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Griechische Kunst 2 - Bildhauerei

Archaischer Stil: Mit dem Bau der großen Tempel in der 2.Hälfte des 7.Jh. v.Chr. entwickelte sich die monumentale Plastik des archaischen Stils (650500). Götter, Verstorbene und siegreiche Kämpfer wurden als nackte Jünglingsgestalten (Kuroi) in strenger, frontal ausgerichteter Haltung, in Schrittstellung und mit anliegenden Händen dargestellt. Gleichzeitig entstanden bekleidete weibl. Figuren als Verkörperungen von Göttinnen (Göttin mit dem Granatapfel, um 580560; Berlin, Antikensammlung), Verstorbenen und als Weihgeschenke (Koren). Neben der Freiplastik entwickelte sich die Reliefkunst der für die ersten dor. Tempel gearbeiteten Metopen und Giebelfelder.

Klassische Kunst: Die klassische Kunst setzte mit dem strengen Stil (500450) ihrer Frühzeit ein, als sich nach den Perserkriegen auch die Kunst zu neuer Blüte entfaltete. Die starre Gebundenheit des archaischen Stils wurde gesprengt, der menschl. Körper in anatomisch verstandener Bewegung erfasst. An der Wende zu dieser Entwicklung entstanden die kämpfenden Krieger der Giebel des Aphaiatempels von Ägina. Die nach ihrem Äußeren gewaltigsten erhaltenen Werke des strengen Stils sind die Giebelbildwerke und Metopen von Olympia, kostbare Zeugnisse der klass. Erzgießerkunst der »Wagenlenker von Delphi« (478474; Delphi, Archäolog. Museum) und der »Gott aus dem Meer« von Kap Artemision (um 480 v.Chr.; Athen, Archäolog. Nationalmuseum). Die meisten Bildwerke der grch. Klassik sind nur durch röm. Kopien v.a. des 1.3.Jh. n.Chr. bekannt. So wurden die Marmorgruppe der beiden Tyrannenmörder Harmodios und Aristogeiton (Neapel, Archäolog. Nationalmuseum) nach einer 477 v.Chr. entstandenen Bronzegruppe kopiert und der »Kasseler Apoll« nach einem vielleicht von Phidias stammenden Werk.

Hohe Klassik: Im Übergang vom strengen Stil zur hohen Klassik des 5.Jh. v.Chr. entstanden der »Diskuswerfer« und die Athena-Marsyas-Gruppe von Myron. Die überragenden Bildhauer des Jh. waren Phidias und Polyklet. Zu den Meisterwerken des Phidias zählen die monumentalen Standbilder des Zeus in Olympia und der Athena Parthenos im Parthenon zu Athen, von denen kleine Nachbildungen eine nur ungefähre Vorstellung vermitteln; zwei 1972 vor der Küste Kalabriens bei Riace gefundene Kriegerfiguren aus Bronze sind möglicherweise Originalwerke des Phidias. Unter Leitung des Phidias entstanden die Parthenonskulpturen (die Bildwerke der beiden Giebel, 92 Metopen) und der 160m lange Fries (ElginMarbles). Sein Einfluss wirkte durch Mitarbeiter und Schüler bis Ende des Jh. fort. Polyklet entwickelte den Kontrapost und schuf v.a. Jünglingsgestalten aus Erz (Doryphoros, Diadumenos).

Späte Klassik: In der Zeit der späten Klassik des 4.Jh. v.Chr. wandelte sich die heroische Auffassung in eine mehr persönl. Darstellung. Kephisodot schuf das Standbild der Friedensgöttin Eirene für den Markt in Athen, Praxiteles in meisterl. Marmorbehandlung anmutige Bildwerke wie den Apoll Sauroktonos (»Eidechsentöter«), den »Hermes mit dem Dionysosknaben« und die Aphrodite von Knidos. Zu schlankeren Proportionen und freierer Bewegung gelangte Lysippos (Apoxyomenos). Gleichzeitig wirkten Skopas und in der 2.Hälfte des Jh. Leochares, der wie Lysippos Standbilder Alexanders d.Gr. schuf. In Athen blühte die Kunst der Grab- und Weihreliefs, durch deren Ausfuhr die att. Kunst weite Verbreitung fand.

Hellenistische Kunst: Der Stil des Lysippos und seiner Schule leitete zur hellenistischen Kunst über, deren Bildhauer die körperl. Bewegung und den Ausdruck bis zu barockem Pathos steigerten. Hauptwerke aus dieser Spätzeit der griechische Kunst.K. entstanden v.a. in Pergamon (u.a. Sockelfries des Pergamonaltars). Zu Beginn des 2.Jh. v.Chr. datiert die Nike von Samothrake, gegen Ende die Aphrodite von Melos (beide Paris, Louvre). Die letzte barocke Steigerung lässt die Laokoongruppe erkennen (wohl aus dem 1.Jh.; Rom, Vatikan. Sammlungen). Ihr nahe verwandt ist der oft kopierte »Kopf des blinden Homer«, der zu den bedeutendsten Werken der zu hoher Blüte entwickelten Bildnisplastik gehört. Im 1.Jh. v.Chr. kam gleichzeitig eine klassizist. Richtung auf, der z.B. das an klass. Vorbilder anknüpfende Bildwerk des »Dornausziehers« zuzurechnen ist.

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