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Tarzan von Disney ....zusammengestellt von Nadine Notzem

Original-Titel: Tarzan
Genre: Zeichentrick, Abenteuer USA 1999
Regie: Chris Buck, Kevin Lima
Spielzeit: 88 Minuten

Tarzan ist zurück - als Held des neusten Disney-Trickfilms. Wir sagen Ihnen, wie sich Ihr Kind im Zoo als kleiner Tarzan fühlen und viel über wilde Tiere lernen kann.  

Die Disney-Zeichner hielten sich an die Vision des Tarzan-Erfinders Edgar Rice Burroughs (1875-1950), der den Urwaldhelden in 24 Romanen verewigte. Burroughs beschrieb den Dschungelmann als empfindsamen Naturburschen. Beim Kinopublikum kommt der sensible Tarzan glänzend an: Neben >The Lion King < ist >Tarzan< der bisher erfolgreichste Trickfilm.

Disneys originalgetreue Adaption des klassischen Tarzan-Stoffes zeichnet sich durch einen atemberaubenden Animationsstil, einen dezenten Soundtrack von Phil Collins (kein Karaokemusical wie gewohnt) und eine stringente Handlung aus. Eine Unmenge ideenreichen Schabernacks und ausgelassene Witze sorgen für Kurzweil. Erstmals als Trickfilm interpretiert, kann "Tarzan" zwar nicht die Dramatik von "König der Löwen" erreichen, ähnelt aber in vielen Belangen dem reifen "Mulan".

 

Man kennt ihn als röhrenden Kraftprotz, der wie ein haarloser Affe durch das Astwerk des Dschungels turnt. Viele Schauspieler haben den legendären Helden verkörpert - allen voran der Olympiaschwimmer Johnny Weissmüller, der den Urwaldkönig mit urchigem Charme mimte. Jetzt kommt Tarzan in völlig neuer Gestalt auf die Kinoleinwand - als Held im neusten Disney-Trickfilm. So rasant wie in diesem Spektakel hat sich der Affenmann bisher noch nie von Liane zu Liane geschwungen. Nach dem tragischen Tod seiner Eltern wird er von Gorillas adoptiert und behauptet sich in der grünen Hölle gegen Leoparden und Elefanten. Als sich eine schöne Britin in den Urwald verirrt, haucht er den unsterblichen Satz: >Ich Tarzan, du Jane<.

 


Die Story

Eine schiffbrüchige Familie erreicht die afrikanische Küste. Als die Eltern von dem Leoparden Sabor getötet werden, lassen sie ein hilfloses Baby zurück. Die Affenfrau Kala, die auch gerade ihr Junges verloren hat, findet das Menschenkind und zieht es gegen den Willen des Affenanführers Kerchak auf. Der Junge wächst zu Tarzan heran, fühlt sich aber stets als Auþenseiter.

Eines Tages erreichen britische Naturforscher den Urwald. Tarzan rettet die junge Jane vor einer Horde Gorillas. Beide kommen sich schlieþlich näher. Sie ahnen nicht, daþ der Begleiter Clayton einen hinterhältigen Plan hat.


Kritik

Die letzten Disneyfilme erzählten inhaltlich solide und sorgfältig ausgearbeitete Geschichten, waren aber zeichnerisch eher nachlässig. Bei "Tarzan" ist es umgekehrt. Zeichnerisch sehr innovativ, bleiben diesmal Story und Figuren auf der Strecke.

Inhaltlich taumelt der Film hin und her. Mal sehr auf Realismus bedacht, dann wieder überdreht albern. Gerade noch verhalten sich die Affen sehr glaubwürdig, dann reden sie über Uhrzeiten oder keimfreies Wasser. Die Szenen wechseln von eindrucksvollem Realismus hin zu kindlichem Klamauk. Es scheint so, als hätten an dem Film mehrere Personen gearbeitet, bei denen jeder einen anderes Ziel vor Augen hatte. Gegen Ende fällt dann alles auseinander, und man fragt sich, ob dieser sich animalisch perfekt bewegende Tarzan nun besonders realistisch sein soll, oder ob er bei seinen wirren und völlig übertriebenen Lianen-Künsten weniger eine Kreuzung von Mensch und Affe als eine Mischung aus Goofy und Roger Rabbit ist.

Leider versagen bei diesem Film alle Elemente, die sich sonst bei Disney-Filmen so bewähren. Für die Romantik läþt sich der Film keine Zeit, er ertränkt sie in Albernheiten und sinnloser Action. Der Bösewicht ist nicht nur uninteressant, sein Plan wird dem Zuschauer so spät mitgeteilt, daþ für den Aufbau von Spannung gar keine Zeit ist. So dient der hinterhältige Clayton am Ende nur für einen langweiligen Zweikampf mit Tarzan. Auch die Comical Sidekicks versagen in diesem Film, sie sind so verkrampft auf kindliche Komik gedrillt, daþ einem die gute Laune eher vergeht. Ðberhaupt gibt sich der Humor deutlich kindgerechter als bei den bisherigen Disney-Filmen, die auch mal ein paar Scherze für das ältere Publikum bereit hielten. Ðber die sehr kindliche Stimmung können auch ein paar Blutspuren und eine etwas rauhere Action nicht hinwegtäuschen. Besonders die Szenen, in denen Tarzan ein Kind ist, sind für den älteren Zuschauer furchtbar langweilig. Das ist untypisch für Disney, versucht man dort doch seit Jahren, die ganze Familie anzusprechen. Szenen wie die Mutprobe von Tarzan präsentieren sich aber derartig albern, daþ man sich als älterer Zuschauer ausgeschlossen vorkommt.

Zeichnerisch ist der Film eindrucksvoll, wenn auch der bedauerliche Trend anhält, die meisten Figuren mehr als fratzenhafte Karikaturen darzustellen. Für die meisten Bilder gibt der Film aber dem Zuschauer gar keine Gelegenheit, zu beurteilen, wie schön oder häþlich sie sind, da der Film sich auf ein so irrwitziges Tempo verlegt und somit ein längeres Betrachten einer Szene gar nicht zuläþt. Daþ dieser Film mehr Räumlichkeit hat als jeder Zeichentrickfilm zuvor, das ist unbestritten, nur hat man oft das Gefühl, weniger einen Trickfilm als ein unspielbares Videospiel zu sehen. Achterbahnmäþig wirbelt die Kamera durch den Urwald, während Tarzan und Jane mit allerlei übertriebenen Verrenkungen offenbar versuchen, den Zuschauer zum Lachen zu bringen. Das Dreidimensionale ist hier nicht länger ein bewuþt und sinnvoll eingesetzter Höhepunkt, wie zum Beispiel bei "Bernard und Bianca im Känguruhland" oder "Die Schöne und das Biest", es verkommt hier zu einer nicht enden wollenden und sich ständig wiederholenden Demonstration, die den Zuschauer schnell ermüdet und anödet.

Phil Collins, im Original öde, auf Deutsch eher unerträglich, hat dem Film auch mehr geschadet als genutzt. Seine bedeutungsschwangeren Liedtexte zerstören die Stimmung, und da die Figuren im Film nicht singen, wäre es diesmal vielleicht besser gewesen, auf Gesangseinlagen ganz zu verzichten. Wenn der Film damit versucht hat, die eindrucksvolle Anfangsszene des Films "König der Löwen" zu wiederholen, so muþ man feststellen, daþ kein einziger Abschnitt des Films an den Teaser von "König der Löwen" heranreicht.

Vielleicht widmet man sich bei Disney irgendwann wieder dem, was man dort seit Jahren beherrschte. Es geht bei einem Trickfilm nicht darum, das Machbare auf die Leinwand zu bringen. Stil, Inhalt und Technik müssen eine sinnvolle Einheit bilden. "Tarzan" verschwendet jedenfalls viel aufwendige Technik ohne Konzept an ein schlampig ausgearbeitetes Drehbuch. Die Chance einer eindrucksvollen Verfilmung mit einem animalisch-wendigen Tarzan im Mittelpunkt wurde durch das Ðbermaþ an kindischem Klamauk und hektischer Action verschenkt. Schade. Nicht alle Disney-Filme der letzten Jahre konnten begeistern, bei diesem muþ man sogar vor einem Kinobesuch abraten.



Gut ein Drittel des Films wird aufgewendet, das Familienleben der Affen und Tarzans Heranwachsen darin zu beschreiben. So ausführlich hat sich noch kein anderer Film mit der Ersatzfamilie des Urwaldhelden beschäftigt. Die Vorgeschichte von Drehbuchautor Tab Murphy wird hier spürbar: Murphy war 1988 verantwortlich für das Drehbuch von >Gorillas in the Mist<.


Das ist der neue Tarzan (Joe Lara), und das sind seine Vorgänger:

Elmo Lincoln (1918, im Stummfilm "Tarzan bei den Affen"), Gene Polar (1920), P. Dempsey Tabler (1921), James H. Pierce (1927), Frank Merrill (1929), Buster Crabbe (1933), Herman Brix (1934), Glenn Morris (1938), Johnny Weissmüller (drehte von 1932 bis 1948 zwölf Filme), Lex Barker (1950), Gordon Scott (1958), Dennis Miller (1959), Ron Ely (1966), Miles O'Keeffe (1981), Wolf Larson (TV, 1991).

Der schönste Tarzan war Brillenträger Christopher Lambert 1984 im Kino-Erfolg "Greystoke". Für seinen Tarzan stellte ihm die Filmfirma Haftschalen zur Verfügung - damit er die Liane nicht mit Jane verwechselt . . .

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