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RICHARD PRINCE (1949 born in Pana ma Canal Zone / lebt in NY, USA)

Das Prinzip der Aneignung, ursprünglich von Marcel Duchamp zu Beginn des Jahrhunderts entwickelt und in den sechziger Jahren von der Pop Art auf den Höhepunkt getrieben, bekam ab Ende der siebziger Jahre erneut Aktualität. Noch sehr viel stärker als in der Pop Art wurden Bdder aus der Werbung oder dem Fernsehen scheinbar 1:1 von Künstlem für ihre eigene Arbeit genutzt. Nicht nur als einer der ersten, sondem auch als einer der Provozierendsten praktizierte dies Richard Prince. Er arbeitete zu jener Zeit im Ausschnittsdienst des Time-Life-Verlags in New York und besaß so Zugang zu Tausenden von zerschnittenen Zeitschriften, bei denen meist ausschließlich die Anzeigenseiten noch vollständig waren. Er begann, diese Anzeigen zu fotografieren und aus diesen Fotos wiederum eigene Bilder zu komponieren. Dabei veränderte sich der Ausschnitt , die Farbigkeit, abert auch der Blickwinkel, wenn die Kamera schräg gehalten wurde.

Was im ersten Moment, zum Beispiel in der Serie >Cowboys<1980-1987, eine exakte Kopie der Marlboro-Werbung sein scheint, entpuppt sich schon bald durch Details als Unschärfe oder spezifische Betonung der Figur, wie auch die besondere Reihung das Ergebnis einer künstlerischen Auseinandersetzung ist Die synthetische und perfekte Werbewelt wurde nicht nachgeahmt, sondern in die unperfekte Wirklichkeit zurückgeholt. Der Huldigung an Werbung und Konsum die sich aus der Pop Art noch herauslesen läßt, war damit ein Ende bereitet.Wenn Richard Prince anschließend große Leinwände mit gezeichneten und geschriebenen und oft recht derben Witzen produzierte, spielte dies auf einen zusätzlichen Aspekt an. Die Werbewelt ist eine Ersatzwelt die des Witzes ebenso. In beiden wird gleichermaßen mit Klischees, aber auch mit unerfüllten Wünschen gearbeitet.

Christoph Blase 99

 

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