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FLUXUS (1962-1978)

Fluxus / Ziele von Fluxus / Wichtige Zitate / Cage / Maciunas / Beuys / Paik /

40Jahre später / Literatur / Links /

 

Fluxus ist die radikalste, experimentellste Kunstbewegung des 20ten Jh. Fluxus ist die Wiederaufnahme von Dada zu Beginn der 60ger Jahre. Fluxus wurde von einem Künstlerkollektiv getragen.Die Gründung der Gruppe (1962) und der Begriff ( 1960 ) stammen von dem Litauer George Maciunas ( 1931- 1978 ) der mit seinen Eltern 1944 zuerst nach Bad Nauheim,D flieht und dann 1948 in die USA geht. Der Begriff " Fluxus" wurde von GM als litauischer Begriff gewählt, für eine Zeitschrift der litauischen Kulturgruppe in NY , eine Zeitschrift,die nie erschienen ist. Der Begriff entstammt der Medizin und bezeichnet eine " fließende Darmentleerung" Der Begriff entspricht der Weltsicht des Dadaisten Hans Arp, der die dadaistische Kunst als Antikunst sah die "...unmittelbar den Gedärmen des Dichters entspring." Fluxus ist eng mit Musik, Aktion und Happening verbunden. Collageartig komponierte Aktionsabläufe, die auf Grund des Zusammentreffens von akustisch-musikalischen und choreographischen Ausdrucksformen als "Konzert" bezeichnet wurden und oft von mehreren Künstlern im Kollektiv aufgeführt wurden. Zumeist gab es eine strikte Trennung von Künstler und Publikum ( Aktion ), im Unterschied zum Happening. Fluxus ist Spaß und Bewußtseinserweiterung, Fug und Unfug.

Fluxus verstand sich als weltweit agierende globale Bewegung. Im Jahr der Gründung fanden Fluxus-Konzerte in Wuppertal, Wiesbaden, Kopenhagen und Paris statt. 1963 dann in Düsseldorf , Amsterdam, Dan Haag, London und Nizza. Die sieben Begründer bzw. der Kern von Fluxus ist : GM, Emmett Williams, Gerorge Brecht, Ben Patterson, Dick Higgins, Joe Jones, Nam June Paik oder auch anders.

Das Leben ist ein Kunstwerk, und das Kunstwerk ist Leben. Fluxus begriff das gesamte Leben als ein Stück Musik, als einen musikalischen Prozeß. Ich denke, der Ursprung des ganzen Skandals waren nicht die verschiedenen Fluxus-Aktionen, sondern vielmehr die Philosophie, die dahinter steckte. Die Idee, daß alles Musik sein kann, ist das überzeugendste und zugleich charakteristische Merkmal und macht Fluxus zu einer in sich geschlossenen Sache."

Emmett Williams

 Fluxus ist in den USA verbunden mit der Hippi und Freak Bewegung , bsonders stark in San Francisco und Holloywood,LA. ( Frank Zappa und die Mothers of Invention )

 

Everything we do is music. John Cage

Fluxus is an attitude rather than a product. Ben Vautier

Fluxus is a way of life and death. Dick Higgins

Fluxus questioned the borderline between art and life and created simple pieces filled with energy and humor, pieces that could be trans-mitted orally just like folklore and performed by everyone who wanted to. Bengt afKlintberg

Fluxus has made an art of nothing and vice versa. Larry Miller

Fluxus makes absolutely no sense. Eric Andersen

Der Betrachter vervollständigt das Kunstwerk. Marcel Duchamp

The more we know, the less we understand, the better it is. Philipp Corner

Fluxus dissolves human activity into recombinant forms. Larry Miller

Fluxus means change among other things. The Fluxus of 1992 is not the Fluxus of 1962 and if it pretends to be - then it is fake. The real Fluxus moves out from its old center into many directions, and the paths are not easy to recognize without lining up new pieces, middle pieces and old pieces together. Dick Higgins

I welcome whatever happens next. John Cage

Fluxus hasn't ever taken place yet. Thomas Schmit

siehe Hommage an Emmentt Williams, Hrsg. R.E.Pahlke, Horst Spankus, Nils Schwichtenberg, Museum am Ostwall, Dortmund 2005

 

Historische Situation ::1960 wurde John F. Kennedy als Nachfolger Dwight D. Eisenhowers zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Mit seiner Wahl verbanden sich Hoffnungen auf eine neue, modernere Gesellschaft. Dieser optimistische Aufbruch nach dem zweiten Weltkrieg geriet jedoch bald zur Krise: Kuba, die Ermordung Kennedys, seines Bruders und Martin Luther Kings, Vietnam . Auch in West-Deutschland war die konservative Adenauer-Ära von geistiger Stagnation gekennzeichnet.

Die Moderne Massengesellschaft ::::In der Zeit des Kalten Krieges , der Teilung der Welt in zwei ideologischen Blöcke begannen Künstler ihr Verhältnis zur Gesellschaft neu zu überdenken und arbeiteten an der Auflösung des „autonomen" Territoriums der Kunst. Massenproduktion und -Konsum und die einsetzende Massenkommunikation machten die Egozentrik des modernen Künstlerbildes fragwürdig. Die spontanen Gesten des abstrakten Expressionismus gerieten zur offiziellen westlichen Ideologie der Freiheit. Die scheinbar wertfreie Kunst war zu einer Kulisse der bürgerlichen Gesellschaft heruntergekommen und verlor dadurch an Glaubwürdigkeit. Also stellten sich Fragen wie:

Hat der Künstler tatsächlich spezielle Begabungen, die ihn von anderen Menschen unterscheiden?

Muß ein Kunstwerk von einem Künstler gemacht werden?

Muß es ein Gegenstand sein?

 

Fluxus
Die Wiederentdeckung des Dadaismus durch verschiedene Künstler ( z.B. Wolf Vostell ,1958 ) ermutigte zu unkonventionellen Antworten, die an die Stelle der idealen, humanistischen Werte der Moderne die Zufälle des Alltagslebens, Irrationalität, Widerspruch setzten.

Eine zentrale Figur dieses Umbruchs war der US-MusiktheoretikerJohn Cage. Schon 1952 führte er als Lehrer am Black Mountain College zusammen mit dem jungen Robert Rauschenberg die ersten happeningartigen Performances durch. In den späten fünfziger Jahren lehrte er in New York an der New School for Social Research, wo George Brecht, Al Hansen, Dick Higgins, Allan Kaprow, George Maciunas bei ihm studierten. Cage, ein Schüler von Arnold Schönberg, holte viele Anregungen für die bildende Kunst aus der Musik. Er setzte die reine Materialität des Klangs gegen die rationalen Kalküle neuer Musik. Berühmt ist sein Stück, bei dem der Pianist gar nicht in die Tasten greift, sondern unbeweglich sitzen bleibt, um die Umgebungsgeräusche zu Bewußtsein zu bringen.

 George Maciunas kam 1961 als Zivilangestellter (Graphiker) der US Air Force nach Deutschland. Durch Nam June Paik lernte Maciunas Emmett Williams kennen, der in Darmstadt für eine Armeezeitung arbeitete; außerdem Wolf Vostell, Karlheinz Stockhausen. „Fluxus" bezeichnete bald die Aktivitäten dieser Künstler und vieler Freunde. Zunächst fanden in Wuppertal und Düsseldorf sogenannte "action music" - Abende statt, die weniger Musik als Performance-Elemente enthielten. Aus diesen Aufführungen gingen die eigentlichen Fluxus-Festivals hervor, die am 1.9.1962 in Wiesbaden begannen, und dann in Kopenhagen, Paris, Düsseldorf, Amsterdam stattfanden. "Konzerte" nannten sich die Aufführungen der Fluxus-Künstler, auch wenn sie mit Musik im herkömmlichen Sinn nicht viel zu tun hatten. Eher inszenierten die Künstler kurze dadaistische Szenen, bei denen Musikinstrumente und deren Manipulation allerdings eine Rolle spielten.

 In seinen ersten Manifesten benutzte Maciunas, der wichtigste Protagonist dieser Kunstbewegung, den litauischen Begriff "Darmentleerung ", als auch die amerikanische Wörterbuchdefinition von "Flux" zur Definition von Fluxus: „Akt des Fließens: eine kontinuierliche Bewegung oder Entschwinden, wie bei einem fließenden Strom; eine andauernde Folge von Veränderungen." Dick Higgins formulierte später eine Liste von Fluxus-Merkmalen: Internationalismus, Experimentalismus, Ikonoklasmus, Intermedia, die Auflösung der Kunst&Leben-Dichotomie, Wirkungshaftigkeit, Spiel und Witz, Vergänglichkeit, Einzigartigkeit. Die Liste lässt erkennen, daß Fluxus "Kunst" mitten in den Handlungen des Alltags entdeckte, so wie Cage den Lärm als Musik definiert hatte. Im Dadaismus und Surrealismus waren Werke aus Fundstücken entstanden, sogenannte objets trouves. Die Szenen des Fluxus operierten mit "evenements trouves", mit alltäglichen Handlungen, denen sie einen neuen, künstlerischen Sinn gaben. Das zielte auch auf eine Auflösung des traditionellen Status von Kunstwerken, die nicht mehr ein dauerhaftes, vermarktbares Produkt sein mußten, sondern vergänglich sein konnten, oder eben auch nur aus einer Handlung bestanden. Dieses neue Flux-Werk wurde häufig nicht von einem einzelnen, sondern von einem Kollektiv produziert, ohne langwierige Planung und Einpassung in ein OEuvre: on the road und just in time. Fluxus entpersonalisierte den kreativen Akt, betonte eine kollektive Produktion.

 An dem Düsseldorfer Konzert 1962 nahm auch der mit anthroposophischem Hintergrund agierende Joseph Beuys teil, dessen Werk von diesen Erfahrungen stark beeinflußt wurde. Viele seiner Arbeiten, wie etwa die berühmte Fettecke, erfüllen den Anspruch auf Vergänglichkeit, den Fluxus formulierte. Andere, wie die grüne Geige, standen für die Handlungen, die mit den Gegenständen ausgeführt wurden oder ausgeführt werden könnten. Vor allem aber die Idee, zwischen Künstler und Gesellschaft eine neue Einheit herzustellen, geht auf die Konzerte der Fluxuskünstler zurück und bildet sich zur Formel KUNST=LEBEN LEBEN=KUNST JB:„Ganz klar (war) ein Instinkt vorhanden, daß man Menschen beteiligen muß an diesen Prozessen", erzählt er rückblickend. „Wenn man das konsequent durchdenkt, dann kommt man zur Sozialen Skulptur..."

Die Phase der dadaistischen Konzerte dauerte bis in den Herbst 1963, als Maciunas wieder nach New York zurückkehrte, weil ihm die US-Armee gekündigt hatte. Nach dieser Zeit, ab 1964, entstanden Fluxus-Objekte, die häufig als Arbeiten mit open end konzipiert waren. Viele der Arbeiten von Diter Roth, der nicht zum engeren Kreis der Fluxus-Künstler gerechnet wird, spiegeln diesen Geist. Sein fragiler SchokoladenLöwe ist der Alpraum jedes Sammlers, weil sein Verfall vorprogrammiert ist.

Damals plante Maciunas auch, Flux-Shops zu eröffnen, die ein alternatives Distributionssystem für Kunstwerke kreieren sollten, um die elitäre Welt der Galerien und Museen zu umgehen. Maciunas hoffte, alle Objekte der Fluxus-Künstler massenproduzieren zu lassen, um so weitgehend auszuschließen, daß ein einzelnes Werk hohen Wert gewinnen würde.

Nam June Paik hatte zusammen mit Karlheinz Stockhausen in den Studios des WDR an einer neuen elektronischen Musik gearbeitet. Die Manipulation von Klängen wandte Paik bald auch auf Videosignale an. Es entstand eine Art optischer Musik aus Motiven der Fernsehprogramme, die ins Abstrakte verzerrt oder rhythmisch gegeneinander geschnitten wurden. Paik entwickelte Skulpturen mit Monitoren, die einen ironischen Kommentar zur Medienwelt darstellten. 

Künstler: Ay-O, Joseph Beuys (1921-1984), George Brecht (German, 1926-), John Cage (American, 1912-1992),Philip Corner, Robert Filliou (French, 1926-1987), Henry Flynt (American, 1940-), Ken Friedman, Al Hansen (1927-1995), Geoffrey Hendricks, Dick Higgins (American, 1938-), Ray Johnson (American, 1927-1995), Alison Knowles (American, 1933-), George Maciunas (1931-1978), Jackson MacLow (American, 1922-), Larry Miller (American), Charlotte Moorman (American, 1940-1994), Yoko Ono (Japanese-American, 1933- ; married to the "Beatle" John Lennon), Nam Jun Paik (Korean-American, 1932-),Ben Patterson, Diter Roth, Carolee Schneeman, Thomas Schmitt, Daniel Spoerri (Swiss, 1930-), Benjamin Vautier (French, 1935-), Wolf Vostell (German, 1932-98), Robert Watts, Emmett Williams (American, 1925-), and La Monte Young (American, 1935-), Milan Knizak, Jonas Mekas u.a. among many others.

Barbara Moore - vorübergebend Verwaltung für New York Knuibaru Akiyama - Ko-Vorsitzender für Japan Willem deRidder- Ko-Vorsitzender und Verwaltung für Europa Ben Vautier - Ko-Vorsitzender für Europa

Liste der Fluxus-Leute (innerer Kern):

George Brecht, Ay-O ( Takao lijima), Willem deRidder, DickHiggins, Alison Knowles, Joe Jones, Shigeko Kubota, Takebisa Kosugi, George Maciunas, BenPatterson, Mieko Shiomi, Ben Vautier, Robert Watts, Em m et t Williams, La Monte Young.


Literatur:

 

Die Revolution der Romantiker

In den sechziger kamen us-amerikanische Künstler mit der Armee nach Deutschland: Maciunas, Hendricks, Al Hansen und Ben Patterson und verfolgten ihre Vorstellungen einer neuen progressiven multimedialen Kunst und Ästhetik. Ihre Arbeiten zeugen von dem Bedürfnis nach einer Wiederverzauberung der Welt jenseits des "american way of life of capitalism" Geoffrey Hendricks Wolkenbilder, Al Hansens Venus-Bilder und Ben Pattersons Reise-Arbeiten erinnern in ihrer Sehnsucht nach Mythos, Transzendenz und Freiheit andie Werke der Romantiker : Johann Christian Dahl, Runge, Friedrich und Ludwig Tieck. Wie die Romantiker ging es darum mit Ironie, Phantasie und dem Glauben an eine humane Utopie die Gesellschaft zu verändern:" Oh ihr ledernen Alltagsmenschen ersinnt immerhin Regeln! Die Menge wied euch loben für die dargebotenen Krücken, wer aber eigenen Kraft fühlt, verlacht euch!" (CD Friedrich, Bekenntnisse Hrsg Kurt Eberlein))