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Steinzeitliche Malerei

 :::Die Malerei auf Höhlenwände ist das älteste Zeugnis der Bilddarstellung des Menschen unter Verwendung von Pigmenten und Bindemitteln. Sie entstand in der Steinzeit mit dem Ausgang der Eiszeit, einer Klimaperiode, in der weite Teile Europas noch mit Gletschern überzogen waren und bezeichnet die Zeit von ca 31500 - 15 000 v. Chr.Dass die Steinzeitmenschen Kunstwerke schufen, ist dem modernen Mensch erst seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts bewusst. Die im Jahr 1880 entdeckte Höhlenkunst in der spanischen Höhle von Altamira wurde zuerst nicht als Steinzeitkunst anerkannt. Erst nach und nach führten weitere Entdeckungen zu einer wissenschaftlichen Akzeptanz.

Die meisten Fundorte in Europa befinden sich in Frankreich (150 Orte), gefolgt von Spanien (128) und Italien (21). Auch aus Afrika und den anderen Kontinenten sind Funde bekannt. Die Felszeichnungen handeln meist von Tieren und Menschen, wobei Pferde und Wisente den Hauptanteil ausmachen. Zeichen und unbestimmte Linien ergänzen die Vielfalt der Felskunst, die auch als „Kunst einer Jagdkultur“ bezeichnet wird.Der Eingang der Grotte Cosquer in Südfrankreich liegt heute unter dem Meeresspiegel. Dies beweist, dass mit der Erwärmung des Klimas viel Eis abgeschmolzen ist und der Meeresspiegel anstieg.

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Techniken

Striche und Punkte wurden mit der gefärbten Fingerspitze oder mit Pinseln aus Tierhaar gezeichnet. Bei der Versprühtechnik zerrieb man das Pigment zu einem feinen Pulver, das mit dem Mund oder mit Hilfe eines Röhrchens auf die Wand gesprüht wurde. Hielt der Künstler eine Hand dazwischen, entstanden durch diese Schablonentechnik Handnegative. In der Grotte Chauvet wurde auch die Verwischtechnik angewandt. Flachreliefe entstanden durch das Abmeiseln der umliegenden Fläche. Die wahre Meisterschaft der Höhlenkünstler bestand darin, dass sie die dreidimensionale Wirkung von Rissen und Vorsprüngen des Felsuntergrundes in das Bild mit einbezogen.


Beispiele für Fundstellen in Europa

Im Jahre 1940 entdeckten spielende Kinder in der Nähe des Ortes Montignac (Dordogne) einen Zugang zu der Höhle von Lascaux, welche in einer Gesamtausdehnung von über 100 Metern Bilder von zahlreichen Pferden, Rindern, Wisenten, Katzen und Steinböcken enthält. Diese Höhle kann heute zu ihrem eigenen Schutz nicht mehr besichtigt werden. Stattdessen werden die Besucher in eine originalgetreue Kopie der Höhle geführt. Einen vorläufigen Höhepunkt in der Forschung stellte die Entdeckung der Grotte Chauvet im Vallon Pont d’Arc in Südfrankreich durch die Höhlenforscher Chauvet, Deschamps und Hillaire am 18. Dezember 1994 dar.

Die heute für die Öffentlichkeit nicht zugängliche Höhle gilt zugleich als die bisher älteste und bedeutendste Bilderhöhle aller Höhlenkunstwerke. Im Inneren der Höhle befinden sich mehrere ausgedehnte Wandgemälde mit großflächigen und ausladenden Darstellungen von Tieren und Tiergruppen. Die Fähigkeit der ausführenden Künstler zur Abstraktion und Bildgestaltung zeugt von einer hohen künstlerischen Qualität (vgl. die nebenstehende Anordnung der Löwenköpfe).

 

Zeitdatierungen

Das Alter der Grotte Chauvet wurde mit Hilfe der Radiocarbonmethode auf etwa 31.500 Jahre datiert. Das Prinzip dieser Methode stellt sich folgendermaßen dar:

Mit dem Tod von Lebewesen endet ihre Kohlenstoffaufnahme. Die Überreste der Lebewesen enthalten Spuren von Kohlenstoff. Natürlicher Kohlenstoff enthält einen minimalen Anteil des radioaktiven C-14-Kohlenstoffisotops. Dieses zerfällt im Laufe der Zeit zu dem stabileren C-12-Kohlenstoff. Die Halbwertzeit des C-14-Kohlenstoff beträgt 5.730 Jahre, d.h. innerhalb dieses Zeitraums hat sich die Hälfte des radioaktiven Kohlenstoffs umgewandelt. Durch Bestimmung des Gehalts an übrig gebliebenem C-14-Kohlenstoff lässt sich mit einer Abweichung von ca. 1000 Jahren das Alter von Tier- und Pflanzenresten bestimmen.

 

Beispiele für das Alter von Höhlenkunst

Name

Fundort

Alter (Jahre)

Chauvet

Vallon Pont d’Arc/Südfrankreich

31.500

Cosquer

Marseille

18-27.000

Altamira

Kantabrien/Spanien

14-15.000

Lascaux

Montignac/Dordogne

17.000

 Links:

http://www.seilnacht.tuttlingen.com/Lexikon/Hoehlen.htm

http://www.culture.fr/culture/arcnat/lascaux/de/jeux.htm   (Höhlenmalereipuzzle)

von Christoph Binsfeld und Florian Adler

 

kunstwissen.de

 
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