<<


Historismus ( 1830- 1910) - Das 19. Jahrhundert

Nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon beginnt die Epoche der europäischen Nationalstaaten, in denen, begünstigt durch ein gewachsenes Bewußtsein der historischen Bedingtheit des jeweiligen geschichtlichen Augenblicks, ein starkes Bewußtsein nationaler Identität entsteht.

Mit historischem Bewußtsein hat der deutsche Idealismus, die wichtigste philosophische Strömung des beginnenden 19. Jahrhunderts, insofern zu tun, als er Natur und Menschheit gewissermaßen in Geschichte auflöst. Geschichte ist dabei die Selbstentfaltung des überindividuellen subjektiven Geistes.

Dem Idealismus antwortet der Materialismus von Karl Marx. Seine Kritik des kapitalistischen ökonomischen Systems ist zugleich philosophisch bedeutend als eine auf den Bereich grundlegender Arbeits- und Eigentumsverhältnisse bezogene Kulturkritik.

Marx bezieht sich vor allem auf die Folgen der industriellen Revolution. Sie begann im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts in England, schritt schnell fort und führte zur Entstehung des Proletariats.

Neue Formen der Arbeitsverteilung gibt es auch in der Naturwissenschaft, die sich nun zu Einzelwissenschaften zergliedert und von der Philosophie löst. Die noch jungen Disziplinen der Biologie und Chemie ändern das Bild von der unbelebten und belebten Materie; Darwins Evolutionstheorie bedeutet eine Revolution des Menschenbildes.

Die Philosophie stellt sich in unterschiedlicher Weise auf die Triumphe der Naturwissenschaften ein. Der Positivismus (Auguste Comte) versteht Philosophie in Weiterführung des aufklärerischen Fortschrittsglaubens nur noch als Wissenschaft der Wissenschaft.

Wilhelm Dilthey dagegen führt die Unterscheidung zwischen Natur- und Geisteswissenschaften ein, Die Philosophie soll als "Kritik der historischen Vernunft" und "Anwendung des geschichtlichen Bewußtseins auf die Philosophie und ihre Geschichte" der Geistewissenschaft den Boden bereiten.

Im fließenden Verstehen und Erleben von "Weltanschauungstypen" will sich Dilthey dem Leben selbst nähern und spricht daher auch von Lebensphilosophie. Dieser Richtung werden auch Henri Bergson und in gewisser Weise Friedrich Nietzsche zugerechnet.


 Der Historismus

Mehr und mehr erwies es sich als unmöglich, alle Bauaufgaben der Zeit durch Wiederholung vergangener Formen zu lösen. In der zweiten Jahrhunderthälfte sank die »Nachahmung der Alten« zur bloßen Nachmacherei herab, die Architektur wurde zu einem wahren Jahrmarkt der Stile, die nur noch als leere Dekorationsformeln verwendet wurden. Der Neugotik folgten rasch die Neu-Renaissance, der Neubarock und ein Neu-Rokoko, bis gegen Ende des Jahrhunderts ein Neo-Klassizismus mit einer dritten Auflage der Dorik die »Nachahmung der Alten« als sinnlos erwies.

 

kunstwissen.de

 
>