<<


Constantin Brancusi ( 1876-1957 )

::::::

Constantin Brancusi war französischer Bildhauer rumänischer Abstammung. Seine abstrahierten Skulpturen gehörenzu den wegweisenden Bildwerken der modernen Kunst. Nach 1908 arbeitete er seinen individueller Stil heraus, der von der afrikanischen und prähistorischen Bildhauerkunst inspiriert war.Brancusi strebt in seinen Arbeiten eine extreme Vereinfachung der Formen an. Grundelement seiner Bestrebungen ist die Urform des Ei.

Brancusi stammte aus der tiefsten rumänischen Provinz, wurde am 19. Februar 1876 im heutigen Pestisani (Verwaltungsgebiet Gorji) geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Der 28 jährige hatte bereits eine Ausbildung als Kunsttischler an der Kunstgewerbe" schule Craiova sowie vierJahre Kunstakademie Bukarest hinter sich, als er 1904 nach Paris kam, um in der Nähe des berühmten Rodin zu sein. Des Meisters Angebot jedoch, in seinem Atelier zu arbeiten, lehnte er ab: Im Schatten großer Bäume könnten kleine Pflänzchen nicht gedeihen. Doch blieb er in der Kunstmetropole, freundete sich mit Amedeo Modigliani, Andre Derain und Marcel Duchamp an.

Für die Maler, die begonnen hatten, direkt den Holzblock zu bearbeiten, blieb das taille~directe" Verfahren meist eine Episode. Brancusi dagegen fand im Dialog mitdem Material zu neuen Farmen und Themen. Wie die Bildhauer Jacob Epstein und Henri Gaudier-Brzeska in London, erwies Brancusi der afrikanischen Plastik seine Referenz, ohne allein die Expressivität der ethnographischen Kunst auszubeuten. Die erste Version von Der Kuß , seine zweite in Stein gehauene Skulptur überhaupt, nahm thematisch Bezug auf Rodin und entlehnte die formale Reduktion der Volkskunst. Während Rodins Interpretation Erotik vorführt, schuf Brancusi ein Sinnbild für die leidenschahliche Verschmelzung von Mann und Frau.

 Die Danaide , die offenbar wieder Bezug auf ein Werk Rodins nimmt, demonstriert eine wichtige Erfindung Brancusis. Er kombinierte den polierten, zu einem Oval reduzierten und teilweise vergoldeten Bronzekopf mit einem roh behauenen Sockel aus Holz. Brancusi verschafhe damit seinen Skulpturen ein eigenes Bezugssystem, das auch in puristischen Ausstellungsinszenierungen funktionierte.

 Für den Künstler war das Atelier der ideale Raum für seine Plastiken. Seine unmittelbar von afrikanischer Plastik inspirierten Holzstelen führen die unterschiedslose Behandlung von Sockel und Figur vor . Für Brancusi, der das Modellieren in Ton aufgegeben hatte, galt - mehr als für andere - die materialgerechte Form als ungeschriebenes Gesetz. So reduzierte er seine Marmorskulpturen auf den festen Kern, die ovale Form. Seine Schlafende Muse, deren erste Version 1909/10 entstand, demonstriert die kompromißlose Reduktion des Kopfs auf die Eiform. Diese Abstraktion hebt die Naturähnlichkeit auf, ohne ihren Bezug zu verleugnen.

 

Wie Mondrian seine geometrischen Farbkompositionen im Prozeß der Abstraktion der Struktur eines Apfelbaums abrang, ging Brancusi zunächst vom Gegenstand aus. Die Eiform symbolisierte für ihn Fruchtbarkeit, den Ursprung des Lebens. Der Anfang der Welt heißt denn auch eine Bronze-Version von 1924, deren reflektierende Oberfläche optisch ihre Materialität aufhebt. Dasselbe Phänomen rufen die Bronzeversionen seiner gut 27 Vogelskulpturen hervor.

Während der mythische Vogel Maiastra noch als solcher erkennbar ist, sind beim Vogel im Raum alle Referenzen an das Tier verschwunden. Dies überforderte im Jahr 1927 die Zollbeamten, als der Fotograf Edward Steichen einen Bronze-Vogel von Brancusi nach Amerika einführen wollte. Für die Männer entsprach der glatte Branzekörper nicht den Zollkriterien, nach denen Kunstwerke handwerklich anspruchsvoll gestaltet sein mußten. Das Werk stellte für sie lediglich einen Materialklumpen dar, bei dem 40% Steuern anfielen. Brancusi gewann den im folgenden Jahr aufwendig geführten Prozeß und erhielt eine Entschädigung.

 

Ein Blick in Brancusis Atelier verrät, wie selbstverständlich ihm der Dialog zwischen Sockel und Figur war. Das 1918 aufgenommene Atelierfoto zeigt eine aus rhomboiden Formen aufgebaute Säule aus Holz. Die Endlose Säule dürfe, so mutmaßen Kunsthistoriker, zunächst als Unterbau für eine Form gedacht gewesen sein. Wie dem auch sei: Die in mehrfachen Versionen ausgeführte Säule gehört zu den folgenreichsten Taten Brancusis. Mit der Wiederholung des Moduls verwischte er seine persönliche Handschrih, die Herstellung wurde reproduktiv. 1937/38 ließ Brancusi die Endlose Säule monumental ausführen. Die rumänische Regierung hatte ihn mit einem Denkmal für die Opfer des Ersten Weltkriegs im Park von Tirgu Jiu beauhragt und dem international renommierten Künstler dabei völlig freie Hand gelassen. Brancusi ließ neben der 293 m hohen Säule in einer Achse den Tisch der Stille und die Kußpforte errichten, die beide auf Themen aus seinem Werk Bezug nehmen: Der Tisch erinnert an den Sockel der Leda , das Tor ist die monumentale Version des Kusses .Merkwürdigerweise entspricht die Anlage der Achse, die in Paris vom Obelisken von Luxor und der Place de la Concorde über den Arc de Triomphe zum Parc du Caroussel verläuft. Brancusi verwendete also die den französischen Imperialismus feiernde Struktur für ein Kriegsdenkmal, wobei fraglich ist, ob sich der Bildhauer der Analogie und ihrer Konsequenzen bewußt war.

Links:
Brancusis Atelier Nachbau im Centre Pompidou

Literatur:

kunstwissen.de

 
>