Blauer Reiter war der ursprüngliche Name eines Almanachs
(1912), den eine Gruppe expressionistischer Künstler
herausgab, die 1911 aus der Neuen Künstlervereinigung
München ausgetreten waren und deren engerer Kreis später
unter diesem Namen auftrat. Zur Redaktion dieser bedeutenden
Programmschrift zur Kunst des 20. Jahrhunderts gehörten
neben den Herausgebern Wassily Kandinsky und Franz Marc,
Alfred Kubin, August Macke und der Komponist Arnold
Schönberg. Zum Blauen Reiter gehörten ferner Paul
Klee, Alexej von Jawlensky, Heinrich Campendonk, Marianne von
Werefkin und die mit Kandinsky liierte Gabriele
Münter. Zu gemeinsamen Ausstellungen lud man auch andere
Künstler ein, darunter russische Maler oder Kubisten und
Fauvisten aus Paris. Zu diesen gehörte auch Robert
Delaunay, dessen Orphismus mit kontrastierenden,
freigeschaffenen Farbarchitekturen" den Blauen Reiter"
maßgeblich beeinflusste. Der Name der Gruppe sollte den
Aufbruch zu einer neuen Kunst symbolisieren. Im Gegensatz zur
Berliner Vereinigung Die Brücke vertrat der Blaue
Reiter die auf der Romantik fußende Seite des deutschen
Expressionismus. Sie wandte sich gegen den Materialismus des
19. Jahrhunderts und strebte stattdessen eine neue,
geistige" Kunst an, die sich von volkstümlichen
Kunstformen, wie beispielsweise Hinterglasmalereien, aber auch der
so genannten primitiven" Kunst inspirieren ließ.
Obgleich sich die Gruppe bereits zu Beginn des
1. Weltkrieges wieder auflöste, wirkten ihre
Ansätze und Ideen weiter und beeinflussten nicht nur das
Bauhaus, wo Kandinsky und Klee später als Lehrer arbeiteten,
sondern auch verschiedene Bereiche der abstrakten Kunst.
