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JENNY HOLZER (geb. 1950 in Gallipolis USA

Jenny Holzer Truismn / Truisms / Jenny HolzerPortal / Jenny Holzer II

Jenny Holzer: Installation for the Hamburger Kunsthalle (Ceiling Snake), 1996

Diese Arbeit hat Jenny Holzer speziell für die Situation des Treppenhauses der Galerie der Gegenwart im entwickelt. Jenny Holzer hat eine durchgehende Laufschrift für die Decke entwickelt. Sie spiegelt die Funktion des Treppenhauses als Ort der Bewegung wider. Auf einer Länge von 47 1/2 Metern laufen etwa 1000 Sprüche, teils in englischer, teils in deutscher Sprache. Meistens bewegen sich die Sprüche vom Altbau in das neue Gebäude, manchmal auch in umgekehrter Richtung. Der gesamte Zyklus dauert fast 3 Stunden. Das Laufband wird von einem Computer gesteuert.Die Sprüche sind in alphabetischer Reihenfolge geordnet, was Objektivität und Anonymität suggeriert. Form und Inhalt der Botschaften sind nüchtern. Dies entspricht auch dem Medium. Ausnahme und Regel, Spruch und Widerspruch, Prosa und Poesie, Erfahrung und Wissen können hier erlebt werden. Jenny Holzers Sprüche zwingen zum Nachdenken. Auch dies ist eine Antithese, denn - so Jenny Holzer - "Man muß sich darüber im klaren sein daß Betrachter Freiwillige sind."Mit den Sprüchen - "Truisms", wie Jenny Holzer sie nennt - greift die Künstlerin auf frühere Arbeiten zurück. Sie begann mit Aphorismen und Lebensweisheiten, die sie in herkömmlicher Typographie als Poster an die Wände klebte oder auf T-shirts gedruckt unter die Leute brachte; sie veröffentliche dann ihre Sprüche auf Metallplatten, die sie an öffentlichen Telefonapparaten, an Parkuhren oder neben Hinweisschildern anbrachte. Genauso unauffällig mischte sie auch ihre erste Leuchtschrift, die sie 1982 am New Yorker Times Square realisierte, unter den Schilderwald der Werbeflächen. - Jenny Holzer macht sich die Eindringlichkeit der modernen Werbemedien für ihre Ideen zunutze.


The work of jenny holzer has been shown worldwide in prominent institutions such as the guggenheim museum (new york), the american pavilion at the venice biennale (venice, italy), the institute of contemporary art london (london, england) or the centre pompidou (paris, france).

however, the main focus of jenny holzer has been on the investigation of means to disseminate her ideas within public space. since the late seventies, she has been working in the street and in public buildings, using media that would enable her work to blend in the landscape. from lcd displays (e.g., in times square, new york) to posters and stickers (applied to such urban elements as telephone booths or parking meters), the texts function as comments on that environment they fit into, stimulating awareness of our social conditioning as conveyed by the very landscape in which we may be confronted by them.

please change beliefs is ms. holzer's first project on the world wide web, and is developed in the same spirit than her previous experiments in the public sphere. addressing the web as a site, jenny holzer presents five series of works (truisms, living, survival, inflammatory essays, laments). äda 'web is pleased to have offered ms. holzer the opportunity to reflect on this new medium.

 


Jenny Holzer bedient sich der Strukturen von Massenmedien und der Ästhetik des jeweiligen Umfeldes, um ihre Botschaften in die Öffentlichkeit zu schmuggeln. Da sie sich nicht selten an Zufallsbetrachter richtet, sind Eingängigkeit und mediale Präsenz wichtige Kriterien bei der Wahl ihrer Mittel. Holzers prägnante Einzeiler, die zu ihrem Erkennungszeichen geworden sind, finden sich u. a. auf Plakaten, T-Shirts oder elektronischen Anzeigetafeln wieder. So plakatierte sie ihre >Truisms<, 1977-1979, anonym in den Straßen Manhattans, ließ diese 1982 auf einer elektronischen Anzeigetafel am Times Square aufleuchten oder brachte Metalltafeln mit Aphorismen aus der Serie >Living<1980-1982, wie Hinweisschilder im öffentlichen Raum an. Provozierend an Holzers Arbeiten sind nicht nur ihre Sujets, die - wie die Künstlerin anläßlich der Biennale in Venedig 1990 äußerte - immer um Sex, Tod und Krieg kreisen. Irritierend ist vor allem die Verweigerung einer eindeutigen Sprecherposition.

Diese semantische Offenheit kennzeichnet auch Holzers Projekt >Lustmord< das sie 1993 als Zeitungsbeilage konzipierte. Aus Täter-,Opfer-und Beobachterperspektive werden in knappen, nicht selten aggressiven Sätzen die Erfahrungen sexueller Gewalt und des Todes geschildert. Seither zeigte Holzer diese Arbeit in verschiedenen Varianten etwa als 3D-LED-lnstallation in Bergen, 1994, als Leuchtschrift am Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, 1996, oder als sakral anmutende Inszenierung im Kunstmuseum des Schweizer Kantons Thurgau, 1996. Sorgfältig reihte sie dort Knochen mit metallenen Textbändern auf - eine Anspielung auf ebenso hilflose wie makabre Versuche, den Tod zu verwalten. In dem Wunsch, die Betrachter emotional zu berühren, vollzieht Jenny Holzer eine gewagte Gratwanderung zwischen drastischer Direktheit, verführerischer Oberfläche und der Notwendigkeit einer distanzierten Reflexion.

Astrid Wege 99 in:Art at the turn of the millennium-TaschenVerlag 1999

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