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MIRO, Joan   ( 1893 Barcelona -1983 Mallorca,Spanien )

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Joan Miro zählt zu den bedeutendsten europäischen Malern des 20. Jh. In seinem Werk kommen sowohl Aspekte der Avantgarde zum Ausdruck als eine neue, individuelle Sprache, begründet auf Spontaneität und Freiheit, und von großer Ausdruckskraft.

Er kam am 20. April 1893 in Barcelona zur Welt, in dem Passatge dei Credit, im Herzen des alten Stadtteils Ciutat Vella. Der aus Cornudella (Priorat) stammende Vater betrieb eine Werkstätte für Goldschmiedekunst und Uhren. Die Mutter war Tochter eines Möbelschreiners in Palma de Mallorca. Zeitlebens fühlte sich Miro Tarragona und Mallorca eng verbunden; den Orten, in denen er sich mit handwerklichem Arbeiten vertraut machte, auch mit der Bearbeitung der Erde; hier entdeckte er auch das Blau des Meeres und die Leuchtkraft des Himmels.

Cornudella und Mallorca sind dann auch die Orte, wo er begann, realitätsgetreu zu malen. In Barcelona besuchte er die Handelsschule; daneben jedoch auch die Llotja Kunstakademie. Die Arbeit als Voluntär in einer Drogerie entsprach überhaupt nicht seinem Charakter. Nach einer Krankheit verbrachte er eine lange Genesung auf dem Bauernhof, den seine Familie in Mont-roig im Camp de Tarragona gekauft hatte. Auf diesem Bauernhof, in den er dann regelmäßig zurückkehrte, besonders im Sommer, dem Ort übrigens der Entstehung eines seiner größten Meisterwerke, faßte er den Entschluß, sich ausschließlich der Malerei zu widmen.

Er schrieb sich in der Francesc-Gali-Schule für Bildende Kunst ein und zeichnete im Künstlerkreis Cercle Artistic de Sant Lluc nach realistischen Vorbildern. Ab 1915 malte er mehrere Landschaftsbilder, die den Einfluß des Fauvismus und von Cezanne erkennen lassen; danach einige Portraits hieratischen, ernstfeierlichen Ausdrucks, die einem die romanischen Fresken in Erinnerung rufen, die der Maler im Museu d'Art de Catalunya gesehen hatte. Dann folgten andere Landschaftsmalereien mit extremer Betonung der Details.

Die Eindrücke während seines ersten Paris-Besuchs waren so stark, daß er sich dqrt zu künstlerischem Schaffen außerstande sah. Bald danach kehrte er jedoch dorthin zurück. In der Künstlerwerkstatt des Bildhauers Pau Gargallo in der nie Blomet nahm er seine Arbeit auf; ein Treffpunkt avantgardistischer Schriftsteller und Maler. Zwischen Mont-roig und Paris schloß er dann seine Schaffenszeit des Realismus mit dem Meisterwerk >La masia< (Der Bauernhof) ab. Von da ab kehrte er zu seinen früheren, jetzt jedoch einem Prozeß der Schematisierung unterworfenen Mal-Kompositionen zurück.

Die Winter verbrachte er jetzt in Paris -in engem Kontakt mit der Bewegung des Surrealismus, obschon stets auf seine Unabhängigkeit bedacht-, und sommers in Mont-roig, mitten in seiner geliebten Natur.Bis zum Ende der 20er Jahre vollzog sich Miros künstlerische Entwicklung zwischen einer Traumwelt und der Wirklichkeit, so als trögen ihn die Gezeiten einer Strömung auf und ab. Am Ende dieser Dekade durchlitt er eine heftige Krise seines Ausdrucksvermögens, die ihn zu dem bekannten Ausspruch verleitete, man solle doch „die Malerei ermorden". Er begann mit neuen Techniken zu experimentieren, wie Collagen oder auch die -ausgehend von gefundenen Dingen- gefertigten „Konstruktionen". Von ersteren ausgehend realisierte er die l 8teiligen >Pintures segons un collage <(Gemälde nach einer Collage), wobei er auf Elementen ohne Farbe Kompositionen erstellte, bei denen die Volumen und die Farben sich gegenseitig ergänzten.

Dem Ausbruch des spanischen Bürgerkrieges (1936-39) brachte Miro durch sein künstlerisches Schaffen -u.a. durch Verwendung vollkommen unüblichen Materials wie Teer und Sand oder auch durch die Rückkehr zum Realismus der Natura morta del sabatot-(Stilleben mit großem Schuh) seine Abscheu mit außergewöhnlicher Heftigkeit entgegen. Danach folgte die Arbeit en der Barcelona -Serie, 50 Lithographien in Schwarz, grausam und aggressiv; herausgegeben von Joan Prats, einem langjährigen Freund Miros und Kunst-Promotor im Vor- und Nachkriegs-Barcelona.

Während der Jahre des Zweiten Weltkriegs, in denen er sich nach Varengeville an der Normandie-Küste zurückgezogen hatte, sah er die beste Möglichkeit, sich von den ihn umgebenden Ereignissen zu distanzieren, darin, daß er die dreiundzwanzig Bildfolgen Constel-lacions malte, die in sich das gesamte Mirosche Universum der Kreationszeichen enthält: eine Art Netz verbindet die Wesen, die die verschiedenen kosmischen Ebenen besetzt halten; es sind die Akteure, Symbol der Erde; die Sterne weisen hin auf die unerreichbare Welt des Himmels; die Vögel stellen die Verbindung her zwischen der irdischen Welt, unserer direkten Erlebniswelt, Quelle unseres Bewußtseins und Vorstellungsvermögens.

Über längere Zeit hinweg arbeitete er im wesentlichen auf Papier und überließ es einer durch irgendeinen Zufäll in ihm hervorgerufenen Gefühlsaufwallung, einen kreativen Prozeß auszulösen. Die Frau, die Sterne und die Vögel waren forthin die sein Schaffen behrrschenden Themen.

Zusammen mit seinem Jugenfreund, dem Keramikkünstler Josep Llorens i Artigas, begann er die Technik der Keramik zu erforschen. Auch diese Kunstform sollte dann im Laufe der Jahre (so z.B. die Wandbilder wie dem am Flughafengebäude Barcelonas) einen festen Platz in seinem Schaffen einnehmen.

Schon 1928 hatte er mit den acht pochoirs zur Illustration des Buches von Lise Hirz >II etait une petite pie< bewiesen, daß auch die Gravierkunst zu seinem Ausdrucksvermögen gehört. 1948 entstanden seine ersten Farblithographien und 1950 illustrierte er mit einer neuen Technik, der Buchsbaum-Gravierung, die von Joäo Cabral de Melo über sein Werk geschriebene Monographie und, daran anschließend, auch Paul Eluards Buch >A toute epreuve<. Das Experimentieren mit Lithographie und Gravierkunst überhaupt gehörten von jetzt ab fest zu seinem Schaffen.Auch bibliophile Ausgaben seiner Schriftsteller-Freunde versah er damit.

Die Entwicklung Miros plastischer Sprache führte schließlich so Ende der 50er Jahre immer mehr zu einem Übergewicht von Bewegungsausdruck und Graphik dem Zeichen gegenüber. In dieser seiner die gesamte letzte Schaffensepoche kennzeichnenden Ausdrucksund Mitteilungsform kommt in zunehmendem Maße eine Direktheit, ja Brutalität zum Ausdruck.

Ab 1956 war dann Palma de Mallorca sein fester Wohnsitz und zwar in großräumigen, von seinem engen Freund, dem Architekten Josep Lluis Sert gebauten Atelier-Anlagen. Ab den 60er Jahren widmete er die meiste Zeit und Schaffenskraft der Skulptur, die eigentlich bis dahin bei ihm nur so ein Randdasein gefristet hatte. Ausgangspunkt war dabei immer ein oder mehrere kombinierte Gegenstände des täglichen Gebrauchs, aus denen dann eine neue Form geschaffen und schließlich in Bronze umgegossen wurde, genauso wie bei den Construccions und den Objedes poetics (Poetische Objekte) der 30er Jahre, oder den Projectes per un monument (Entwürfe eines Monumenten] der 50er.

Zu Beginn der 70er Jahre begab sich Miro auf ein neues Abenteuer: die Arbeit mit Textil. Aus den anfänglichen „Sobreteixims" -eine Verbindung aus Tapisserie, Collage und Malerei- wurden dann bald gewaltige und großartige Wandteppiche. Auch die Welt des Theaters inspirierte ihn zur Mitarbeit. Schon 1926 fertigte er zusammen mit Max Ernst die Dekorationen für das von den Russischen Balletts interpretierte Ballett Romeo et Juliette, und 1932 fertigte er die Dekoration, Kostüme und das Spielzeug für Jeux d'enfants, aufgeführt von den Russischen Ballets in Montecarlo. Erst 1978 jedoch kehrte Miro dann zur Theaterarbeit zurück, als er die Akteure realisierte von Mori el Merma für Claca Teatre, nach Ubu Roi von Alfred Jarry, für die damalige Erstaufführung im Gran Teatre del Liceu von Barcelona. Noch 1981 war er bereit zur Mitarbeit am Ballett Miro, l'uccello luce.

1975 wurde die in einem Bauwerk von J. L, Sert untergebrachte Stiftung Joan Miro mit einem vom Künstler zur Verfügung gestellten Fundus an Kunstwerken für Besucher eröffnet. Am 25. Dezember 1983 starb Joan Miro in Palma de Mallorca. Seine Kunstwerke geben unverkennbar -ja geradezu symbolhaft- die katalanische Wirklichkeit wider.

 

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