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Carl Spitzweg (1808- 1885 )

Carl Spitzweg wurde am 5. Februar 1808 in München geboren und starb am 23. September 1885 in München. Spitzweg, war ein Maler des Biedermeier. Im Kulturbetrieb des 19. Jahrhunderts nahm er alsAutodidakt. eine Außenseiterposition ein.

 

Seine Mutter gehörte als Tochter eines reichen Früchtegroßhändlers dem Großbürgertum Münchens an. Carls Vater war ein gebildeter Materialwarenhändler, der in München zu Achtung und Ansehen auch durch seine politische Tätigkeit gelangte.

Carl Spitzweg hatte zwei Brüder; für sie und Carl hatte der Vater ihre Berufe bestimmt. Der Alteste sollte das Geschäft übernehmen, Carl sollte Apotheker und der jüngste Arzt werden. In München verlebte er eine wohlbehütete Jugend, doch 1819 verlor er - elfjährig - seine Mutter.

Ab 1824 begann er mit Ölfarben zu malen, durchlief die Lateinschule mit vielen Preisen und schloss das humanistische Gymnasium 1825 ab. Obwohl sich sein künstlerisches Talent schon früh ankündigte (erste Zeichnung aus dem Jahre 1823) war er folgsam und begann im Jahre 1825 seine Lehrzeit in der Königlich-Bayrischen Hofapotheke in München. 1828 starb sein Vater. 1829 arbeitete er in der Löwenapotheke der Stadt Straubing, wo er ein Jahr zusammen mit Theaterleuten und Malern verlebte.

Spitzweg begann mit dem Studium an der Münchner Universität, die er 1832 mit Auszeichnung abschloss. Er war nun als praktischer Apotheker zugelassen. 1833 brach Spitzweg seine Apotheker-Laufbahn ab; er bekannte sich zu seiner wahren Bestimmung und wurde Maler. Diesen Entschluss fasste er während eines Kuraufenthaltes in Peißenberg nach einer Krankheit.

1835 wurde er Mitglied des Münchner Kunstvereins. Spitzweg hat nie eine Akademie besucht, er war ein Autodidakt. Es folgten Reisen nach Dalmatien (1839), nach Venedig (1850) und mit dem Landschaftsmaler Eduard Schleich nach Paris, London (zur ersten Weltausstellung) sowie auf dem Rückweg nach Antwerpen (1851) nach Frankfurt am Main und Heidelberg.

Seit 1844 war er Mitarbeiter der Fliegenden Blätter, welche er mit zahlreichen humoristischen Zeichnungen versah.

Kurz nach dem Tod seines jüngeren Bruders starb Carl Spitzweg am 23. September 1885 im Alter von 77 Jahren an einem Schlaganfall.

 

Werk

Carl Spitzweg schuf über 1.500 Bilder und Zeichnungen. Bereits ab 1824 begann er mit Ölfarben zu malen. Zu Lebzeiten konnte Spitzweg etwa vierhundert Gemälde verkaufen. Bewunderer und Käufer fand er vor allem in der zu neuer Kaufkraft gelangten Bürgerschaft, wenngleich die Popularität, die Spitzwegs Malerei heute genießt, erst nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzte.

Sein Malstil gehört der Spätromantik an. Anfangs war Spitzweg noch der biedermeierlichen Richtung verbunden, später hat sich seine Malweise aufgelockert, dem Impressionismus sehr nahe. Bereits während seiner Jugendzeit zeichnete Spitzweg viel; auch während seiner Arbeit in der Apotheke zeichnete er die Köpfe der wirklichen und eingebildeten Kranken, Jungen und Alten, sowie die Originale der Kleinstadt Straubing. An diesem idyllischen Städtchen gefiel Spitzweg besonders das malerische Kleinstadtbild mit den engen Gassen und zierlichen Erkern, die Türmchen, Brunnen und Steinfiguren. Immer wieder kommen diese Motive in seinen Bildern vor.

"Der arme Poet" (1839)

Spitzweg stellte Menschen in ihrem zeitbedingten bürgerlichen Milieu dar. Er schildert auf kleinformatigen Bildern das biedermeierliche Kleinbürgertum, die kauzigen Sonderlinge und romantische Begebenheiten. Zwar stellte er menschliche Schwächen dar, jedoch nicht das Verruchte oder das Gemeine; alles Derbe war Spitzweg fremd. Der arme Poet - das bekannteste und beliebteste Bild Spitzwegs überhaupt - stammt aus dem Jahre 1839. In dem Bild Der Kaktusliebhaber zeigt Spitzweg den Büromenschen vor seiner Lieblingspflanze, dem Kaktus. Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang auch Gemälde wie Beim Antiquar, Schildwache am Tor, Der Sterndeuter, Der Alchimist, Der Bücherwurm, Ein Besuch, Abschied oder Der Bettelmusikant.

Durch das Zusammensein mit dem Landschaftsmaler Eduard Schleich, mit dem er viele Reisen unternahm, rückte die Landschaft stärker ins Bewusstsein. Mit Natur- und Farbsinn malte er grandiose Bergmassive und deren freie Weite, romantische Waldwinkel, die grüne Hochebene mit Wald, Wiese und Erntefeld - zumeist bei schönem Wetter; er stellte lieber das Licht dar. Als Beispiele lassen sich Am Ammensee, Heuernte im Gebirge und Fahrendes Volk nennen.

Spitzweg hatte einen ausgeprägten Farbensinn. Durch die Apothekerausbildung, zu der auch die Chemie gehörte, gewann er chemische und technische Erfahrung bei der Herstellung seiner Farben. Er verwendete ein ganz eigenartiges, hell leuchtendes Blau, das man bei keinem anderen Maler und keiner anderen Malerin wiederfindet. Er verstand auch die Kunst, die Farben dauerhaft zu machen. Von seinen weiten Reisen brachte Spitzweg eine reiche Sammlung von Skizzen mit nach Hause. In seinem Atelier fügte er diese Skizzen in seine Gemälde ein.

Spitzweg verfasste auch zahlreiche Gedichte, und es sind etliche Briefe von ihm veröffentlicht

Der Kaktusliebhaber (nach 1850) Der Bücherwurm (um 1850) Der Bettelmusikant (1860-1865) Bergwanderung (um 1870)

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Liste der Werke (Auswahl)

 

Literatur

E. Spitzweg, Die Spitzweg-Mappe, München 1887.

Spitzweg, Karl, in: Meyers Konversationslexikon, 4. Aufl. 1888, Bd. 15, S. 172.

Ursula Peters: Zipfelmützenidylle. "Der arme Poet" von Carl Spitzweg, in: monats anzeiger. Museen und Ausstellungen in Nürnberg, Oktober 2003, S.3.

 

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