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van Gogh, Vincent Willem (1853-1890)

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Die letzten 10 Jahre

Van Gogh malte zwar nur die letzten zehn Jahre seines Lebens, aber während dieser Schaffensperiode war er äußerst produktiv. In Tag- und Nachtarbeit schuf er mehr als 1700 Gemälde und Zeichnungen.

Als Vincent van Gogh in dem trostlosen Bergwerksdistrikt Borinage in Belgien den Entschluß faßte, sein Leben der Kunst zu widmen, war er bereits 27 Jahre alt. Er hatte schon in seiner Kindheit gern Skizzen gemacht, insbesondere von der flachen hollandischen Landschaft und den Bauern auf dem Feld. Aber er hat nie gründlich gelernt, in Öl zu malen. Anfangs konzentrierte er sich aufs Zeichnen, wobei er auch Vorlagen aus den Zeichenübungen des Kunstprofessors Bargues benutzte oder sich an Peproduktionen des Werkes von Millet orientierte. Er war sich seiner Mangel wohl bewußt und schloß sich bereitwillig anderen Malern an, zu denen auch der Maler Mauve gehörte, den er in Den Haag besuchte. Aber Vincents starker Unabhangigkeitsdrang und sein stürmisches Temperament machten es ihm unmöglich, ein gelehriger Schüler zu sein. Er stritt sich ständig mit seinen Mentoren und machte ihnen das Leben schwer.

Kontakte zu den Impressionisten

In Paris inspirierten ihn die Werke der Impressionisten, die alle Auffassungen der traditionellen Kunst über Bord geworfen hatten. Sie verließen ihr Atelier, arbeiteten im Freien und setzten sich damit über die Idee eines "fertigen" Bildes hinweg,das mit abgestimmten Farben altmeisterlich in mehreren Schichten fein und glatt gemalt und zuletzt gefirnißt sein mußte. Statt dessen verwendeten sie reine, leuchtende Farben und trugen sie mit kraftvollen Pinselstrichen auf.

Die Arbeitsweise der Impressionisten sagte Vincent zu. Ebenso wie sie malte er gern schnell und unter freiem Himmel. Schon bald verzichtete er auf die dunklen Braun- und Schwarztöne, die er in Holland für seine Gemälde, zum Beispiel für 'Die Kartoffelesser', verwendet hatte.

Japanische Einflüsse

::In Paris ließ er sich auch von der japanischen Kunst inspirieren, die in letzter Zeit populär geworden war. Als Vincent van Gogh 1886 nach Paris kam, waren japanische Farbholzschnitte beliebt und billig. Alles was aus Japan kam, war groß in Mode. Wie viele andere Künstler, darunter auch Gauguin, war van Gogh von ihren ausdrucksvollen Kompositionen und Farben beeindruckt. Er besaß die Arbeit von Utagawa Hiroshige (1797-1858) Regenschauer auf der Ohashi-Brücke.Van Gogh machte eine Kopie von diesem Holzschnitt , einem von vielen japanischen Drucken aus seinerSammlung Das Bild zeigt die leuchtenden Farben und die Einfachheit det Komposition, die für die japanische Kunst bezeichnend waren.Seine klaren Konturen und die dekorative Art zeigen die Elemente, die der Maler an der japanischen Kunst so sehr bewunderte. Vincent erlebte Arles als französisches Gegenstück zu Japan. Er sah sich selber als japanischer Mönch.1888 reiste er m den Süden Frankreichs, gleichsam in privater Mission, um eine neue Bewegung in der Kunst zu schaffen.

 Südfrankreich 

Über ein Jahr malte er bis zu 16 Stunden am Tag und arbeitete bis an den Rand der Erschöpfung. Er hatte immer schon wie ein Besessener gearbeitet - ohne Rücksicht auf seine angegriffene Gesundheit. Jetzt hielt er oft kaum noch inne, um etwas zu essen oder zu trinken, als ob er geahnt hätte,daß ihm für sein künstlerisches Schaffen nur noch eine kurze Zeit zugemessen war.

Trotz glühender Hitze zog er jeden Tag mit seiner Staffelei hinaus aufs Feld. Im Herbst versuchte er vergebens, dem heftigen Südwind Mistral zu trotzen, indem er seine Leinwand mit Felsbrocken am Boden beschwerte. Wenn es sein mußte, malte er die ganze Nacht. Um genügend Licht zum Malen der 'Cafeterrasse' zu haben, steckte er Kerzen auf seine breite Hutkrempe und auf die Staffelei. Und während die verdutzten Bürger von Arles zusahen, begann er zu malen "in übertrieben dicken Farbschichten".

Van Gogh hatte schon immer in dicken Farbschichten gemalt. Sogar bei manchen seiner holländischen Bilder hatte er die Farben so großzügig aufgetragen, daß einzelne Pinselstriche nutzlos waren. Schließlich ging er dazu über, die Farbe direkt — ohne große Umschweife, wie es seine Malerkollegen noch machten und "Zeit vergeudeten" — aus der Tube auf die Landwand zu druk-ken und sie dann mit dem Pinsel "ein wenig" zu modellieren. Obwohl er spater die Flachen sehr fein strukturierte, blieben diese dick aufgetragenen Farben — bekannt als pastose Malweise — sein Kennzeichen.

Durch die "übertrieben dick aufgetragenen Farben will ich mich kraftvoll ausdrucken", schrieb er an seinen Bruder Theo. Laut van Gogh stellten die Farben Dinge nicht einfach nur dar, sondern sie gaben ihnen auch einen Sinn. Keine Farbe bedeutete ihm mehr als gelb. In Japan galt gelb als Symbol der Freundschaft. Gelb verkörpert auch die Herrlichkeit der Sonne und den goldenen Weizen — es ist die Farbe der Schöpfung.

Die Briefe an Theo, in denen er um Farbe bittet, bringen Vincents Vorliebe deutlich zum Ausdruck. Sie beginnen jedesmal mit der Bitte um große Tuben Gelb und Weiß. Die anderen von ihm bevorzugten Farben — insbesondere das Violett und Blau — dienten dazu, die Kraft des Gelbs noch zu unterstreichen. Die Bedeutung, die er den Farben seiner Gemälde beimaß, kam auch deren Rahmen zu. Es war nichts Ungewöhnliches, daß er klare Anweisungen gab, um die richtige Wirkung zu erzielen. So verlangte er zum Beispiel für eines seiner Bilder einen Rahmen in Königsblau und Gold.

In den Monaten vor seinem Zusammenbruch malte Vincent in Arles an die 150 Bilder, darunter ungefähr 40 Portrats von seinen Freunden. Häufig stellte er ein Bild an einem einzigen Tag fertig — ein erstaunliches Arbeitstempo, auch an den Impressionisten gemessen. "Es war richtig", schrieb er an Theo, "daß ich fieberhaft gearbeitet habe, solange es ging." Als sein Bruder einmal andeutete, die Quantität konnte sich nachteilig auf die Qualität seiner Arbeit auswirken, sagte er scharf: "Schnell arbeiten heißt nicht, daß man weniger ernsthaft arbeitet. Es kommt auf das Selbstvertrauen und die Erfahrung des einzelnen an." Nach dem niederschmetternden Nervenzusammenbruch litt van Gogh unter mangelndem Selbstvertrauen. Die wirbelnden Linien, die chaakteristisch für alle seinen spaten Bilder sind, drücken offensichtlich auch seine Geistesverfasung aus. Dennoch hat Vincent in dieser Endphae seiner künstlerischen Laufbahn noch immer in einem wahnsinnigen Tempo gemalt und im letzten Jahr seines Lebens mehr als 200 Bilder fertiggestellt. Darunter eines seiner größten Meister-Werke -das 'Selbstportrat' von 1889.Es ist an Eindringlichkeit nur mit Rembrandts Selbstporträts zu vergleichen.

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