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ZERO 1957 - 1966

ZERO war eine Düsseldorfer Künstlergruppe, die am 11. April 1957 von Heinz Mack und Otto Piene gegründet wurde und bis 1966 bestand. Mack und Piene empfanden die Nachkriegskunst als unerträglich und sahen sie „mit einem Übermaß an psychologischem Ballast befrachtet“. Sie suchten einen Neuanfang, eine „Stunde Null“, die von der Vergangenheit unbelastet sein sollte und als Alternative gegen die informelle Malerei der Nachkriegszeit gedacht war. ZERO war beeinflusst von der künstlerischen Praxis von Lucio Fontana, Yves Klein und Piero Manzoni. Bis 1961 gaben Heinz Mack und Otto Piene die Zeitschrift ZERO heraus. 1966 wurde die Gruppe aufgelöst, da sich die künstlerischen Wege der drei Akteure getrennt hatten.

Der Beginn der Avantgarde nach 45 -als eine Art früher Konzeptkunst -ist genau zu datieren. Der Name ist ZERO, er wurde so zufällig gefunden wie einstmals Dada und sogleich m Großbuchstaben gesetzt, um ihn zum Schlagwort zu machen. Zwei Freunde, Otto Piene und Heinz Mack, hatten ihre Studien abgeschlossen, suchten nach einem öffentlichen Auftritt. Der Not gehorchend benutzten sie ihre eigenen Ateliers im Hinterhof des Hauses der Gladbacher Straße in Düsseldorf und luden am 11. April 1957 zur ersten »Abendausstellung«. Die alternative Kunstszene in Deutschland war geboren.

Keine zwei Monate später eröffnete der ehemalige Maler Alfred Schmela Ende Mai seine Galerie in der Altstadt und lud in den folgenden Jahren die internationale Avantgarde zu Gast. Er begann mit Yves Klein, der auf die Jungkünstler einen immensen Eindruck machte und ihren zukünftigen Weg bestimmte. Von ihm lernten sie das Selbstbewußtsein. Er schürte die Abneigung gegen das Informel. Er präsentierte seit 1956 die ersten monochromen Arbeiten. Heinz Mack geriet angesichts seiner Thesen vom immateriellen Bild fast in eine Krise, denn er war bis dahin ein farbbegeisterter Maler gewesen. Er sah in Yves Klein das Ende der Malerei, aber auch einen neuen Anfang der Kunst. Man wollte hinfort Werke, die nicht informell, nicht spontan und nicht farbig waren. Das Experimentieren fing an. Das Raster galt als Mittel einer strengen Reihung, einer nicht-manuellen Kunst. Am 24. April 1958 erschien zur 7. »Abendausstellung« die Zeitschrift ZERO l und damit das Organ zur Selbstdarstellung. Die Künstler betrieben erstmals PR-Arbeit. Die ZERO-Schrift wurde ihr Text- und Bildbericht. Sie doktimentierte Gedanken und Thesen. Im Zeitalter des ersten Sputnik sangen Piene und Mack den Hymnus auf die Bewegung und schwärmten vom Vibrieren, Gleißen und Strahlen. »Die neue dynamische Struktur« (Mack) und der »Lichtwert der Farbe« (Piene) wurden zu Schlagworten. Inzwischen war auch Günther Uecker hinzugekommen, seit 1958 als Gast, seit 1960 als Dritter im Bunde.

Am 2. Oktober 1958 erschien zur 8. Abendausstellung »ZERO 2«. Mack veröffentlichte seinen berühmten Aufsatz »Die Ruhe der Unruhe«, eines der poesievollsten ZERO-Bekenntnisse im Geiste Hegelscher Dialektik. Er jubelte in heiterer Glückseligkeit über eine Kunst, die Dynamik und Rhythmus liebt. Die Vibration wurde zum allumfassenden Motto. Mack war versehentlich auf eine Aluminiumfolie getreten, die auf einem Sisalteppich lag, und hielt nun den Abdruck der Teppich-Struktur in Händen. Das silberne serielle Relief erzeugte auf optische Weise eine Bewegung.

Die tatsächliche Motorik schauten sie sich bei ihrem Freund Jean Tinguely ab, als er 1959 bei Schmela ausstellte. Nun schufen sie »Lichtobjekte«, »Lichtdynamos«, rotierende Drehscheiben und »Lichtballette«. Mit den Motoren erschien ein theatralisches Moment in der Kunst. Piene sah 1961 das »Licht- und Himmelstheater« voraus, Mack träumte von einem »artifiziellen Garten« in der Sahara. »Dynamo« wurde zum Leitmotiv. Eine neue, dynamische Kunst nahm ihren Anfang. 1959 folgte mit der Ausstellung im Antwerpener Hessenhuis der erste internationale Auftritt für das Terzett. Es war nicht der letzte. Es wurde ein Geben und Nehmen, denn auch aus dem Ausland drangen die Künstler nach Düsseldorf, um hier auszustellen, zu arbeiten, zu feiern und zu leben. Daniel Spoerri und Dieter Rot ließen sich zeitweilig nieder. Christian Megert blieb. Castellani und Manzoni stellten aus, Marcel Broodthaers wirkte hier. Namjune Paik kam. Joseph Beuys erhielt eine Professur. Die Übergänge von ZERO, Fluxus, Neuem Realismus und Konzept-Kunst waren fließend.

siehe Helga Meister " ZERO und die Folgen " in "Kunst in Düsseldorf ", 1989

 


ZERO- Avantgarde Ende der 50er/60er Jahre

Ab 1957 Jahre revolutionierte die Avantgardebewegung ZERO (Düsseldorf) mit einem modernen künstlerischen Selbstverständnis und einer neuen Bild- und Formensprache die Kunst der Nachkriegszeit. ZERO war ein offener Verbund von Künstlern und Künstlergruppierungen, ein internationales Netzwerk, in dem man Ideen und Konzepte austauschte. Durch gemeinsame Aktionen und zahlreiche Ausstellungen u.a. in Paris, Düsseldorf, Mailand, Amsterdam, Antwerpen, Berlin und Wiesbaden trat eine junge Nachkriegsgeneration an. Vor allem in Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden und Belgien distanzierten sich junge Künstler zunehmend von der expressiven, emotionalen Gestik der informellen Malerei. Sie forderten eine Kunstform, die der modernen und komplexen Wirklichkeit gerecht werden und eine neue Lebensnähe ausdrücken sollte. Darin war sie den Ideen von Fluxus ähnlich, die sich als Bewegung aber erst fünf Jahre später in Wiesbaden gründen sollte.

Die Experimentierlust und Technikbegeisterung der ZERO-Künstler zeigte sich in der Materialvielfalt und den neuen Methoden der Bildherstellung. Als Gestaltungsmittel verwendeten sie nicht mehr ausschließlich Farbe, sondern die Elemente Feuer, Wasser, Licht und Rauch sowie technische und industrielle Werkstoffe wie Nägel, Aluminiumplatten, Glas, Spiegel und Leuchtkörper. Ihre Werke waren intermedial ausgerichtet.

Serielle industrielle Bildordnungen wurden von ZERO verwendet und lösten die alten subjektiven Kompositionsformen ab. Neben monochromen Bildern und Reliefs entstanden zahlreiche Raum- und Lichtinstallationen. Günther Uecker schuf seine berühmten Nagelobjekte, Heinz Mack kreierte Lichtreliefs und Otto Piene arbeitete mit Feuer und inszenierte Lichtballette.

Yves Klein kam innerhalb der ZERO-Gruppierung eine Schlüsselfunktion zu. Mit seinem Begriff der Purifikation - der reinen Farbempfindung -übte er auf die gesamte Bewegung eine katalytische Wirkung aus.

Der Schweizer Jean Tinguely erschloss die kinetische Kunst: Er erzeugte mit technischen Apparaturen bewegte Objekte.

Lucio Fontana, der einer älteren Generation als die ZERO-Künstler angehörte, wurde durch sein Raumkonzept und seine geschlitzten Bilder einer weiteren zentralen Figur für ZERO. Seine Concetti Spaziali, Kleins Anthropometries und Tinguelys Meta-matics stehen exemplarisch für die Entdeckung von Bewegung, Immaterialität und räumlicher Expansion.

Die Kontakte von ZERO reichten bis in den ostasiatischen Raum. Henk Peeters, Mitglied der niederländischen NUL-Gruppe, lud 1965 Mitglieder der japanischen GUTAI-Bewegung sowie die Künstlerin Yayoi Kusama zu einer Ausstellung in das Stedelijk Museum nach Amsterdam ein. Die GUTAI-Gruppe schloss sich ideologisch eng an die europäische Avantgarde an. Sie war ebenso aus einer Aufbruchstimmung heraus entstanden und forderte eine am Leben ausgerichtete Kunst. Bereits vor der Entstehung eines europäischen Netzwerkes machten Yoshihara, Shiraga und andere GUTAI-Künstler Anfang der 50er Jahre durch Aktionskunst und Freilichtausstellungen - die Vorläufer der späteren Performance- und Installationskunst - in Japan auf sich aufmerksam.

siehe auch Museum Kunst palast Düsseldorf ZERO Austellung 9.4.-9.7.2006


Link:

kunstwissen.de

 
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