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Klassizismus (etwa 1780- 1830)

Vom allgemeinen Stilprinzip des >klassischen< ist der Klassizismus im engeren Sinn zu unterscheiden. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Rokoko,dass zwischen Luxus,Frivolität, Etikette und Natursehnsucht befangen war, immer mehr als unnatürlich verschnörkelt abgelehnt.Der Klassizismus war die historische Gegenbewegung gegen Rokoko und Vorromantik. Der Unmoral und der Frivolität stellte er als Ideal die - römische - Bürgertugend entgegen, dem Gefühlsüberschwang und der Empfindsamkeit den Rationalismus der Aufklärung. Die Künstler eifern der Harmonie und Rationaliät und Idealität der Antike nach, in deren Menschendarstellung sie »edle Einfalt und stille Größe«sehen. (J. J. Winckelmann). Die eindringliche Gebärdensprache der antiken Skulptur, die durch Ausgrabungen (Pompeji, Herculaneum) und Forschungen wieder neu ins Blickfeld rückt, spornt sie zu großen, einfachen Kompositionen an. Die Geschlossenheit der antiken Gestalt lockern sie allerdings zugunsten des Gefühlsausdrucks auf.

Die klassizistische Malerei beschränkt sich im wesentlichen auf Deutschland und Frankreich. Ihr Vorläufer und Anreger in formaler Hinsicht ist der mit dem großen Archäologen Johann Joachim Winckelmann befreundete ANTON RAFFAEL MENGS, der bereits um 1760 klassizistische Gemälde schafft. Zu ihrer eigentlichen Entfaltung kommt die klassizistische Malerei aber in Frankreich, wo seit der Renaissance die Neigung zu schulmäßiger Aneignung antiker Vorbilder besteht.

Der Klassizismus ist nach der Mitte des 18.Jahrhunderts als
1. »archäologischer«, akademischer« Klassizismus entstanden und wandelte sich zum
2. »revolutionären« Klassizismus,
3. »imperialer « Klassizismus .

Die Anfänge des Klassizismus gehen bis auf den italienischen Baumeister Andrea Palladio zurück (1508-1580) und liegen besonders für Architektur und Kunsthandwerk in England; von dort verbreitete er sich vornehmlich durch Stiche über ganz Europa. Rom wurde erneut zum Mittelpunkt der künstlerischen Bestrebungen. der bedeutende Theoretiker Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) zog 1755 nach Rom, nachdem er im selben Jahr »Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke« verfaßt hatte. In der römischen Villa Albani entstand 1760/61 das Deckengemälde »Der Parnaß« von Anton Raphael Mengs (1728-1779). Das Werk verdeutlicht die Prinzipien des akademischen Klassizismus zum ersten Male programmatisch in der Malerei. Mengs blieb dennoch in vielen Aspekten seines Werkes der Tradition des Barock verbunden. Auch jener gemäßigte Klassizismus, der sich als >Style Louis XVI.< oder >Zopfstil< unter englischem Einfluß in der europäischen Innendekoration der siebziger Jahre durchsetzte, bedeutete nur eine modische Abwandlung des Rokoko und trug noch immer höfisches Gepräge. Erst der von allen barocken Überresten gereinigte, formenstrenge Klassizismus konnte dem heroischen Pathos der Französischen Revolution gerecht werden. Schon unmittelbar nach dem Ende der Terreur konnte man seinen Anspruch nicht mehr ertragen, im Directoire milderte sich der Stil ins Graziöse.Erst im späten 19.Jh schufen Puvis de Chavannes, Feuerbach, Marees, Hildebrand und Maillol wieder rein klassizistische Werke. Aber ein an die römische Kaiserzeit anschließender klassizistischer Stil wurde bald darauf zum Ausdruck der imperialen Macht Napoleons I. Der Klassizismus wird in der Folge der Stil der Nationalstaaten und des imperialen Bürgertums.

 

 

Gestaltungskennzeichen : formale Anknüpfung an die antike Skulptur, die Betonung der Linie und eine beredte Feierlichkeit. Der Bildaufbau ist einfach, klar und straff gegliedert mit wenig Uberschneidungen. Die Szenerie weist nur spärliches Beiwerk auf. Die Kompositionslinien folgen den Richtungen, die der Bildrand vorgibt. Die Gestalten sind in einer auffallenden Gebärdensprache kompositionell zusammengefaßt.

Eine stimmungsvolle Atmosphäre lockert bisweilen den nüchternen, bühnenartigen Hintergrund auf. Harte und strenge Umrißlinien begrenzen die Form, die gegenüber der Farbe vorherrscht. Der formalen und kompositorischen Einfachheit entspricht ein weitgehender Verzicht auf malerisch-sinnliche Effekte und die Beschränkung auf eine kühle Farbigkeit.

Themen und Bildgattungen: Historienbild, Herrscherporträt und bürgerliches Porträt, Akt ,Landschaft.

In der Themenwahl (z. B. »Schwur der Horatier« von Jaques Louis David nach Livius) und in dem feierlich, erhabenen Bildaufbau drückt sich die neue freiheitliche Gesinnung des französischen Bürgertums aus. Im Einklang mit dem Geist der französischen Revolution wählen die Künstler allgemein bedeutsame, belehrende Bildinhalte, die vorwiegend der altrömischen Geschichte und Sage entnommen sind und zu Bürgertugend und sittlichem Ernst aufrufen sollen. Später, in napoleonischer Zeit, herrscht das Porträt vor. Neben Napoleon selbst werden vorzugsweise seine Marschälle und Generäle in heroischer Pose dargestellt.

Maler :

Frankreich

Jaques Louis DAVI D (1748 - 1825) beteiligt sich zeit - weise aktiv an der französischen Revolution. Sein fünf Jahre vor Ausbruch der Revolution entstandenes Bild »Der Schwur der Horatier<< (1784) enthält das Programm der französischen klassizistischen Malerei (Abb. 140).

JEAN AUGUSTE DOMINIQUE INGRES (1780-1867) ist ein Schüler Davids. Neben Gemälden und feinen linearen Zeichnungen entstehen Skizzen, in denen er mit den Möglichkeiten des Zeichenmaterials experiment iert.

Puvis de Chavannes, Maillol, A. Gros, Lorrain, Canaletto,

Deutschland

JOHANN HEINRICH WILHELM TISCHBEIN (1751-1829) malt 1786/87 das bekannte Bildnis Goethes in der Campagna.

ASMUS JAKOB CARSTENS (1754-1798) schafft vor allem Zeichnungen zu allegorischen und mythologischen Themen.

Feuerbach, Marees, Hildebrand , Franz von Stuck ,

 

 

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