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Romantik (etwa 1795- 1860)

 

Der Begriff Romantik bezeichnet eine Geisteshaltung und einen Epochenstil.Mit einiger Berechtigung ließe sich die Romantik als die umfassende Bewegung verstehen, welcher als besondere Strömung der Klassizismus zugehört. Man sieht im Romantiker den irrationalen Geistestypus überhaupt. Die Romantische Bewegung um 1800 ist nur die besondere Erscheinungsform einer latent stets vorhandenen Einstellung zur Welt. Vor allem die deutsche Forschung neigte zu antithetischer Herausarbeitung zweier polar entgegengesetzter Idealtypen und stellte etwa »Deutsche Klassik und Romantik« als »Vollendung und Unendlichkeit« einander gegenüber (Fritz Strich). In der Kunstgeschichte hat Georg Dehio diese dualistische These vertreten, das "gotisch", "barock" und "romantisch" nur verschiedene Namen für dieselbe Geisteshaltung sind.

Der Subjektivismus ist der entscheidende Grundzug der Epoche und durchdrang sowohl den Klassizismus wie die Romantik. Aber er wirkte sich auf die Formensprache sehr unterschiedlich aus. Für den Klassizismus blieben immerhin die Antike und die »klassischen« Stile vorbildlich, die Romantik hingegen berief sich auf das eigene Gefühl und wählte danach frei ihre Anregungen. Setzte jener den Rationalismus der Aufklärung fort, so ließ diese sich durch die Kräfte der Phantasie beflügeln. Ihrem Blick in die Tiefen der Menschenbrust entsprach der in die Weite der Welt und in die Ferne der Geschichte.

Die bildnerische Form der Romantik kann daher nicht so leicht definiert werden wie diejenige des Klassizismus. Je nach der »inneren Notwendigkeit« benutzte der Romantiker archaisierende und gotisierende Formen, altdeutsche und dürerische, präraffaelische und manieri-stische, barocke, ja sogar klassizistische. Neben abstrakten und konstruktiven Elementen finden sich übersteigernde, rauschhafte, auflösende. Verschrieb man sich auf der einen Seite der Reinheit der Linie, so wurde auf der anderen Seite wie nie zuvor die Farbe in ihrem Eigenwert zum Träger symbolischer Gestaltung. Gerade die Vielfalt künstlerischer Möglichkeiten war das Merkmal der Romantik und machte diese zur Voraussetzung aller modernen Kunst.

Die Romantik befiel das ganze Abendland geradezu wie eine »Epidemie«. Anders als der Klassizismus zeigte sie aber in ihren Erscheinungsformen bei den einzelnen Nationen sehr verschiedene Symptome. Seit der Mitte des 18.Jahrhunderts verbreitete sich von England aus die Vor- oder Präromantik. Sie war in erster Linie literarisch: mit Thomson, Young, Burke, Macpherson in England, mit Rousseau in Frankreich, mit dem Sturm und Drang in der Schweiz und in Deutschland: 1797 Wackenroders »Herzensergießungen« und Fr. Schlegels »Fragmente«, 1798 Tiecks »Sternbald« und die »Fragmente« von Novalis, 1799 Schleiermachers »Reden über die Religion«, des Novalis »Die Christenheit oder Europa« und dessen »Hymnen an die Nacht«, sowie Fr. Schlegels »Gespräch über die Poesie«; 1803-1805 folgten Fr.Schlegels Aufsätze in der »Europa«.

Das neue Naturgefühl führte zur Schöpfung des Landschaftsgartens, der ebenfalls von der Insel aus seinen Siegeszug durch Europa antrat. Eine sentimentale Modeströmung mit ihrer Vorliebe für das Mittelalter, für Ruinen, Urnen, Grabmale und Höhlen löste die Neogothic aus. Die Romantische Bewegung selbst vollzog sich seit den neunziger Jahren des 18.Jahrhunderts in mehreren, jeweils von einer Generationsgemeinschaft vorangetragenen Wellen. Je nach den geistigen und gesellschaftlichen Gegebenheiten ging sie höchst verschiedene Wege und konnte sich sowohl mit der Revolution wie mit der Restauration verbinden.

 

Die bildende Kunst in Deutschland läßt drei Phasen erkennen.

Frühromantik: Runge und Friedrich, suchte-Novalis ähnlich - für ihre neuen Welterfahrungen eine revolutionäre Form jenseits der Tradition.

Jüngere Romantik: »Nazarener« : Pforr, Overbeck, Cornelius, J. Schnorr von Carolsfeld, wandelte sich - wie Fr. Schlegel - in persönlicher Haltung und in der Formensprache von primitivistisch-revolutionären Anfängen zu akademischen und restaurativen Idealen. | Düsseldorfer Malerschule: W. Schadow| , J.P.Hasenclever, E. Bendemann, J.W. Schirmer, Carl Sohn, Münchener Malerschule: W. von Kaulbach, Anton von Werner. Piloty, | Blechen, Feuerbach,

Spätromantik: Richter und Schwind, benutzte die romantischen Stoffe nur mehr zu poetischer Überhöhung des Alltags und endete mit Spitzweg in schrulliger Abgeschlossenheit von der Wirklichkeit.

Die französische Romantik hingegen entwickelte sich in umgekehrter Richtung. Sie begann im Zeichen von Chateaubriands »Genie du Christianisme« (1802), verherrlichte durch Gros den Imperator Napoleon und seine Kriege, wurde unter Gericault und Delacroix die Vorkämpferin des Subjektivismus und führte schließlich zu Daumier und Courbet und damit zu realistischer Erfassung der zeitgenössischen Wirklichkeit.

Blieb der Bildbau der deutschen Romantik immer linear und tektonisch, so entband die französische Romantik die Farbe. Die »libre manifestation de ses impressions personelles«, die Delacroix als das Wesen der Romantik ansah, bedeutete zugleich den Sieg der liberalen Idee. Victor Hugo konnte - in Übereinstimmung mit den bildenden Künstlern - die Romantik als »den Liberalismus in der Literatur... das Prinzip der Freiheit« definieren. Delacroix' großes Gemälde »Die Freiheit auf den Barrikaden« (1831) belegt dies.

 

 

Gleichwohl bedienen sich die Maler der Romantik neuer künstlerischer Mittel bzw. Vorstellungen. Sie betonen das Gefühlsmäßige, Wunderbare, Märchenhafte, Phantastische, das in der ganz auf Vernunft und Verstand ausgerichteten Aufklärung des 18.Jahrhunderts geringgeschätzt worden ist. Von den literarischen Themen und Gedanken der Zeit angeregt, breitet sich die romantische Malerei insbesondere in England und Deutschland aus. Die Künstler besitzen ein großes Einfühlungsvermögen in Individuelles, Volkstümliches, Fernes und Fremdartiges. Sie entdecken die eigene nationale Vergangenheit, vor allem das als ursprünglich empfundene und idealisierte Mittelalter, mit dem sie sich in »Wahlverwandtschaften« verbunden fühlen. Ihr Interesse an der Vergangenheit schafft die Voraussetzungen für systematische Denkmalpflege und Museumsarbeit. Die Entwicklung geht vom Idealismus zu Romantik , Historismuis und mündet im Realismus bzw. Symbolismus.

 

Charakteristik. Kennzeichnend für die romantischen Maler ist im allgemeinen eine tiefe Religiosität und eine innig erlebte Beziehung zur Natur. Sie entdecken neue landschaftliche Motive, etwa die Einsamkeit des Hochgebirges. Verschiedene Stadien im Tages- und Jahresablauf sowie ausgefallene Naturereignisse finden ihr Interesse: Mondnacht, Nebelstimmung,

Dämmerung, Morgenstille, Neuschnee, Eisgang, tosende Wasserfälle. Dem romantischen Künstler geht es aber nicht so sehr um eine getreue, objektive Wiedergabe der Naturerscheinungen, als um die Spiegelungen der Natur im eigenen Innern, in seinem persönlichen Empfinden. Die Natur erhält symbolischen Charakter; sie weist über sich selbst, über das sinnlich Erfahrbare hinaus.

C. D. FRIEDRICH meint: »Eine Landschaft ist ein Seelenzustand. Der Mensch soll nicht bloßmalen, was er vor sich sieht, sondern auch, was er in sich sieht. Sollte er nichts in sich sehen, so sollte er darauf verzichten zu malen, was er vor sich sieht. Sonst werden seine Bilder wie jene spanischen Wände sein, hinter denen wir nur erwarten, die Kranken oder gar die Toten zu finden.«Auch dort, wo sich die Maler der Vergangenheit oder fremden Kulturen zuwenden, stehen immer ihre ganz persönlichen (subjektiven) Empfindungen und Stimmungen im Vordergrund.Neben sorgfältig ausgeführten Einzelheiten trifft man den Mut zur Vereinfachung. Die Linie wird betont; bisweilen nähern sich pflanzliche Liniengefüge dem Ornament (Präraffaeliten, s.u.).

Themen und Bildgattungen. Landschaftsbild (auch in Verbindung mit Einzelpersonen und Gruppen). Stadtidylle. Porträt und schlichtes Familienbild (häufig als Ausdruck von Freundschaft und Liebe). Volkstümliche Themen aus der Nationalliteratur wie Fabeln, Sagen, Märchen, Volkslieder, Spuk- und Gespenstergeschichten. Religiöses. Allegorisches. Die Präraffaeliten (s.u.) üben zum Teil Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen ihrer Zeit (u. a. Emigration, Kolonialismus).


Maler

Deutschland

CASPAR DAVID FRIEDRICH (1774- 1840). In seinen Bildern tritt der Mensch vor der Stille und Weite der Natur bescheiden zurück. Seine feierlich-beseelte Hattung ist in die Landschaft eingewoben. Häufig steht er in Rückansichtgleichsam stellvertretend für den Betrachterder Landschaft zugewandt.

PHILIPP OTTO RUNGE (1777-1810) schafft Familienbilder, Porträts und Zeichnungen mit stark sinnbildlichen Bezügen. Er entwickelt außerdem Theorien zur Farbenlehre und zur romantischen Malerei.

ANSELM FEUERBACH (1829-1880) malt idealistischhoheitsvolle Bilder, vorzugsweise nach antiken Themen.

NAZARENER (auch LUKASBRUDER genannt). Ein 1809 in Wien gegründeter Künstlerbund, der im folgenden Jahr nach Rom übersiedelt. Die Nazarener streben eine religiös gefärbte, auf Gotik und Renaissance zurückgreifende Kunst an; sie wollen »unter sich im Stillen der alten heiligen Kunst nacharbeiten« (F. Overbeck).

 

Frankreich

THEODORE GERICAULT (1791-1824). Sein bekanntes Bild >>Das Floß der Medusa« im Louvre (Paris) hat die riesigen Ausmaße von 491x716cm. Seinespäteren Arbeiten werden bereits der Romantik zugerechnet.

EUGENE DELACROIX (1799-1863). Von seiner Einbildungskraft zeugen ungewöhnliche Handlungsabläufe, glühende Farben und ein lebhafter Zeichenstil. Er malt u.a. Bilder, die das Leben nordafrikanischer Nomaden schildern. »Farbe und Phantasie sind wichtiger als Können« (Delacroix).

Mit seiner Kunstauffassung ist Delacroix einer der Bahnbrecher der modernen Malerei.

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