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Das Bauhaus (1919-1933)

Gründung / Weimar / Dessau

Das Bauhaus mußte schon 1925 dem Druck von Rechts in Weimar -weichen, nachdem »mit dem Wahlsieg der Deutschnationalen Volkspartei Hugenbergs im kleinbürgerlich-konservativen Thüringen die Vor- und Mitläufer der Nazis zur Regierung kamen«.  In Dessau entstanden schließlich nicht nur zunehmend industrielle Prototypen, auch die Reklame fand ihren Platz in der Bauhauslehre. Herbert Bayer, selbst vordem Bauhausschüler, war ab 1925 verantwortlich für Druck und Typografie. Mit der Aufnahme der Werbung in das Lehrprogramm erkannte das Bauhaus, den Zusammenhang von Produktion und Vermarktung.

Den Zusammenhang von Entwurfsidee, Entwurtsmethoden an industrielle Möglichkeiten und die Angleichung dieser Vorbedingungen an die sozialen Bedürfnisse. So wandte man sich um 1925/26 deutlich der Metallverarbeitung zu. Marcel Breuer entwarf 1925 seinen ersten Stahlrohrstuhl.

Er gebrauchte also ein Material, das selbst schon ein Industrieprodukt, ein Halbfertig-Fabrikat war. Verformungsmöglichkeit und andere Grundeigenschaften dieses Materials ließen eine neue funktionale Ästhetik des Sitzmöbels entstehen, wie sie in diesem Eindruck von Leichtigkeit, Zweckmäßigkeit, Bequemlichkeit, Glätte und Eleganz des industriellen Serien- und Massenprodukts vordem mit dem Material Holz kaum erzielt werden konnte. Eine vergleichbare Errungenschaft stellten die in der Metallwerkstatt entworfenen Raumleuchten und Tischlampen dar, die vermutlich nach Übernahme in die industrielle Massenfabrikation auf unauffällige Weise mehr für eine alltagskulturelle Integration der Bauhausform sorgten als die immer noch recht elitären und auch z. T. nicht billigen Typen der Stahlrohrmöbel.

Bauhaus Stahlrohrmöbel und Beleuchtungskörper, aber auch billige Typenmöbel aus Sperrholz z. B. zur Ausstattung sozialer Wohnungsbauten besaßen eine gewisse Endgültigkeit ihrer Gestalt, die den Zweck transparent machte, ohne sich jedoch in purer Zweckrationalität zu erschöpfen.

Die vorangegangene Phase des mehr von ästhetischen Prinzipien beherrschten konstruktivistischen Bauhausentwurfs bedachte Meyer hingegen mit beißender Kritik: »Inzüchtige Theorien versperrten jeden Zugang zur lebensrichtigen Gestaltung. Der Würfel war Trumpf, und seine Seiten waren gelb, rot, blau, weiß, grau, schwarz. Diesen Bauhauswürfel gab man dem Kind zum Spielen und dem Bauhaus-Snob zur Spielerei. Das Quadrat war rot. Der Kreis blau. Das Dreieck war gelb. Man saß und schlief auf der farbigen Geometrie der Möbel. Man bewohnte die gefärbten Plastiken der Häuser.«


Meyer wollte Typenmöbel für den Volksgebrauch, Produkt moderner Serienherstellung, Produkt des Studiums der Volksgewohnheiten, sozialer Standardisierung, physiologischer und psychologischer Funktionen, der Typisierung des Produktionsvorganges und sorgfältiger wirtschaftlicher Kalkulationen .


Schließlich beschreibt Meyer die Ausrichtung der nachfolgenden Bauhausperiode unter Mies van der Rohe als »gekennzeichnet durch die Rückkehr zur Lernschule. Der Einfluß der Studierenden auf die Lehrgestaltung im Bauhaus wurde liquidiert. Alle soziologischen Lehrfächer und Anschauungen, besonders in der Werkstattarbeit, verschwanden. Unter den Studierenden erschienen wieder Nachkommen der exklusiven Gesellschaftsschichten und in den Werkstätten exklusive Möbel aus exklusivem Material. Es tauchten die ersten organisierten Nazis unter den Studierenden auf
.

Schon 1928 hatte Alfred Rosenberg in München den >Kampfbund für deutsche Kultur< gegründet, war das erste programmatische Buch von Paul Schultze-Naumburg unter dem Titel >Kunst und Rasse< erschienen. Bekannt ist auch die Rolle, die der nationalsozialistische (thüringische) Innenminister Frick bei der Vertreibung des Bauhauses spielte. 1930 wurde Hannes Meyer als Leiter des Bauhauses entlassen und ging, wie Ernst May und andere sozial engagierte ArchitektenEntwerfer in die Sowjetunion, um dort an neuen staatlichen Bauprogrammen mitzuarbeiten. Im Dessauer Gemeinderat hatten die Nazis nach dem Wahlsieg in Anhalt von 1932 zusammen mit den Deutschnationalen die absolute Mehrheit. Damit war auch dort das Schicksal des Bauhauses besiegelt. Kurz nach dem Umzug nach Berlin wurde es von den Nationalsozialisten 1933 endgültig geschlossen, obwohl es inzwischen von Mies van der Rohe in eine private Lehranstalt umgewandelt worden war.



Zusammenfassung

Läßt man die ganze Epoche von 1919 bis 1933 Revue passieren, so ergibt sich kulturund designgeschichtlich folgendes Bild: Die Spanne zwischen 1919 und etwa 1925 Stellte die Periode der utopisch-politischen und ästhetisch-experimentellen Erneuerung dar, die in eine vorübergehende, bedarfs- und bevölkerungsorientierte Phase der kulturellen Konsolidierungsversuche der Republik einmündete. Diese Phase wiederum wurde abgelöst durch eine Periode der neuerlichen ökonomischen Erschütterung, die von einer nicht mehr sozialpolitisch steuerbaren auch kulturellen Verselbständigungstendenz des Produktionssystems begleitet wurde. Anfang der dreißiger Jahre erreichte die Neue Sachlichkeit, einst sozialfunktional interpretiert, ihren Höhepunkt der reifen ästhetischen Ausformung, ohne einer demokratischen Interpretation mehr zugänglich zu sein. Der >Stil um 1930 < war ein besonderer Warenstil geworden, ein vieldeutiger Stil des industriellen Fortschritts, der in seinen klassischen Zeugnissen scheinbar die >objektive< industrielle Form verkörperte, kühl, bestechend, elegant und glatt. In dieser gleichsam neutralen Zone konnten sich die Nationalsozialisten 1933 ohneUmschweife den >Stil um 193o<aneignen und ihn für besondere Codierungen in ihrem Sinne verwenden.


frei nach Gert Selle >Die Geschichte des Design in Deutschland von 1870 bis heute<

kunstwissen.de

 
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