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Art & Language (1966 - 1976 )

Art & Language ist eine englisch-amerikanische Künstlergruppe. Sie ist die einzige Künstlergruppe, die primär kunsttheoretisch arbeitet und in Ausstellungen Texte und Modelle präsentiert, die den jeweiligen Stand der gruppeninternen Diskussion zusammenfassen. Die Ausdifferenzierung des theoretischen Ansatzes steht im Vordergrund, nicht - wie in Künstlergruppen der klassischen Avantgarde - die programmatische Legitimation ihrer Kunstproduktion. Sie sind ein Beispiel für kollektive Kreativität.

Art & Language stellen seit 1966 den traditionellen Kunstbegriff in Frage und werden aufgrund ihrer Vorgehensweise weitgehend der Konzeptkunst zugeordnet. Ausgehend von marxistischen und linguistischen Analysen wenden sie sich von Beginn an radikal gegen jede Variante des »l’art pour l’art« und gegen individualistische Auffassungen. Dabei soll das Kunstobjekt durch sprachliche Konzepte ersetzt werden.

Joseph Kosuth amerikanisches Mitglied von Art & Language formuliert Ende der 60ger Jahre: " Wer Bilder macht, akzeptiert, akzeptiert das Wesen der Kunst, ohne danach zu fragen". Man hat eine grundlegende Skepsis gegenüber den Erklärungen für die traditionellen Kunstpraxis, darum will man den künstlerischen Prozess rationalisieren und in Sprache fassen. Diesen Prozess selbst betrachtete die zeitweise über 35 Mitglieder zählende Gruppe primär als Erörterung über dessen kulturelle und intellektuelle Grundlagen, formuliert als Überlagerung von Sprach-Analyse und Kunst-Analyse. Seine Ergebnisse wurden als Karteikästen mit Registern präsentiert oder in der eigenen Zeitschrift publiziert.

Die erste Zusammenarbeit zukünftiger Mitglieder von Art & Language ergaben sich Ende 1966: Terry Atkinson und Michael Baldwin schreiben in diesem Jahr erste Texte, in denen sie sich mit Aspekten analytischer Philosophie auseinandersetzen. Zudem entstehen 1966 erste Zeichnungen in Form von Diagrammen, die sich als Beispiele für die Argumentation in ihren Texten lesen lassen, und Blow Ups (Fotovergrößerung) von Texten, die Argumente in kurzer Form vorstellen. Zudem entstehen 1966 erste Zeichnungen in Form von Diagrammen, die sich als Beispiele für die Argumentation in ihren Texten lesen lassen, und Blow Ups (Fotovergrößerung) von Texten, die Argumente in kurzer Form vorstellen.

Ian Burn und Mel Ramsden konzipieren 1966 "Soft Tape", das eine Kombination einer gerade noch hörbaren Stimme auf Tonband mit einer Texttafel vorschlägt. Beide Texte für "Soft Tape" reflektieren ihre Präsentationsform im Kontext etablierter Kunsttheorien und -gattungen. Die Texte wenden sich direkt an Ausstellungsbesucher und fordern sie zur Auseinandersetzung mit dem Verhältnis Werk-Beobachter heraus. Dasselbe gilt für "Print (2 sections A and B)" von Atkinson und Baldwin, der im gleichen Jahr entstand: Ein Text, der wie andere flache rechteckige Ausstellungsobjekte aufzuhängen ist, fragt danach, ob ihn das "piece of paper", das die Textzeichen trägt, bereits zum Kunstgegenstand macht. In beiden Fällen ergibt sich aus der kritischen Reflexion über etablierte Kunsttheorien sowie über museale Präsentationsumstände ein impliziter Apell an Rezipienten, eine kritische Haltung zu Vorgaben des Kunstbetriebs einzunehmen.

 

Im Mai 1968 gründen Atkinson, Baldwin, David Bainbridge und Harold Hurrell die Art & Language Press, die Texte in limitierter Auflage und signiert ediert. Ein Jahr später, im Mai 1969, erscheint die erste Ausgabe der Zeitschrift "Art-Language". Ab der zweiten Nummer (Februar 1970) erscheinen in "Art-Language" auch Texte der New Yorker Künstler Ian Burn und Mel Ramsden. Bis 1970 konzentriert sich der Arbeitsschwerpunkt auf die Analyse der Prämissen künstlerischer Praxis( Zusammenspiel zwischen Kunstkritik, Museen und Galerien ). In diesem Zusammenspiel wird der Status von Werken als Sammlerobjekte zum Nachteil ihrer provokativen Wirkung als Diskussionsanlass erkannt. Das transportable Sammlerobjekt wird als Basis eines tradierten Werkverständnisse erkannt. ( Zitat vgl. http://www.kunstnet.at/kuenstler/art&language.html )

Seit 1971 liefern Rekonstruktionen von Geschichten der Forschung und ihrer Institutionalisierung, wie sie die "Philosophy of Science" liefert, den Mitgliedern von Art & Language Anlässe für Erneuerungen der methodischen Grundlagen ihrer kollaborativen "theoretischen Praxis" und ihrer Kritik des Kunstbetriebs.

 

A&L Gruppe in den USA

Neben der englischen Sektion (A & L, UK) entwickelt die New Yorker Gruppe (A & L, NY) zwischen 1972 und 1976 eine Eigendynamik mit zunehmend mehr Mitgliedern. Die Zahl der amerikanischen Mitglieder steigt bis zur Auflösung 1976 ständig. Von zuletzt 15 Mitgliedern sind namentlich von 10 Beiträge in der Zeitschrift "The Fox" erschienen. "The Fox" wird von Joseph Kosuth herausgegeben. Die Redaktionsarbeit der drei 1975-76 realisierten Nummern teilen sich Mitglieder aus dem engeren Kreis von Art &Language: Ian Burn, Mel und Paula Ramsden.

 

Seit 1977 arbeiten Michael Baldwin und Mel Ramsden in Banbury zusammen. Es entstand ein inzwischen umfangreiches Oeuvre an Bildern. Einige Texte werden mit Charles Harrison geschrieben, der seit 1971 "Art-Language" herausgibt. Die selbst gestellte Aufgabe der Gruppe, kunst- und kunstkontextreflexive Kunst im Kunstkontext zu präsentieren, hat sich nicht geändert - der Anteil des Sichtbaren gegenüber dem Lesbaren hat sich allerdings erheblich erhöht. Neben zahlreichen Personalen nimmt ‚Art & Language’ an wichtigen Gruppenausstellungen teil, darunter an den ‚Documentas’ V, VII , X, sowie 1976 an der Biennale Venedig.

Im Kunstraum Wien findet 1995 das Symposium ‚Art & Language & Luhmann’ statt, das 2000 eine Fortsetzung unter dem Titel ‚Art & Language & Luhmann No. 2’ im ZKM in Karlsruhe findet. Im Rahmen des Symposiums in Karlsruhe wird das Projekt ‚Blurting in A & L online’ vorgestellt, das Thomas Dreher in enger Zusammenarbeit mit dem ZKM | Institut für Netzentwicklung und in Abstimmung mit der Künstlergruppe realisiert hat.

Website

Die Website von Art & Language ist in die Website des ZKM (Zentrum für Kunst und Medientechnologie, Karlsruhe) integriert und präsentiert das Lexikon »Blurting in A & L« (1973) als Online-Version, da eine Übertragung in einen Hypertext plausibel ist: Michael Corris und Mel Ramsden notierten Verbindungen zwischen 408 Einträgen/Anmerkungen/Blurts, die von ihnen und von anderen Mitgliedern von Art & Language (Ian Burn, Preston Heller, Andrew Menard und Terry Smith) geschrieben wurden.

Die Verbindungen können jetzt als Links zwischen Webseiten wiedergegeben werden. 2002 wird im ‚Musée d’art modern de Lille Métropole’ in Villeneuve d’Ascq unter dem Titel too dark to read. Motifs rétrospectifs 2002-1965’eine große Retrospektive gezeigt, in der das Schaffen von ‚Art & Language’ beleuchtet und in deren Zusammenhang ein umfassender Katalog mit CD-Rom erscheint.




Art & Language & Luhmann III

What work does the artwork do?

Symposium im ZKM-Medientheater, 05.11.-06.11.2005


Die Veranstaltung setzt eine Reihe fort, in der Konzeptkunst als Kunst zweiter Ordnung auf die Theorie beobachtender Systeme traf, und die 1995 im »Kunstraum Wien« unter Teilnahme von Niklas Luhmann mit dem Titel »Art & Language & Luhmann I« begann. Das zweite Symposium »Art & Language & Luhmann II« folgte fünf Jahre später im ZKM. Initiiert von der Jackson-Pollock-Bar Freiburg fanden beide Veranstaltungen in enger Zusammenarbeit mit der Künstlergruppe Art & Language statt, die auch dieses Jahr wieder an der Konzeption der Veranstaltung mitwirkt und anwesend sein wird.

Handel mit Intelligenzderivaten im Kunstsystem?

Die Gegenüberstellung der Künstlergruppe Art & Language mit den Theorien des Systemtheoretikers Niklas Luhmann basiert auf der Annahme von Übereinstimmungen zwischen der von Luhmann entwickelten Theorie des »Autopoietischen Systems« und der künstlerischen Reflexionspraxis der Künstlergruppe.



99 Thesen zur aktuellen Kunst , Institut für Soziale Gegenwartsfragen Freiburg

Matthiessen-Wehmer-Gesellschaft, 2005

-Second Order Art-

  • 1. Das Altarbild des 21. Jahrhunderts ist der Desktop
  • 2. Das 20. Jahrhundert war das Jahrhundert der Methodologie
  • 3. Die Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war eine Methodologie der Produktion; die Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Methodologie des Diskurses/des Systems
  • 4. Das Fortschreiten der methodologischen Analyse beschrieb sich selbst als Avantgarde; der Abschluß des Methodenprogramms beschreibt sich selbst als Postmoderne
  • 5. Aus der Beendigung des Methodenprogramms lassen sich keine Entwicklungen zukünftiger Kunst ableiten
  • 6. Die Ergebnisse des Methodenprogramms lassen ihre Nutzung/Anwendung offen
  • 7. Im Schatten der Methodenanalyse vollzog sich ein sozialstruktureller Prozess der funktionalen Ausdifferenzierung zur modernen Gesellschaft. Die Soziologie nennt diesen Prozess "operative Schliessung von Kommunikationssystemen". Sozialstrukturell ist die Kunst ein operativ geschlossenes Kommunikationssystem
  • 8. Zwischen dem Methodenprogramm und der Entwicklung der Sozialstruktur bestehen Zusammenhänge und Wechselwirkungen, aber keine Determinationen
  • 9. Die operative Schließung des Kunstsystems bringt einen Strukturwandel ästhetischer Öffentlichkeit hervor: Die Produktion implodiert in den Diskurs, Operation und Selbstbeschreibung des Systems fallen in eins, die Philosophie der Kunst demonstriert sich selbst mit Hilfe von Kunstwerken. Es interessiert uns nicht mehr das kommentierte Bild, sondern der illustrierte Text
  • 10. Das Kunstwerk wird zum bloßen Moment der Gesamtkonstruktion "Kunst". Rahmen-bedingungen, Institutionen, das Gespräch der Werke setzen sich an die Stelle des autonomen Werks
  • 11. Der Diskurs dringt ins Innerste des einzelnen Werks. Das kann im Werk reflektiert werden oder nicht
  • 12. Reflexionen stehen zur Verfügung; sie müssen nicht angewandt werden
  • 13. Auch die Theorie der Beobachtung zweiter Ordnung (Theorie beobachtender Systeme) steht zur Verfügung. Auch sie muss nicht angewandt werden
  • 14. Auch der Künstler erster Ordnung behält seine Berechtigung
  • 15. Er kann aber als Künstler erster Ordnung beobachtet werden
  • 16. Die Beobachtung zweiter Ordnung ist auf der Höhe der Sozialstruktur
  • 17. Die Erhöhung der Reflexion bringt keinen Vorteil für das Leben
  • 18. Die Kunst ist ein autopoietisches System, das Kunstwerk ein Moment der Selbstreproduktion der Kunst
  • 19. Die Kunst wehrt sich dagegen, ein autopoietisches System zu sein
  • 20. Die Kunst erfindet vielfältige Formen der Fremdreferenz, um dem Tod in der Selbstreferenz zu entgehen
  • 21. Weil die Kunst ein selbstreferentielles System ist, ist sie prinzipiell unpolitisch
  • 22. Um ihrer selbstreferentiellen Befindlichkeit zu entgehen, politisiert sich die Kunst
  • 23. Die Politisierung der Kunst vollzieht sich in der Ordnung des Symbolischen
  • 24. Kunst als Wirklichkeit wäre Terror
  • 25. Politische Kunst bewirtschaftet die Sehnsucht nach realer Veränderung mit symbolischen Mitteln, sie führt zur Ästhetisierung des Politischen
  • 26. Kunst und Kultur sind zum magischen Anziehungspunkt für alle kritische Intelligenz und Energie geworden
  • 27. Die ungeklärten Inhalte der Begriffe "Kritik" und "Reflexion" in der Kulturproduktion trägt dazu wesentlich bei
  • 28. Dekonstruktionsleistungen und künstlerische Praktiken als radikale Kunstmodelle stehen dabei selbst unter einem betriebsbedingten Steigerungsimperativ
  • 29. Dekonstruktionen (Dekonstruktion des Autors und des Werks, der Institutionen) und Modelle direkter sozialer Aktion sind symbolische Gesten der Ablehnung der modernen Gesellschaft in der Gesellschaft. Sie sind der Einbau der Negation in die Kommunikation
  • 30. Das Ausstellen der "Kritik" ist die Ästhetisierung der Kritik
  • 31. Institutionen bevorzugen radikale Gesten der Kritik. Institutionen ziehen Institutionenkritik an
  • 32. Bildende Kunst wird jetzt zu Kunst an sich
  • 33. Die bildende Kunst als bildende Kunst wird zum Spezialfall
  • 34. Die bildende Kunst franst aus in Filmkunst (ausgehend von der Videokunst als Mittelreflexion), ins Theater (Installation als Bühnenbild, Performance), in die Popmusik (Sampling, Retrostyle, Hype), Architektur (Skulpturalisierung) und Theorie (Demonstration der Reflexion)
  • 35. Das Theater ist eine Unterkategorie der bildenden Kunst
  • 36. Kunst an sich ist das Gegenteil der Idee des Gesamtkunstwerks
  • 37. Zentralkategorie der Kunst an sich ist die Installation
  • 38. Installation ist das Beobachtbarmachen von Beobachtungen, von denen abhängt, was beobachtet werden kann
  • 39. Der Künstler wird zum Plazeur/Installateur
  • 40. Der Wahrheitsbegriff der Kunst an sich ist aus dem Werk herausgetreten in den sozialen Prozess
  • 41. Es gibt auch noch den authentischen Künstler
  • 42. Der authentische Künstler kann jetzt gespielt werden. Individuum im modernen Sinne ist, wer sein eigenes Beobachten beobachten kann
  • 43. Im radikalen Konstruktivismus kann auch die Position des Konstruktionsverzichts eingenommen werden (Heidegger, Buddha)
  • 44. All dies geschieht parallel zur normalen Gesellschaft
  • 45. Die Kunst untersucht und demonstriert die Beobachtungsverhältnisse der normalen Gesellschaft als Beobachtungsverhältnisse, sie findet darin ihr Thema
  • 46. Sie setzt damit die Arbeit an ihrem Zentralthema fort: Mehr Sehen, und das Sehen sichtbar machen
  • 47. Die Arbeit des Sehens ist übergegangen an das Sichtbarmachen der Beobachtungsverhältnisse
  • 48. Der Begriff der gesellschaftlichen Beobachtungsverhältnisse ist von fundamentalerer Bedeutung als der Begriff der gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse
  • 49. Die Durchsetzung der modernen Gesellschaft vollzieht sich nach innen als operative Schließung, nach außen als Globalisierung
  • 50. Die Globalisierung des Kunstdiskurses bringt eine ungeheure Erweiterung des Horizonts und der Vielfalt der Kunst hervor
  • 51. Die alteuropäische Kunst und ihre Geschichte werden zum Spezialfall der Weltkunst
  • 52. Ihre Spezialität besteht in ihrer unterscheidungsbewussten Rationalität, in ihrem Methodenbewusstsein 53. Der Weltkunst steht Methodenbewusstsein zur Verfügung; sie muss es nicht anwenden
  • 54. Der Effekt einer globalisierten, operativ geschlossenen Weltkunst ist eine epedemische Produktion, für die es keine Rezeption (und damit auch keine Bedeutung) mehr gibt
  • 55. Basismaterial der Produktionsepedemie ist das Junge und Jüngste
  • 56. Es besteht aus der unverdorbenen (unbelehrten) Produktion der jüngsten Generation
  • 57. und aus der unverdorbenen Produktion der jüngsten Völker (Fernost/Afrika)
  • 58. Die Bewirtschaftung des Jungen und Unverdorbenen bedeutet eine extreme Abwertung von Ausbildung / Akademie
  • 59. Das Weltkommunikationssystem Kunst funktioniert völlig abgekoppelt von jeder möglichen künstlerischen Biographie, von jedem Werk im Sinne eines biographischen Reifeprozesses. Besser: Die Künstlerbiographie kommt mit dem Weltkommunikationssystem Kunst nur noch sporadisch in Berührung
  • 60. Die Künstlerbiographie kommt nur als ready made vor
  • 61. Die wirkliche Biographie kommt im System nicht vor
  • 62. Unterhalb des Weltkommunikationssystems Kunst entsteht eine therapeutische Kunstarbeit, in der alle primären Erfahrungsqualitäten von Kunst wieder zu ihrem Recht kommen (sinnliche Qualitäten, Gestaltung, Reife, Spiritualität). In ihr steht der wirkliche Mensch im Mittelpunkt
  • 63. Weltkunst und Therapiekunst werden zu komplementären Formen dessen, was Kunst einmal war
  • 64. Surfen und Sampeln werden zu Basisoperationen der postproduktivistischen Weltkunst
  • 65. Surfen und Sampeln sind bereits Reaktionen auf die Produktionsepedemie
  • 66. L' Art pour L' Art ist eine frühe Form des Surfens und Sampelns
  • 67. Der postproduktionistische Künstler steht zwischen Weltkunstsystem und Therapiekunst. Er arbeitet an der eigenen Transformation
  • 68. Der postproduktivistische Künstler arbeitet an der Entkunstung und Entwerkung der Kunst
  • 69. Entkunstung und Entwerkung sind Formen einer gelassenen Kunst
  • 70. Gelassene Kunst übt sich ein in die Differenz zwischen Kommunikation, Bewusstsein und Sein
  • 71. Gelassener Kunst bleiben Berührungen mit dem System äußerlich
  • 72. Der Diskurs hat die Werke nach innen blind gemacht, nach außen gestisch und modellhaft
  • 73. In der Kunstproduktion entsteht ein Dualismus von äußerem Diskursbezug (Kontext, Institution, System) und innerer Eigenkomplexität (Praxis, Konversation, Indexikalität, Personalität)
  • 74. Es entsteht ein Bedeutungsdualismus (Eigencharakter der Kunstwerke/Zuschreibungs- oder Interpretationsbedeutung durch den Diskurs)
  • 75. Das Kunstwerk entscheidet selbst über seinen Charakter
  • 76. Die Bedeutung des Betrachters hängt vom Charakter des Kunstwerks ab ( Personalität vs. Diskurs)
  • 77. Gelassene Kunst produziert gegenüber Systemkontext und methodischer Kontextreflexion einen echten eigenen Kontext/Gebrauch. Formen dafür sind Archive und Indexe.
  • 78. Das Publikum kommt für die Kunst nicht vor.
  • 79. An der Kunst sind nur Beteiligte beteiligt
  • 80. Das Publikum hat für die Kunst eine artifizielle Funktion; es ist seine subventionierte Erfindung
  • 81. Das Publikum ist die Umwelt (der Stellvertreter) des Gesellschaftssystems im Kunstsystem
  • 82. Das Publikum ist die Projektionsfläche der Geste der Kritik
  • 83. Ohne Publikum zerfällt die Konstruktion der "Kultur"
  • 84. Publikum, Subvention und Kulturpolitik sind identische Begriffe
  • 85. "Kulturpolitik ist die Höchstform des Nihilismus" (Heidegger)
  • 86. Kulturpolitik ist die Zentralagenda linker Intelligenz geworden. Sie ist reiner Wille zur Macht
  • 87. Kulturpolitik ist an die Stelle realer revolutionärer Utopie getreten
  • 88. Publikum, Subvention und Kulturpolitik sind kunstfeindliche Kategorien
  • 89. Das Theater ist die reinste Form der Inszenierung des Publikums; daraus resultiert die Höhe seiner Subventionierung und die Schwäche seiner Selbstreflexion
  • 90. Kunst ist chic; man kann an Kunst teilnehmen wie an Mode
  • 91. Kunst vollbringt das Wunder, trotz erwarteter Neuheit tatsächlich Neues hervorzubringen
  • 92. Kunst vollbringt das Wunder, trotz bewusster Ablehnung aller als Kunst akzeptierter Formen Kunstformen hervorzubringen
  • 93. Das 20.Jahrhundert ist das Jahrhundert der Durchsetzung der modernen Gesellschaft und der Revolutionen dagegen
  • 94. Das 21. Jahrhundert beginnt als Jahrhundert der Ent-täuschung und Affirmation
  • 95. Kultur nimmt an der Enttäuschung und Affirmation als professionelle Negation teil
  • 96. Kultur absorbiert mit der Bewirtschaftung radikaler symbolischer Gesten und Kritik reale gesellschaftliche Veränderung
  • 97. Kultur absorbiert die reale Haltung und Form der Kunst
  • 98. Kunst muss sich gegen Kultur wehren
  • 99. Die Revolution muss sich gegen ihre Kulturalisierung wehren

    >Institut für Soziale Gegenwartsfragen Freiburg<, Matthiessen-Wehmer-Gesellschaft

    Eine Veranstaltung des ZKM, des Instituts für soziale Gegenwartsfragen Freiburg und der Jackson Pollock Bar

 

 

Link:

http://on1.zkm.de/zkm/stories/storyReader$4609 ( Symposien )

http://www.basis-wien.at/cgi-bin/browse.pl?t=fipo.tpl&fipoid=16514 ( Biographien und Material )

http://iasl.uni-muenchen.de/links/NAAL.html

http://dreher.netzliteratur.net/3_Konzeptkunst_Art_Lang3.html ( Theorie )

kunstwissen.de

 
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