<<


Richter, Daniel (geb. 1962 Eutin- )
.....

- geb. 1962 in Eutin, lebt und arbeitet in Berlin und Hamburg

- 1991 - 95 Hochschule der Bildenden Künste, Hamburg bei Prof. Werner Büttner und Assistent von Albert Oehlen

- bis 2000 ausschließlich abstrakt gemalt

- neue Bilder offenbaren Hinwendung zur Figuration

- zahlreiche Einzelausstellungen/ solo shows (z.B. in Los Angeles, Berlin und Paris)

"Schönheit durch Konfusion, Wahrheit durch Kollision"

Über seine Werke:

Die übergroßen Leinwände von Daniel Richter waren in einer seiner Ausstellunen in Düsseldorf so gehängt, dass sie den Besucher umzingeln, ihrer Wirkung kann er sich kaum entziehen. Vor allem in der Nahbetrachtung zeigen manche Bäume und Figuren noch Reste der Abstraktion, deutlich lassen sich Tropfspuren erkennen, die Leinwand ist mal dick bespachtelt, mal scheint der Bildträger durch. Der Bildraum, den Richter entwirft, liegt außerhalb: außerhalb des Logischen, Harmonischen und außerhalb des Innenraumes. Seine Figuren, deren Gesichter zumeist fratzenhaft verzerrt sind, bewegen sich im Wald oder in der Stadt, ohne dass sich ein spezifischer Ort bestimmen ließe.

Richter malt nicht an einem Realismus, vielmehr sollen seine gruselig verzerrten Körper, die mitunter brutalen Gemenge oder fantastischen Landschaften den paranoiden Zustand der Welt reflektieren - einer endzeitlichen Welt, der man in ähnlicher Form in den Schreckensbildern des Engländers Francis Bacon oder, weiter zurück, in den Infernos des Hieronymus Bosch begegnet.

Doch verzichtet Richter darauf, das Unheil in den Vordergrund zu rücken, er meidet blutige, schockierende Motive; seine Kunst ist die Andeutung. Kein Betrachter weiß, ob das Paar in Warum ich kein Konservativer bin in eine Umarmung oder einen brutalen Kampf verstrickt ist. Es bleibt fraglich, ob die geisterhaften Gestalten in Eure Nacht braucht keinen Mond durch einen idyllischen See waten oder auf der Flucht sind. Und diese Verwirrung wird von Richter forciert: Das Unbehagen überwältigt uns nicht, es schleicht sich ein.

Dass Daniel Richter auch mit den Bildtiteln spielt, wird rasch offensichtlich: Tuanus bezieht sich auf eine Polizeirazzia im Frankfurter Taunus, Phienox könnte eine Anspielung auf den Vogel Phönix sein, Zurberes verweist auf den Höllenhund Zerberus. Und der Titel der Düsseldorfer Ausstellung, Grünspan, meint nicht nur eine giftige grüne Farbe. Es ist eine Reminiszenz an den fast vergessenen Hamburger Schriftsteller Hubert Fichte und seinen Roman Detlevs Imitationen "Grünspan". In Fichtes autobiografischen Werken, die das Fremdsein des Individuums in der Welt reflektieren, meint Richter ein "Paralleluniversum in Sprache" zu finden.

 

Werke von Daniel Richter sind u.a.:
::

:

Allgemeine Merkmale seiner Werke sind u.a.: Riesenformate, heftig bunte Bilder, Schieren und Verkrustungen auf den Bildern (zeugen von eruptiven Malakt)

Merkmale seiner abstrakten Werke sind u.a.: vielfältigste Formen in einer unglaublichen Fülle gegeneinander gestellt, Flächen mit scharfen Pinselstriemen durchschnitten, Farben, die spinnennetzartig über die Leinwand rotieren

Merkmale seiner figurativen Werke sind u.a.: Vereinigung informativer und expressiver Bildelemente, Bezüge zur dokumentarischen Fotografie, Bezüge zur Kunstgeschichte, Bezüge zum aktuellen Zeitgeschehen

 

Weiteres über Daniel Richter:

Vor wenigen Jahren beschloss der Maler Daniel Richter, nichts mehr zu seinen Werken zu sagen. Lange hatte er das Bedürfnis verspürt, der Welt seine abstrakten Bilder zu erklären. Dann entdeckte er die gegenständliche Kunst, und fortan sollte diese für sich selbst sprechen. Lange aber währte sie nicht, die verbale Enthaltsamkeit. Zu sehr wird Richter getrieben, zu oft packt ihn der Enthusiasmus für seine Arbeit und überhaupt für die Gattung der Malerei. Mit heftigen Wortsalven will er das Publikum für sich einnehmen, will es teilhaben lassen an der Genese seiner Bilder, gibt mal den redegewandten Dandy, mal den aufrührerischen Rebellen. Ihn reizte die Kunst, in der die Welt erkennbar und entschlüsselbar zu sein schien. Im Jahre 1999 schälten sich erstmals Gesichter und Körperfragmente aus den Formen und Farben. Richter begann, das Genre des historischen Gruppenbildes neu zu definieren, er durchstöberte die Kunstgeschichte.

Wenn man aber von diesen unterhaltsamen wie vehementen Auftritten absieht und Richter von der Aura des Künstlerdarstellers enthäutet, dann entdeckt man einen begabten, erfolgreichen jungen Maler, der gerade dabei ist, das 19. Jahrhundert wieder zu entdecken.

Literatur: 

Daniel Richter - Grünspan von Daniel Richter, Julian Heynen

Kerber (Dezember 2004)

Gebundene Ausgabe / Sprache Englisch

Anbieter versendet in 1-2 Werktagen.


Daniel Richter - Hirn von Daniel Richter, Alexander Tolnay

Hatje Cantz Verlag (Mai 2003)

Gebundene Ausgabe / Sprache Englisch

kunstwissen.de