >Should be installed in: buildings, slums, empty lots and trucks, boats, air planes, space rockets etc..<
1984 wurde Robert Filliou wurde erster Träger des neu gestifteten Kurt-Schwitters-Preises: Eine große Retrospektive schloß daran an, erst im Sprengelmuseum Hannover, dann ARC - Musee d'Art Moderne - Paris und Kunsthalle Bern. 1984 gab es in den Düsseldorfer Messehallen unter Leitung von Kasper König die Ausstellung "von hier aus", für die Filliou die zwischenzeitlich weltberühmte Installation "EINS. UN. ONE..." schuf, ein Ensemble von ca. 5000 Würfeln rnit jeweils dem Wert 1 auf allen Seiten. Ouasi ein Pendant zum Tool Shed, das die Idee der immerwährenden Schöpfung neu aufnimmt. Der Kosmos als Mandala, in dem Alles Eins und Eins Alles ist. Und 1984 taucht auch zum ersten Mal die "MOBILE VERSION" des "Tool shed of Permanent Creation" auf; zur schon erwähnten Retrospektive im Sprengelmuseum Hannover.Später gezeigt bei >Skulptur Projekte Münster< 1987.
Mit der Idee des Werkzeuglagers entstand ein mobiles Kunstwerk. Es ist darnit gleichzeitig eine Facette des Kunstbetriebs thematisiert, in der Kunst quasi permanent auf Reisen ist:
Ein einachsiger Bauwagen mit Deichsel - innen die beiden Neonschriftzüge "Innocence" und "Imagination" - ein Schwarzweißfoto der "home base" - das sind die Bestandteile der "MOBILE VERSION".
"Was macht Filliou?" fragte Beuys einmal, "macht er immer noch Serien? " Ja, er machte immer wieder neue Versuchsserien. Untersuchungen: "Research on Filmmaking", "Recherche sur l'Origine", "Research on Art and Astrology" usw.
Im Nachhinein wird deutlich, wie sehr seine schöpferische Kraft in die Zukunft wies und wirkte. Und erst heute wird langsam sichtbar und läßt sich vermitteln, daß die von ihm bevorzugten armen, bedeutungsfreien Materialien die adäquate Entsprechung zu dem Anliegen waren, jeden an seiner Arbeit und Auseinandersetzung partizipieren zu lassen. Man muß nur lange genug darüber nachdenken, bis man die einfachen Lösungen erkennt, die Robert Filliou in seinen Werken gefunden hat.
nach Wolfgang Feelisch,aus Kunstforum Bd 115, 1991, S. 124ff