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BAROCK ( 1600 - 1750)

Um 1600 setzt sich in Rom ein neuer Malstil durch, der die Idealisierung der Renaissance und die formalistischen Ubertreibungen des Manierismus vermeidet und das Leben vielfältiger und wirklichkeitsnäher erfaßt. Richtungsweisend sind die Bilder CARAVAGGIOS mit ihren dramatischen Begebenheiten und ihren aus dem einfachen Volk genommenen Modellen (Abb. 124). Der neue Stil findet rasch in ganz Europa Anhänger. Entsprechend den politisch-gesellschaftlichen Verhältnissen verzweigt er sich in verschiedene Nationalstile. Allen Ausprägungen des Barocks liegt das Bewußtsein von der Vergänglichkeit der Dinge, der Wandelbarkeit des Daseins und der Scheinhaftigkeit der Welt zugrunde. Religiöse Visionen, leidenschaftliche, dramatische Handlungen, Theater und Verkleidungen spiegeln die Daseinsauffassung des barocken Menschen.

Charakteristik: Wie in seinen geistigen Voraussetzungen, so ist der Barock auch in seinen künstlerischen Erscheinungen von ausgeprägten Spannungsverhältnissen bestimmt: greifbar nahe scheinende Gegenstände im Vordergrund (oft in übertriebener Verkürzung)dämmriger, undeutlicher Hintergrund; strahlendes Licht (oft in schlaglichtartiger Beleuchtungssituation)undurchdringliches Dunkel; auffallend Großes mit kaum überschaubaren sorgfältig durchgestalteten Einzelheiten. Helle und dunkle Massen sind zusammengeballt und betont gegeneinander abgesetzt. Umrisse werden bedeutungslos, Formen offener.

Während sich die Renaissancemaler möglichst genau, fast wissenschaftlich mit dem Gegenstand auseinandergesetzt haben, geht es den Barockkünstlern eher um den augenblicklichen Sinneseindruck, den der Gegenstand vermittelt. Es wird nicht ein Zustand, sondern ein Geschehnis in Momentaufnahme, vor allem durch eine leidenschaftliche, kraftvolle Gebärdensprache herausgearbeitet.

Die dingliche Welt tritt fast tastbar in Erscheinung. Stoffliches, etwa Glas, Seide, Pelzwerk, wird zum Verwechseln ähnlich dargestellt. Hierzu eignet sich die Ölmalerei besser als eine andere Maltechnik. Es werden oft mehrere durchscheinende Öllasurschichten übereinander aufgetragen.

Durch die Lichtreflexe in den verschiedenen Malschichten wird eine bisher kaum gekannte Farb- und Tiefenwirkung erreicht (Rembrandt). Die Prima-Malerei (auf Anhieb fertige Malerei) weist dagegen nur an der Oberfläche Lichtreflexe auf und erzielt deshalb keine derartigen Wirkungen (Frans Hals).

Italienischer Barock

Charakteristik. Das Ölbild zeigt keine Zustandsschilderungen, sondern Personen im Augenblick des Handelas. Dramatische Höhepunkte gleichen aus dem Leben gegriffenen Momentaufnahmen.

Der Dramatik der Themen entspricht eine kontrastreiche Hell-Dunkel-Malweise. Licht dient als Stimmungsfaktor. Grell und richtungsgelenkt zerreißt es die Dunkelheit und modelliert Körper aus dem Dunkel des Bildgrundes heraus. Die lichtbeschienenen Stellen treten in kräftigen Farben inselartig aus dem im übrigen dunkeltonig gehaltenen Bild hervor.

Themen und Bildgattungen. Biblisches. Heilige. Mythologisches. Porträt. Volksszenen (in der Nachfolge Caravaggios werden einfache Menschen bei alltäglichen Verrichtungen und Vergnügungen gezeigt). Akt*. Landschaft. Vedute (Stadtansicht, die die Örtlichkeiten möglichst genau und zugleich stimmungsvoll wiedergibt).

Das Martyrerbild führt die Folter von Heiligen in aller Gräßlichkeit vor Augen.

 

Niederländischer Barock

Charakteristik. Natur und dingliche Welt finden besondere Beachtung; sie erscheinen beseelt wie der Mensch. Bis in Einzelheiten hinein zeigt sich eine enge Naturverbundenheit. Tiere, Pflanzen, Wasser, Gestein, Erde sprechen das Naturgefühl unmittelbar an. Das Stimmungshafte wird betont; es kommt vor allem im Licht zum Ausdruck. Körperhaftes ist in zarten Tönungen und in feinem Hell-Dunkel mit dem Raum verbunden.

Maler

MICHELANGELO CARAVAGGIO (1573-1610). Die überzeugende Wirkung seiner Handlungsschilderungen beruht vor allem auf der alltäglichen Szenerie und einem scharf herausgearbeiteten Gesichtsausdruck. Den seelischen Gehalt seiner Bilder steigert er noch durch eme stimmungsvolle Lichtführung.

PETER PAUL RUBENS (1577-1640). Seine mythologischen Darstellungen verflechten Mensch und Tier in dramatischer Handlung. In seiner Landschaftsmalerei sind motivgegebene Gegensätze, wie etwa dunkler Wald neben freiem Feld, trockenes Heu neben Wasser, Gewitterhimmel und Sonne, in einer-lyrischen, friedlichen Gesamtstimmung harmonisiert.

REMBRANDT HARMENSZOON VAN RI]N (1606-1669). An seinen Porträts vermeint man das Schicksal der Dargestellten ablesen zu können. Im Gegensatz zu der von ihm früher bevorzugten Öllasurmalerei geht er im Alter zu einer pastosen* Strichführung über. Zugleich richtet er sich in seiner Farbgebung immer weniger nach dem Gegenstand in der Natur. Strichführung und Farbgebung erhalten stärkeres Eigengewicht. Sie geben dem Bild einen eindringlichen Rhythmus. Umfangreiche Druckgraphik.

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