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Das Bauhaus (1919-1936)

Gründung / Weimar / Dessau / Leben am Bauhaus

 

Das Bauhaus war mehr als eine Schule; es war eine Kommune, eine spirituelle Bewegung, ein radikaler Zugang zur Kunst in all ihren Formen, ein philosophisches Zentrum, dem Garten des Epikur vergleichbar. Das Bauhaus versuchte zwar als Ausbildungsstätte von Künstlern und Entwerfern eine Synthese von freier und angewandter Kunst zu erreichen, ging aber zunächst einen Doppelschritt rückwärts : ins Unpolitische und ins Handwerkskünstlerische.

Schon die Entstehungsgeschichte des Bauhauses spiegelt in ihrem programmatischen Ansatz eine besondere Form theoretischer Zerrissenheit. Die Gründungsmotive waren einerseits zukunftsorientiert, auf eine Synthese der gestalterischen Kräfte zum Aufbau einer neuen, gesellschaftlich verbindlichen Kultur gerichtet. Andererseits waren sie restaurativ; die Einheit von Kunst und Handwerk wurde beschworen, die mittelalterliche Bauhüttengemeinschaft zum Produktionsideal erhoben. Das Gründungsmanifest von Walter Gropius (1919) war ein Dokument des deutschen Spätexpressionismus, aber es enthielt, neben der Idealisierung handwerkskünstlerischer Arbeit, ansatzweise auch Vorstellungen von einer Einheitskultur der Zukunft mit religiösem Einschlag: »Bilden wir also eine neue Zunft der Handwerker ohne die klassentrennende Anmaßung, die eine hochmütige Mauer zwischen Handwerkern und Künstlern errichten wollte! Wollen, erdenken, erschaffen wir gemeinsam den neuen Bau der Zukunft, der alles in einer Gestalt sein wird: Architektur und Plastik und Malerei, der aus Millionen Händen der Handwerker einst gen Himmel steigen wird als kristallenes Sinnbild eines neuen kommenden Glaubens.«9 Bei der Gründung des Bauhauses 1919 in Weimar dominierte der mystische Expressionismus eindeutig ein allenfalls verschwommenes politisches Programm.

 Im »Programm des Staatlichen Bauhauses in Weimar« wurden als Leitziel lediglich die Sammlung allen künstlerischen Schaffens zur Einheit, die Wiedervereinigung aller werkkünstlerischen Disziplinen« genannt. Eine klare kulturpolitische Zielsetzung war lange nicht erkennbar, ja in der Gründungsphase durch die elitäre Abschließungstendenz der Schule von der sozialen Wirklichkeit praktisch verhindert. (Dennoch war das Bauhaus schon 1920 Angriffen von rechts ausgesetzt, in denen u. a. Vorwürfe wegen »fremdstämmiger« Anteile der Studentenschaft und deren spartakistischer Unterwanderung erhoben wurden.)

Dennoch wurde die Zeit um 1925/27 zur Schlüsselperiode des demokratisch-funktionalen Entwurfs.

frei nach Gert Selle >Die Geschichte des Design in Deutschland von 1870 bis heute<

kunstwissen.de

 
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