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ÄGYPTISCHE KUNST

Die Bildhauerarbeit aus Stein oder Holz diente dem Ägypter zur Verewigung des Menschen. Sie ist Darstellung einer bestimmten, einmaligen, hochrangigen Person (Pharao, höherer Beamter, Schreiber etc.). So näherte sich die Bildhauerei der Porträtkunst, mit dem Unterschied, daß die Statue nicht den Dargestellten für andere verlebendigen will, sondern den Dargestellten selbst über die Dauer seines Lebens erhalten will. Dies geschieht in der Festigkeit des Steines ( Granit ), um über den Tod hinaus in die Ewigkeit einzugehen. In der ägyptischen Statue ist alles zu Stein erhärtet. Selbst die Haltung ist nicht Sinn in sich selbst, sondern kultisches Motiv. Die ägyptische Nacktheit ist unerotisch, sie muß es sein, weil es keine Bedeutung für einen Betrachter gibt. Die Bedeutung der Statue ist ein >Für - sich- Sein< für alle Zeiten.

 Die Darstellungsform ist gekennzeichnet durch einen blockhaften Aufbau und strenge Formbildung. Das Menschenbild ist unbewegt und auf die reine Frontal- und Profilansicht ausgerichtet. Die Anwendung des Gesetzes der Frontalität (lat. frons= Stirn ) hat zur Folge, daß der Kopf der Statue immer' geradeaus gerichtet ist und zB. das Nachvornegreifen eines Armes schräg in den Raum unmöglich gemacht wird.

 Die besondere Form, die den Statuen ihren Ewigkeitscharakter verleibt ist die Blockform, in welchen die Figur eingeschlossen ist und der noch kein Gott einen lebendigen Atem eingeblasen hat. Die Blockform ist mathematisch, kubisch, starr, beziehungslos zur Umgebung, von ihr abgeschlossen. Alles schließt sich nach außen ab. Der Würfel wird zur Idealform - eine einfache, ja eintönige Form (Würfelhocker) Alle Glieder, deren Abspaltung vom Körper auch dessen Unverletzlichkeit und Dauer bedroht hätte, sind hier in einem einzigen undifferenzierten Block eingebunden. Gerade die verewigende Kraft des strengen Blockzusammenhanges, schließt auch die Figur in sich zusammen und löst sie von jeder Verb indung zur AuBerwelt (Sockelbezug). Ruhend und schweigsam beharrt der Dargestellte in sich und wird durch die individuelle Darstellung erst recht als ein fur sich seiendes Wesen erfahrbar. Dieses wird in Stein nicht dargestellt, sondern geborgen.

Die Figuren sind nach einem strengen Proportionssystem aufgebaut, dessen Grundeinheit die Faust als achtzehnter Teil der Gesamthöhe ist. Die Körpermaße des Pharaos dienen dabei als Normmaße: Elle ( Abstand zwischen Mittelfinder und Ellenbogen) und Fuß. Die Ellenmaße wurden in Stabform aus Holz, Bronze oder Stein gefertigt. Das benutzen von anderen Maßen war verboten. Die Mumifizierung ist das Formideal. Nicht Lebensäußerung, sondern Lebensunterdrückung; eine Haltung, die auch wo sie natürlich erscheint, ein sich selbst auferlegter Zwang ist, eine Unterdrückung aller Regungen. Das Lebendige zieht sich gleichsam in den Block zurück. Die Form ist ein von außen das Individuum bindendes Gesetz (s. Proportionsschemata),

 Fast alle Statuen waren bemalt, aber nicht naturalistisch. Die Körperfarbe der Männer ist rotbraun, die der Frauen hellgelb. Haare,Augenbrauen und Bart sind schwarz. Die ebenfalls schwarz nachgezogenen Wimpern lassen die aus verschiedenem Material eingelegten Augen starr in die Ferne blicken. So wirken die Statuen stets streng zeremoniell. Aus ihren Gesichtern ist keine seelische Regung oder Empfindung zu lesen.

 Wenn die Statue vor der Welt in einem geschlossenen Raum verborgen wurde, dann nicht um auf einen Betrachter zu wirken, sondern die Seele („Kaa") für die Ewigkeit zu schützen. Die Statue bot der Seele nach dem Tode des Körpers einen neuen Aufenthaltsort, an welchem sie nun für alle Zeiten Aufenthalt finden konnte (s. Seelenwanderung, Totengericht etc.) So ist die ägyptische Statue eine Kunst der Toten, für das Grab und deshalb eine Kunst ohne Leben. Der Ägypter bedurfte der magischen Vorstellung eines primitiven Glaubens an die Magie der Dinge, um an das Weiterleben des Dargestellten zu glauben.

Das antike Denken, Fühlen und Handeln wird bestimmt durch den Mythos der Götterwelt. Dieser Götterwelt ist der Mensch schicksalhaft ausgeliefert.Zu deren Freundlichstellung /Besänftigung /Gunsterwartung betet und opfert der antike Mensch , gibt Weihegaben und baut den Göttern Häuser mit deren Standbildern. Während die ägyptischen Götter die Gestirne darstellen und in ihrem Tiermenschwesen noch holistisch erscheinen, sind die griechischen Götter schon auf die Erde herabgestiegen und paaren sich mit den Menschen, leben zwar noch enthoben auf dem nebelumwobenen Olymp, mischen sich aber in das tägliche Leben der Menschen und interagieren mit derem Schicksal.

Die Kunst ist mythische Beschwörung Gottes in medizinisch wirkenden Bildern und Texten (siehe Steinzeit)

Grundlagen nach Richard Hamann >Geschichte der Kunst<, München 1963,

Link:

http://www.eternalegypt.org

kunstwissen.de

 
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