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 "Der Blaue Reiter und das Neue Bild"

 -Die Geschichte der "Neuen Künstlervereinigung München" und des "Blauen Reiter" 1909-1912

  ............von Christian Gelleri - Erstellt am 3. Juli 1999 >> www.????


"...in München wurde ich einmal durch einen unerwarteten Anblick in meinem Atelier bezaubert. Es war die Stunde der einziehenden Dämmerung. Ich kam mit meinem Malkasten nach einer Studie heim ... als ich plötzlich ein unbeschreiblich schönes, von einem inneren Glühen durchtränktes Bild sah. Ich stutzte erst, dann ging ich schnell auf dieses rätselhafte Bild zu, auf dem ich nichts fand als Formen und Farben sah und das inhaltlich unverständlich war. Ich fand sofort den Schlüssel zu dem Rätsel: es war ein von mir gemaltes Bild, das an die Wand angelehnt auf der Seite stand. Ich versuchte den nächsten Tag bei Tageslicht den gestrigen Eindruck von diesem Bild zu bekommen.

Es gelang mir aber nur halb: auch auf der Seite erkannte ich fortwährend die Gegenstände und die feine Lasur der Dämmerung fehlte. Ich wußte jetzt genau, dass der Gegenstand meinen Bildern schadet." 1

 

Wie alles begann ...

 Als im Januar 1909 die Neue Künstlervereinigung München (NKVM) gegründet wurde, ging es um eine grundsätzliche Neurorientierung der Kunst. Das Abbilden von Objekten in all seinen Varianten konnte nicht weiterhin der (alleinige) Sinn der Kunst sein, und es begann das Suchen nach neuen Wegen.

 Als treibende Kraft in der Künstlervereinigung etablierte sich von Anfang an Wassily Kandinsky. Unterstützt wurde er von seinen Freunden Gabriele Münter, Alexej von Jawlensky, Marianne von Werefkin und Alfred Kubin. Auþerdem gehörten in der ersten Phase Adolf Erbslöh, Alexander Kanoldt, Paul Baum, Wladimir von Bechtejeff, Erma Bossi, Karl Hofer, Moissey Kogan, Heinrich Schnabel, Oskar Wittgenstein und Alexander Sacharoff der Vereinigung an.

 Die verschiedensten Stile trafen in diesem Verein aufeinander: expressionistische und impressionistische Landschaften, sprühende spätimpressionistische Szenen, elegische Akte, symbolistische Darstellungen, brave Stilleben...

 

Die Ausstellungen

 Die Assoziation sollte es endlich ermöglichen, regelmäþig und professionell mit Ausstellungen an die Öffentlichkeit zu gehen und damit die Gesellschaft mit dem `Neuen Bild vertraut zu machen. Bereits 1909 gelang die erste Präsentation in der `Modernen Galerie Thannhauser in München vom 1. bis 15. Dezember. Die gezeigten Bilder, wie z. B. Kandinskys `Arabischer Friedhof von 1908, verursachten sehr viel Empörung in der Bevölkerung. Beschimpfungen, negative Kritiken und sogar Angriffe auf die Bilder waren typische Reaktionen der Besucher und Journalisten, und schon nach wenigen Wochen endete die Ausstellung.

Auch als im zweiten Versuch vom 1. bis 14 September 1910 neben Bildern aus der Künstlervereinigung Exponate renommierter ausländischer Maler vorgestellt wurden (Picasso, Derain, Burljuk, Braque u. a.), waren die Rezensionen vernichtend und das Publikum sehr aufgebracht. Bei so viel Wirbel setzten sich auch viele Künstler mit diesen neuen Richtungen auseinander. So fühlte sich Franz Marc nach einem Ausstellungsbesuch veranlaþt, eine positive Kritik über die Ausstellung zu schreiben. So kam er auch in Kontakt mit Wassily Kandinsky, mit dem er zahlreiche Diskussionen über das `Geistige in der Kunst zu führen begann, woraus sich eine tiefe Freundschaft und eine fruchtbare Zusammenarbeit entwickelte:.

 

Der Beginn des Blauen Reiter

 Anfang 1911 besuchte Franz Marc Kandinsky in seinem Murnauer

Domizil: "Die Stunden bei ihm gehören zu meinen denkwürdigsten Erfahrungen. Er zeigte mir viel, ältere und neueste Sachen. Letztere alle ungeheuer stark; im ersten Moment fühlte ich die groþe Wonne seiner starken, reinen, feurigen Farben, und dann beginnt das Gehirn zu arbeiten; man kommt nicht los von diesen Bildern."

 Die `letzteren Werke zeigten bereits einen vollkommen neuen Weg, den Kandinsky eingeschlagen hatte. Immer mehr löste er sich vom Gegenständlichen. Anfang Dezember 1911 sollte diese Innovation der Hauptgrund für die Zersplitterung der Gruppe werden, als die Vereinsjury sich weigerte, Kandinskys Komposition V in die Winterausstellung aufzunehmen. Diesen Höhepunkt in einer seit längerem schwelenden Auseinandersetzung nahm Kandinsky zusammen mit Münter, Marc und Kubin zum Anlaþ, aus der Vereinigung auszutreten. Blitzschnell gelang es ihnen, eine `Gegenausstellung zur Winterausstellung zu organisieren, die als legendäre `Blaue Reiter-Schau in die Historie der Kunstgeschichte eingegangen ist (Galerie Thannhauser vom 18. Dezember bis zum 2. Januar 1912). 

Die Winterausstellung, die `Blaue-Reiter-Schau sowie die beiden vorhergehenden Ausstellungen stehen nun im Mittelpunkt der Ausstellung im Kunstbau. Die Rekonstruktion umfaþt etwa 60 Prozent der damals gezeigten Exponate. Dabei wurde versucht, in den Räumen die Atmosphäre der Galerie Thannhauser originalgetreu zu rekonstruieren.

 Literaturverzeichnis:

kunstwissen.de

 
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