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Umberto Boccioni (1882- 1916)

Umberto Boccioni - Hauptvertreter des italienischen Futurismus

Zu den nennenswertesten Persönlichkeiten in Bezug auf den Futurismus kann man durchaus den Namen Umberto Boccioni bekannt als der Hauptvertreter dieser Kunstepoche, nennen. Sowohl als Grafiker, als auch als Maler und Bildhauer beschäftigt zeichnen sich Boccionis Werke vor allem durch eine dramatisch gespannte Zerteilung von Färb- und Formflächen aus. Dem Prinzip des Lichtes nachgehend, vertrat er die Meinung, dass nicht nur ein sich bewegender, sondern auch ein ruhender Körper eine gleichermaßen dynamische Wirkung erzeugen kann - da im Grunde alles der Dynamik des Universums unterliegt. Die Dauer spielte für ihn eine wichtige Rolle, denn schon die Zeit verbietet eine immerwährende Statik und damit einen Stillstand.

Umberto Boccionis hoher Beitrag zur Kunst, speziell dem zum Futurismus, wurde gewürdigt indem das Abbild seiner Skulptur "Forme Uniche della Continuitä Nello Spazio " (übers.: "Einzigartige Formen der Kontiniutät im Raum"), die sich derzeit im "Museum of Modern Art" in New York befindet, auf dem heutigen italienischen 20 Cent-Stück zu finden ist.

Biografie

Umberto Boccioni erblickte am 19. 10. 1882 in der Reggio die Calabria in Italien erstmals das Licht der Welt. 16 Jahre später, also im Jahre 1898, begann er bereits mit seinem Studium in Rom, welches er 1902 abschloss. Schon während seiner Studienzeit knüpfte er wichtige Kontakte, wie u.a. die Bekanntschaften zu Gino Serverini und Giacomo Balla. Letzterer machte ihn zu der Zeit mit der Maltechnik des Divisionismus vertraut.

Nach 5 Jahren, ungefähr gegen Ende des Jahres 1907, ließ sich Boccioni nach zwei Jahren Arbeiten und Leben in Padua und Venedig in Mailand nieder und weitere zwei Jahre darauf lernte er Tommaso Marinetti - den Verfasser des "Manifestes des Futurismus" - kennen. Von der futuristischen Kunst inspiriert, veröffentlichte er im Februar 1910, zusammen mit Carlo Carrä, Luigi Russolo, Giacomo Balla und Gino Severini das "Manifest der futuristischen Malerei". Wie auch das "Manifest des Futurismus" beschwör dieses Dokument den Leser, sich von der dagewesenen Tradition und den festgefahrenen Normen abzuwenden und sich der Zukunft und Technisierung zu widmen.

1911 kam Boccioni mit einer weiteren Stilrichtung der Kunst, dem Kubismus, in Berührung - eine Erfahrung, die die weiteren Werke des Künstlers maßgeblich prägten. So begann er, die Farbgebung in seinen Bildern zugunsten der wachsenden Dynamik der Formen zu reduzieren und versuchte sich gleichzeitig daran, eine Verbildlichung des totalen Umwelterlebnisses zu schaffen, das heisst u.a. auch eine malerische Darstellung von Bewegung und Geräusch zu erwirken. Das gelang ihm z.B. mit seinem Gemälde "Trauer", auf dem eine Frau in verschiedenen Phasen ihrer Verzweiflung zu sehen ist. Durch die Betrachtung aus verschiedenen Blickwinkeln erzielte Boccioni mit diesem Kunstwerk eine eindrucksvolle Form der Simultaneität, eine Kombination aus Statik und Dynamik. So entstand durch das Zusammenfügen von Anblick (Momentaufnahme) und Erinnerung (dauernde Handlung) ein in sich geschlossenes Ganzes.

1912 vollendete Boccioni sein Werk "Elastizität", welches als eines seiner bedeutensten und wichtigsten Werke der Malerei gehandt habt wird. Im selben Jahr wendete er sich nun auch den futuristischen Skulpturen zu, im Versuch die Beziehung zwischen Raum und Objekt zu verdeutlichen. Was Boccionis theoretische Beiträge zur futuristischen Bewegung angeht, gehörte nicht nur sein Manifest, sondern auch das Buch, welches er 1914 auf den Markt brachte, zu den wichtigsten Bausteinen des Futurismus. Mit dem Titel "Pittura Scultura Futuriste. Dinamismo Plastico" (übers, in etwa: "Futuristische Malerei und Bildhauerei. Plastische Dynamik") versehen, stellt es, mit reichlich Bildern und Theorien gespickt, eine essenziell wichtige Quelle für die futuristischen Anhänger dar. Zudem enthält es die Grundkenntnisse der futuristischen Malerei und Bildhauerei.

Noch im selben Jahr zog Boccioni in den Krieg, aus dem er jedoch niemals lebend wiederkehrte - er starb 1916 während eines Genesungsurlaubes an den Folgen eines Sturzes vom Pferd.

K. Kruithoff , LK Kunst 13

 

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