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Geschichte des IndustrieDesign

Arts & Crafts/ Deutschen Werkbund/ Das Bauhaus/ HfG Ulm/

Russland /Skandinavien / USA

Das Industriedesign leitet sich aus zwei sehr unterschiedlichen Ansätzen ab: Der eine, historisch ältere Ansatz hat seinen Ursprung in der Debatte um die Rolle des Menschen im Industriezeitalter und der Suche nach angemessenen ästhetischen Formen. Der andere Ansatz orientiert sich am Marketing und der Nutzung des Industriedesigns zur Verkaufsförderung und der Erhöhung des Umsatzes.

Arts & Crafts -Design und Sozialreform Die industrielle Revolution des 18. und 19. Jahrhunderts war gekennzeichnet durch den Niedergang der Handwerksarbeit, durch Arbeitsteilung und Fabrikarbeit. Der Industriearbeiter ist von „seinem" Produkt entfremdet. Möbel, Stahlwaren und Textilien z. B. sollten einer neuen städtischen Mittelklasse gefallen, die eine große Nachfrage nach billigen, aufwendig verzierten Produkten schuf. Neben der grundlegenden, aber vorwiegend politisch, ökonomisch und sozial orientierten Kritik von Karl Marx und Friedrich Engels sahen Reformer wie John Ruskin und William Morris auch Verbindungen zwischen dem industriellen Produktionssystem, der kulturellen Verarmung der Gesellschaft und, in Bezug auf das Design, einem Mangel an Kritikfähigkeit bei Herstellern und Verbrauchern. Diese Debatte erlebte ihren Höhepunkt anlässlich der Weltausstellung von 1851, die Gebrauchsgegenstände und Maschinen aus vielen Ländern zeigte, deren Gestaltung von rationaler Gebrauchsorientierung bis zu viktorianischer Opulenz reichte.

Unter den europäischen Reformern gewann die Auffassung an Einfluss, dass Industriedesign ein soziales Anliegen und eine Aufgabe für Politik und Erziehung sei. Diese Sichtweise charakterisiert die Debatte um das „Industriedesign" im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Sie führte zur Gründung von Institutionen, die sich ganz oder teilweise der Idee moderner Produktgestaltung verschrieben: 1896 wurde in London die Central School of Arts and Crafts gegründet, die sich der Gestaltung von Gebrauchsgegenständen und Architektur widmete.

1907 gründeten Künstler, Kunsthandwerker und Industrielle in München den Deutschen Werkbund mit ähnlicher Zielsetzung, der bis zu seiner Auflösung 1933 zahlreiche wegweisende Ausstellungen organisierte. Mitglied des Werkbunds war z. B. Peter Behrens, der seit 1907 für die AEG als Architekt und Gestalter arbeitete und 1920 für die Farbwerke Hoechst das Verwaltungsgebäude entwarf. Internationalen Einfluss sollte das 1919 in Weimar gegründete Bauhaus (1925 in „Hochschule für Gestaltung" umbenannt) gewinnen.

Das Bauhaus erhob die Einheit von Kunst, Handwerk, Architektur und Technik zum Programm. Die industrielle Formgebung sollte von Funktionalität und Materialgerechtigkeit geprägt sein. Die hier entwickelten Ideen wurden stilbildend und setzten sich nach 1930 international durch. Architektur und Industriedesign waren nach 1945 weitgehend vom Bauhaus geprägt.

Eine Tradition, die die Ulmer Hochschule für Gestaltung (HfG) in den fünfziger Jahren mit einem Hauptschwerpunkt Industriedesign wieder aufnahm. Der internationale Stil, vertreten z. B. durch Architekten wie Le Corbusier und Ludwig Mies van der Rohe, hatte großen Einfluss auf den neu entstehenden Beruf des Industriedesigners.

Kunsthistorisch kaum zu überschätzen sind auch die gestalterischen Leistungen der russischen Avantgarde. Künstler aus dem Umkreis von Futurismus, Konstruktivismus und Suprematismus schufen in den Jahren vor und nach der Oktoberrevolution, vor allem in den zwanziger Jahren, höchst eigenwillige und kühne Entwürfe, die aber wenig später im Westen vergessen und im Osten aus dem offiziellen Kunstleben verbannt wurden. Auch die russische Avantgarde sah im Industriedesign eine Möglichkeit, gestalterisch in die sozialen und politischen Entwicklungen einzugreifen. Zum Teil wurde die industrielle Formgebung höher bewertet als die „reine Kunst". Kasimir Malewitsch entwarf Teekannen und -tassen aus Porzellan sowie Stoffmuster. Seine Archtitekturmodelle, die er Architektona nannte, waren abstrakte Raumobjekte, für die keine konkrete bauliche Umsetzung geplant war. Malewitsch gestaltete auch Inneneinrichtungen und Bühnenbilder für Theater. Als Textil- und Modedesigner traten z. B. Aleksandr Rodtschenko und Grigorij Miller hervor. Die Künstlerin Ljubow Popowa entwarf Mode und Textilien für die Massenproduktion und Bühnenbilder, Warwara Stepanowa betätigte sich als Gestalterin von Mode, Textilien, Möbeln, Bucheinbänden und von Typographie. Von El Lissitzky stammen Entwürfe für Architekturen, von Naum Gabo für Funktürme und von Wladimir Tatlin, der eine neue „Ingenieurkunst" anstrebte, das berühmt gewordene Modell für ein „Monument der III. Internationale", das über 400 Meter hoch werden sollte, aber nicht verwirklicht wurde. Das Design der russischen Avantgardisten war radikal und von äußerster Kühnheit, fand aber nur in den Jahren nach der Oktoberrevolution einige Resonanz. Spätestens unter Stalin konnte es sich gegen den vorherrschenden konservativen Kunstgeschmack nicht mehr durchsetzen.

Die skandinavischen Länder mit ihrer ausgeprägten Handwerkstradition und der späten Industrialisierung zeigten, wie modernes Industriedesign (Möbel, Textilien und Konsumgüter) Massenproduktion, Schönheit und Schlichtheit der Form mit menschlichen Bedürfnissen, Materialkenntnis und Erfordernissen des Marketings verbinden kann. Alvar Aalto (Finnland) und Bruno Mathsson (Schweden) schufen ein verblüffend einfaches und funktionales Design. Der skandinavische Stil hatte in den fünfziger Jahren großen Einfluss auf das internationale Industriedesign.

Unternehmen wie Citroën in Frankreich, Braun in Deutschland und Olivetti in Italien gründeten in der Nachkriegszeit ihren Ruf und die Erfolge ihrer Produkte auch auf ihr unverwechselbares Design. Ihre Arbeit ist mit zahlreichen internationalen Preisen für Design ausgezeichnet worden.

War in Europa die industrielle Formgebung mit lebensreformerischen und ästhetischen, moralischen und pädagogischen, sozialen und politischen Zielsetzungen verbunden, so orientierten sich entsprechende Bemühungen in den Vereinigten Staaten in erster Linie an den Erfordernissen des Marktes. Ein durchgestyltes, „modernes" Aussehen und erkennbare Funktionalität sollte den Produkten Marktvorteile sichern. Oft waren die Produkte der Industriedesigner billiger herzustellen und einfacher zu bedienen, weshalb ihre Verkaufszahlen höher lagen als die ihrer Vorgänger, was dazu führte, dass der Beruf des Industriedesigners an Ansehen gewann. Kennzeichen des amerikanischen Designs der vierziger und fünfziger Jahre wurde die „Stromlinienform", die sich auf Erkenntnisse aus den im 19. Jahrhundert durchgeführten Untersuchungen zur Effizienz natürlicher Formen (wie z. B. von Vögeln und Fischen) stützte. Das führte nicht nur bei der Form von Autos, Eisenbahnen und Flugzeugen zur Verwendung der Tropfenform, sondern auch bei unbeweglichen Konsumgütern wie Toastern und Heftmaschinen, bei denen diese Form zum Zeichen von Modernität wurde.

Literatur:

kunstwissen.de

 
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