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Der Impressionismus

1.Zeitliche Einordnung, Vertreter, Weiterentwicklung

Der Impressionismus entwickelte sich als Stilrichtung in der französischen Malereizwischen 1860 und 1870. Seine bekanntesten Vertreter sind Claude Monet (1840-1926) sowie Alfred Sisley (1839-1899) und Camille Pissaro (1830-1903).Mit starken Einschränkungen und nur in Teilen ihres Werkes zählt man noch Edouard Manet, Edgar Degas, Auguste Renoir und andere zur impressionistischen Bewegung.1886 löste sich die Gruppe der Impressionisten auf, selbstverständlich blieb dieMalrichtung bestehen; es entstand der Neo-Impressionismus mit seinem Urheber Georges Seurat (1859-1891) und seinem eifrigsten Anhänger Paul Signac (1863-1935). Noch 1910 wurde Pierre Bonnard geb. 1867 Impressionist und blieb es bis zu seinem Tod im Jahr 1947. In Deutschland zählen zu Beginn dieses Jahrhunderts einige Künstler zu den sogenannten Nach-Impressionisten:Max Liebermann (1847-1935), Lovis Corinth (1858-1925) und Max Slevogt (1868-1932).

 2. Benennung, Reaktionen der Zeitgenossen

 Im Jahre 1874 stellten in Paris Monet und 29 andere Maler zum ersten Mal gemeinsam ihre Werke aus. Eines der Bilder von Monet hieß "Impression. soleit levant"- eine Impression/also Stimmungsbild, Eindruck- Aufgehende Sonne. Der kritische Bericht eines Journalisten, der die ausstellenden Maler und ihren Stil verriß- unter dem Titel "Exposition des Impressionistes"-, gab den Künstlern ihren Namen, einen Schimpfnamen. Das Publikum kam nur deswegen, um sich über die "absurden Schmierereien" zu entrüsten. Immer wieder gab es Skandale anläßlich der sogenannten acht "Impressionisten-Ausstellungen" in Paris zwischen 1874 und 1886. Die offiziellen Aussteller, die Salons und-die Jurys hatten die-impressionistischen Bilder immer-wieder abgelehnt. -Heute stellt das zu den Samrnlungen des Louvre gehörende "Musee de l'Impressionisme" etwa 500 impressionistische Gemälde aus.

 

3. Merkmale der impressionistischer Malerei

a) Der Impressionismus im Vergleich zur traditionellen Art des Malens a) Was ist das Bestimmende an der impressionistischen Malweise und was das Schockierende zur damaligen Zeit? Es ist die Liebe zur Farbe, die Vorliebe für klare, helle und lebhafte Farbnuancierungen; es ist die Darstellung der Buntheit der Natur und der Farbigkeit der Dinge. Die Impressionisten malen nur im Freien und wenden sich ab von der konventionellen Atelierkunst mit ihrer Raumbeleuchtung und der dunklen Tonigkeit der Farben. Dort malte man in den mannigfachsten Abstufungen von Braun- und Grautönen. Die Welt sei nun einmal vor allem grau- und brauntonig, behauptet die Tonmalerei. Fast alle großen Maler waren Maler im Sinne des tonigen Malens: Tizian in seinem Spätwerk "Bacchus und Ariane", Rubens in "Palazzi di Genova", Frans Hals in "Des Meisters Gemälde",Velasques in "Venus mit Spiegel", Rembrandt in "Isaak und Rebekka",Watteau in "Frühstück im Freien", Goya in "Karneval", Corot in "Heimkehr vom Felde", Daumier in "Das Drama", Courbet in "Die Mädchen am Ufer der Seine",Edouard Manet (1832-1883) in "Frühstück im Atelier".

b) Worin lag der Beweggrund für die Farbigkeit der Impressionisten? Es war der Wunsch, das natürliche Licht im Bild möglichst natürlich wiederzugeben. Bisher hatten die Maler versucht mit Hell-Dunkel-Tönen die Helligkeit draußen in der Natur zu erreichen. Aber kein noch so starker Kontrast von Schwarz zu reinem Weiß konnte das Licht in der freien Natur wiedergeben (zB. Manets "Olympia" oder "Frühstück im Grünen" jeweils von 1863). Bei der Lösung dieses Problems half den kommenden Impressionisten Monet, Pissarro, Sisley ihre Flucht nach London 1870-72 wegen des deutsch-französischen Krieges (1870/71). Hier lernten sie die Bilder des englischen Freilichtmalers William Turner (1775-1851) kennen, der schon sehr farbig gemalt hatte und der die Bildgegenstände in Farbe und Licht aufzulösen schien. So entwickelte Monet, ohne daß es eine schriftlich formulierte Theorie des Impressionismus gäbe, eine neue Malerei in ungemischten Farben.

 

c) der impressionistische Malstil und seine Gesetzmäßigkeiten

Exkurs: der Farbkreis und der Komplementär-Kontrast. Der sogenannte Farbkreis, physikalisch die sechs Farben des Sonnenspektrums, des zerlegten weißen Sonnenlichtes, wie wir sie von den Farben des Regenbogens kennen, besteht aus Rot. Orange. Gelb. Grün. Blau. Violett. Diese sechs Farben sind nicht gleichgewichtig. Die sogenannten primären Grundfarben sind Rot.Gelb.Blau; die drei anderen, die sogenannten sekundären Grundfarben entstehen durch Mischung aus den drei primären Grundfarben: Rot+Gelb=Orange, Gelb+Blau=Grün, Blau+Rot=Violett. Im Farbkreis liegen sich jeweils eine primäre und eine sekundäre Grundfarbe gegenüber: Rot-Grün, Gelb-Violett, Blau-Orange. Diese einander gegenüberliegenden Farben sind sich komplentär, das heißt sie erzeugen sieh gegenseitig-aut-omatisch aufunserer Netzhaut. Die Ursache liegt also im menschlichen Auge, das die gegenfarbigen Veränderungen hervorbringt. Man nennt dieses Phänomen das Gesetz des Komplementär-kontrastes. Nach diesem Gesetz steigern sich gegenseitig alle Komplementärfarben: Rot neben Grün, Gelb neben Violett, Blau neben Orange.-So malten die Impressionisten.

d) die Farben der Impressionisten. ihre Maltechnik u. Absichten

Die Impressionisten erkannten, wenn man eine Landschaft in den reinen Farben des Regenbogens, das heißt in den sechs Farben des zerlegten weißen Sonnenlichtes malt-Rot. Orange. Gelb. Grün. Blau. Violett-,dann bekommt das Bild die Leuchtkraft des natürlichen Sonnenlichtes; und so malten sie ausschließlich mit den sechs Grundfarben. Sie wandten zusätzlich das Gesetz vom Komplementärkontrast an; danach steigern sich gegenseitig alle Komplementärfarben: Rot+Grün. Gelb+Violett. Blau+Orange. So entstand das farbige Malen. Dazu komrnt eine besondere Maltechnik. Entgegen dem flächendeckenden Farbauftrag älterer Zeiten oder dann den längeren und breiteren Pinselstrichen der sogenannten Freilichtmaler (z.B. William Turner) entwickelten die Impressionisten die Kommatechnik: alle Farben sind in kurzen Strichen aufgetragen, möglichst dick, damit jeder Farbstrich möglichst intensiv leuchtet.

So konnten sie ihre unmittelbaren Eindrücke vor allem von der Landschaft, das ständig sich verändernde Licht, den Wechsel der Farbe und der Atmosphäre festhalten. Ihr Ziel war es,"das Zittern des Lichts, das Flimmern des Wassers, die Durchsichtigkeit der Atmosphäre und das Glänzen des Laubwerks" zu malen (aus: Du Mont's kleines Lexikon des Impressionismus, Monet S. 112). Ihr Ziel war es den Augenblick zu fixieren, Sonne, Kälte, Wind und Nebel im Bild sichtbar zu machen. Eine Landschaft am Morgen ist anders als am Mittag, im Frühling anders als im Hebst. So entstanden Monets Bildserien z.B. von der "Kathedrale von Rouen" oder von "Seerosen". Die Folge aus den bisher genannten Wünschen und Absichten ist: Die Gegenstandsform löst sich bei den Impressionisten in der Atmosphäre und der Farbe auf Die Farbe wird wichtiger als der Bildgegenstand. Das war revolutionär und wurde um 1870/80 nicht verstanden. "Dies bedeutete den Bruch zwischen der klassischen und der modernen Malerei" (aus: kleines Lexikon des Impressionismus, S.8).

e) die sechs Elemente der Gegenstandsdarstellung in der impressionistischen Malerei. Mit dem Impressionismus beginnt also die Abwendung vom naturalistischen Malen und damit der Abbau aller sechs Elemente der naturalistischen Gegenstandsdarstellung: das sind die Stofflichkeitsillusion, die Körperillusion, die Raumillusion, das zeichnerische Detail, die anatomische Richtigkeit und die Gegenstandsfarbe. Vier Elemente davon negiert der Impressionismus ganz: die Stofflichkeit, das Detail, die Körperlichkeit, die Gegenstandsfarbe. Uber die Farbe der Impressionisten haben wir gesprochen. Daraus ergibt sich, daß es keine Stofflichkeits- und Körperillusion geben kann, denn alles ist Farbmaterie. In der fast schattenlosen Helligkeit löst sich alles körperliche auf. Das Detail erfordert zeichnerische Genauigkeit, was die Impressionisten natürlich völlig ablehnten. Sie bewahrten aber die Richtigkeit der Proportionen und die Raumillusion, indem sie auf das bekannteste Mittel der Raumdarstellung, die Linearperspektive, zurückgriffen: Flußufer oder Stralßen die sich im Hintergrund verkürzten

f) der Neoimpressionismus Dem Impressionismus folgte in Frankreich der Neoimpressionismus oder auch Pointillismus. Während die Impressionisten keine Kunsttheoretischen Abhandlungen über ihre Ausdrucksweise und Farbauffassung hinterlassen haben, formulierten die Neoimpressionisten Seurat und Signac eine wissentschaftliche Konzeption ihrer neuen Maltechnik. Sie wurde "Pointillismus" genannt und bestand in einem Farbauftrag aus lauter gleichmäßigen Farbtupfern. Bei dieser Art des Malens "in mosaikartig nebeneinander gesetzten Partikeln der reinen Grundfarben" (aus:Brockhaus, Impressionalismus) muß der Betrachter noch größeren Abstand vom Bild halten, um das Dargestellte "zusammen"zusehen.

4. Zeitgenössische Analyse aus dem Jahr 1903 :"Der Impressionist ist ein vom Modernen ausgezogener, mit einer ungewöhnlichen Empfänglichkeit des Auges begabter Künstler, der sowohl die seit Jahrhunderten in den Museen aufgestapelten Gemälde wie auch seine optische Erziehung( Zeichnung, Perspektive, Farblehre) vergißt und aus dem Leben und aus der Betrachtung der leuchtenden Motive unter freien Himmel (d.h. nicht im 45 Grad einfallenden Licht eines Ateliers), auf der Straße, auf dem Lande, im Zimmer schlicht und ursprünglich zu sehen gelernt hat und so seinem Auge die Natürlichkeit zurückgibt... Um es kurz zu sagen, das impressionistische Auge ist in der menschlichen Entwicklung das vollkommenste, das Auge, das bis jetzt am besten sogar die kompliziertesten Kombinationen der bekannten Farbtöne erfaßt und wiedergegeben hat. " Jules Laforgue, Melanges posthumes. 1903

Benutzte Literatur:

  • l . Brockhaus
  • 2. F.Baumgart, Du Mont's kleine Kunstgeschichte, Verlag Du Mont, Köln 1972
  • 3. Arbeitsbuch Kunstunterricht Sek.II, Verlag Schwann, Düsseldorf 1979
  • 4. KatalogKröller-Müller Museum, 1994
  • 5. E.Schmidt, Kleine Geschichte der modernen Malerei, Verlag F. Reinhardt, Basel 1961
  • 6. J.Selz, Du Mont's kleines Lexikon des Impressionismus, Verlag Du Mont, Köln 1977
  • 7. W.Hess, Dokumente zum Verständnis der modernen Malerei, Rowolt Verlag, Hamburg 1971

 

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