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Photorealismus (seit 1964)

Der Photorealismus ist die erste wirklich amerikanische Kunstrichtung die Europa nichts schuldet, meint der Sammler Louis K. Meisel der 1968 eine Galerie in NY gründete und Maler ausstellt die er Photorealisten nennt. Der andere Galerist der die Photorealisten vertrat ist Ivan Karp- der Entdecker von Andy Warhol- mit seiner "O.K.Harris Galerie". Möglich wurde der Photorealismus durch die Hinwendung zur Realität durch die Pop Art und eine breite Realismus reprägte Kunstausbildung in den USA. Zudem gab es Vorbilder wie zB. Hopper und Rosenquist. Der Photorealismus unterstützte die Hinwendung zur Photographie als Kunst, machte die breite Beachtung von Photographen als Künstler erst möglich, wie: Ruff, Struth , Cindy Shermann etc. pp. In hyperrealistischen Gemäden und Skulpturen wird die Wahrnehmung der Wirklichkeit thematisiert. In Bildern tauchen verstärkt Spiegelungen und Lichtbrechungen auf Chrom auf. Glas- und Wasserrefektionen werden wahrgenommen und dargestellt.

Die ersten Photorealisten Bilder entstehen um 1964 bei Robert Bechtle ( geb. 1932 in San Francisco,Ca ) und Audrey Flack ( geb. 1931, NY). Der Photorealismus wandte sich wie die Pop-Art gegen den Subjektivismus des Abstrakten Expressionismus und des Informel. Einerseits griff der Photorealismus auf realistische Traditionen zurück, so auf den amerikanischen Precisionism der zwanziger und dreißiger Jahre. Doch andererseits stellte er gleichzeitig den Illusionismus durch verschiedene Techniken der Übersteigerung in Frage. Extreme Perspektiven, riesige Formate, die teilweise an das Leinwandformat des Kinos erinnern, sowie Verzerrungen durch Weitwinkel führten das von einem Photo auf die Leinwand projizierte und dort akribisch ausgemalte Bild über die bloße Abbildlichkeit hinaus. Die kontrolliert genauen Wiedergaben wirklicher Gegenstände, Situationen, Gebäude usw. wirken in ihrer grellen Spiegelungsfunktion nicht selten schockierend und provozierend.

Der amerikanische Porträtmaler CHUCK CLOSE (geb. 1940) geht - wie jeder Photorealist im strengen Sinne - nicht von der Wirklichkeit der Natur und ihrem direkten Reiz auf die Netzhaut aus, sondern von der indirekten Wirklichkeit des Photos. Close zerlegt das Foto, indem er es mittels eines Rasters auf die Leinwand überträgt. Für die verschiedenen Bildpartien benutzt er verschiedene Fotos. Diese sowohl analytische wie synthetische Methode erlaubt es ihm, von einem very sharp focus auszugehen und sich in jedem einzelnen Bildsegment auf einen neuen Brennpunkt zu konzentrieren. Auf diese Weise kopiert er die Fotografien mit Acrylfarben peinlich genau und in mehrfacher Lebensgröße. Aufgrund der extremen Detailreichtum hat man den Photorealismus auch als Super- oder Hyperrealismus bezeichnet, eine art "High fidelity" (Hifi) für die Augen.

 


Zu den hervorragenden Vertretern des Photorealismus gehören u. a. die amerikanischen Maler Robert Bechtle ('71 Buick; 1972, Guggenheim-Museum, New York), Chuck Close (Self-portrait; 1968, Walker Art Center, Minneapolis), Robert Cottingham, Richard Estes (Foodshop; 1967, Museum Ludwig, Köln), Audrey Flack, Richard McLean , Ralph Goings, John Salt und Malcolm Morley, als europäischer Maler: Franz Gertsch. Die Mitglieder der deutschen Malergruppe "Zebra" gehören nicht zum Photorealismus. Im Bereich der Skulptur sind vor allem Duane Hanson und John De Andrea zu nennen. Für Hansons Figuren, wie Frau mit Umhängetasche (1974; Museum Ludwig, Köln) oder Putzfrau (1972; Staatsgalerie, Stuttgart), werden Gipsabformungen nach den lebenden Modellen hergestellt und in Kunstharz bzw. Polyester bis ins kleinste Detail (Perücken, Accessoires usw.) nachgeschaffen, so dass diese Figuren wie lebendig erstarrt erscheinen.

 

Themen und Bildgattungen.

Das Auto, Standardsymbol moderner Zivilisation, wird von den amerikanischen Fotorealisten besonders gern als Sujet gewählt. Bei Robert Bechtle (geb. 1932) wird das Familienauto vor Villa, Garten und Swimming-pool placiert, den Markenzeichen des bürgerlichen Wohlstandes. Straßenfluchten, Neonreklame, Porträts, Stillleben.

Charakteristik: > Alles ist, wie es ist- und ist als zusammengesetzte Oberfläche doch neu und anders, als es erscheint.<( H. Kanovitz) Die Fotorealisten versuchen also nicht, mit der detaillierten Genauigkeit des Kameraauges zu wetteifern. Was sie interessiert, sind die technischen Probleme bei der Übertragung von Farbtönen, Lichtpunkten und Reflexen. Hier liegt eine Beziehung zur Conzept art verborgen.

Photorealismus: Stilrichtung, die nach der Pop-Art, in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts aufkam und die Darstellungsmöglichkeiten der Fotografie in die großformatige Leinwandmalerei übertrug.

 

Künstler:

USA: Charles Bell (* 19435), Tom Blackwell (* 1938), Ralph Goings(* 1928), Richard Estes(* 1932), Chuck Close(* 1940), Robert Cottingham (* 1935), Don Eddy(* 1944), John Salt(* 1937 Engl., Ben Schonzeit(* 1942), Richard McLean (* 1934), John Kacere (* 1920), David Parrish(* 1939), Ron Kleemann (* 1937), Anthony Brunelli (* 1968), - Philip Pearlstein (1924), , John Clem Clarke, Alex Colville (* 1920), Kanada

Schweiz: Franz Gertsch (*1930) England: Malcom Morley

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