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Skulptur im öffentlichen Raum - Lüpertz wollen wir nicht!

Dieser Artikel aus >art Das Kunstmagazin< Nr 9/September 2002 von Axel Hecht

beleuchtet beispielhaft unter welchen Umständen die Aufstellung von Kunstwerken im öffentlichen Raum von statten geht, bzw. verhindert wird.

Orinigaltext und Bild

 

"Augsburger Brunnen haben Weltruf: Der Niederländer Hubert

 

Gerhard, führender Bronzebildhauer des Manierismus, hinterließ hier 1594 den herrlichen Augustusbrunnen. Seinem Landsmann Adriaen de Vries, dem bedeutenden Meister des Frühbarock, verdankt die einstige Reichsstadt gleich zwei epochale Wasserspiele - den Merkurbrunnen (1599) und den Herkulesbrunnen (1602).

Darf in Augsburg keinen Brunnen krönen: Bronzefigur "Aphrodite" des Künstlers Markus Lüpertz

Was lag da näher, als bei der jetzigen Erweiterung der historischen Achse zwischen Dom und der Basilika St. Ulrich und Afra an diese Tradition anzuknüpfen und die "Kaisermeile" mit einem neuen Brunnenwerk zu krönen. Diesmal sollte es eine Aphrodite des Düsseldorfer Malers und Bildhauers Markus Lüpertz sein.

So dachte 1997 der als Sieger aus einem Ideen-Wettbewerb hervorgegangene Architekt Hans Schrammel, so wollte es der CSU-Oberbürgermeister Peter Menacher, und so bestätigten es 45 von 50 Augsburger Stadträten. Zu allem Glück erwuchs der ehrwürdigen Fuggerstadt in der örtlichen Verlegerin Ellinor Holland auch noch eine freigebige Mäzenin, die das Kunstwerk mit einer Stiftung von damals einer Million Mark befördern wollte. Glückliches Augsburg.

Als die füllige, vor skulpturaler Kraft strotzende Aphrodite in Augsburg ankam und im Rathaus Zwischenquartier bezog, war es mit der Harmonie vorbei. Erste Proteste wurden laut, und in einer populistischen Gemeinschaftsaktion strengten die Freie Bürger Union und die FDP ein Bürgerbegehren an. Im anschließenden Abend der Bürgerversammlung wurde die Moderne niedergemacht.

Als jetzt deutlich wurde, dass nach der Kommunalwahl weder der neue Rat noch der neu gewählte SPD-Bürgermeister Verantwortung für die Aphrodite übernehmen würden, zog die Stifterin verletzt ihre Zusage zurück."

 

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