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Reichenauer Malerschule ( ca.1000 n.Chr.)

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In der Romanik bemühten sich die Buchmaler, Illustration, Verzierung und Text miteinander zu verknüpfen. Einen Höhepunkt erlebte die Buchmalerei in der ottonischen Kunst. Inbegriff ottonischer Malerei ist das Inselkloster Reichenau im Bodensee, in dem der klassische Stil der ottonischen Buchmalerei nach 980 ausgebildet wurde. Der Motivcanon wurde von der Buchstabenschmückung zur Illustration hin erweitert.Byzantinische Motive drangen in die deutsche Buchmalerei ein. Mit kräftigen Aquarellfarben entstand bedeutende Buchmalerei im Kloster Reichenau auf der Insel Reichenau im Bodensee , Köln und Regensburg.

Die Benediktinerabtei Reichenau besaß im 10. und 11. Jahrhundert die wohl größte und einflussreichste europäische Malschule. In ihrer Hauptblütezeit zwischen etwa 970 und 1010/20 entstanden dort im Auftrag der höchsten Kreise der damaligen Gesellschaft - Reichsbischöfe, Könige und Kaiser - eine Reihe meist liturgischer Prachthandschriften. Die Codices repräsentieren die ottonische Buchmalerei Deutschlands und ihrer Aussagekraft für die religiöse, politische und kulturgeschichtliche Situation ihrer Zeit.

Mit lebhafter künstlerischer Phantasie und innovativer Kraft schufen Mönche große Kunstwerke, deren Schönheit und Vollkommenheit noch heute faszinieren. Als Inspirationsquellen dienten ihnen sowohl die karolingische Buchmalerei der Hofschule Karls des Großen als auch altchristliche und byzantinische Vorlagen. Die Forschung ordnet die Codices in Gruppen, die nach Schreibern, Künstlern oder Auftraggebern benannt sind:

Eburnant-Gruppe , zugeordnet ist der Gero-Codex (Darmstadt), die älteste der zehn Handschriften. Er wurde laut Widmung für den Kölner Erzbischof Gero gemalt und ist in seiner Rankenornamentik der St. Galler Buchmalerei verpflichtet.

Ruodprecht-Gruppe , zugeschrieben sind als bedeutendste Handschriften der Egbert-Psalter (Cividale) und das Evangelistar aus der Abtei Poussay (Paris).

Egbert-Codex (Trier) , wurde wie der Egbert-Psalter für den Erzbischof Egbert von Trier geschaffen. Er enthält 51 Miniaturen zu den Evangelien und damit wahrscheinlich den ersten geschlossenen Bilderzyklus zum Neuen Testament.

Die frühesten Werke der Liuthar-Gruppe sind fast gleichzeitig zu datieren. Ihr gehören die Prachthandschriften an, die die höchste Blüte der Reichenauer Malschule darstellen. Das Evangeliar Ottos III. (Aachen) stellt alle Bilder auf Goldgrund dar - eine epochale Neuerung in der abendländischen Buchmalerei. Der Daniel-Kommentar und die Bamberger Apokalypse (Bamberg) weisen erstaunliche Bildschöpfungen auf. Zu den kostbarsten Werken, die Kaiser Heinrich II. dem Bamberger Dom schenkte, zählen vermutlich die drei Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek. Das Evangeliar Ottos III. mit Prachteinband und luxuriöser Ausstattung wurde im Auftrag des Kaisers angefertigt. Es weist neben einer doppelseitigen Huldigung der Provinzen an den thronenden Kaiser u.a. einen chronologisch angelegten Bilderzyklus zum Leben Christi (29 hochformatige ganzseitige Miniaturen auf Goldgrund) auf. Als Hochleistung der Reichenauer Buchmalerei gelten die Darstellungen der vier "visionären" Evangelisten.

Das Evangeliar aus dem Bamberger Dom zeichnet sich durch ikonographische Besonderheiten aus, z.B. die Darstellung Christi im Lebensbaum umgeben von den Evangelistensymbolen und den Paradiesflüssen. In den Kanontafeln erscheinen die Tierkreiszeichen - eine ungewöhnliche, für die Malerei der Reichenau einmalige Verbindung.
Das bedeutendste Werk romanischer illuminierter Handschriften dürfte das Perikopenbuch Heinrichs II. aus Bamberg sein. Das Perikopenbuch Heinrichs II. zeigt neben dem Widmungsbild, der Krönung Heinrichs und seiner Gemahlin Kunigunde durch Christus, einen Zyklus von 23 Miniaturen zum Neuen Testament. Besonders in den zweiseitigen Darstellungen kommen die monumentalen, ausdrucksstarken Figuren zur Geltung.

Das Evangeliar Heinrich des Löwen (um 1188, Wolfenbüttel, Herzog-August-Bibliothek) gilt als Hauptwerk der Helmarshausener Schule. Die Blütezeit der Prachtevangeliare endete im späten 13. Jahrhundert.

Aufenthaltsorte:

Aachen (Domkapitel):Evangeliar Ottos III.
Bamberg (Staatsbibliothek):Daniel-Kommentar (und Hohes Lied) ,Bamberger Apokalypse (und Evangelistar)
Cividale del Friuli (Museo Archeologico Nazionale): Egbert-Psalter
Darmstadt (Hessische Landes- und Hochschulbibliothek): Gero-Codex
München (Bayerische Staatsbibliothek): Evangeliar Ottos III. Perikopenbuch Heinrichs II. Evangeliar aus dem Bamberger Dom
Paris (Bibliothèque nationale de France): Evangelistar aus der Abtei Poussay
Trier (Stadtbibliothek): Egbert-Codex


EGBERT, ERZBISCHOF VON TRIER (977-993)

Egbert († 993) entstammt dem Geschlecht der Grafen von Holland, Westfriesland und Gent, die Lehnsträger der deutschen und französischen Krone waren und damit eine wichtige politische Stellung zwischen beiden Reichen einnahmen. Seine Ausbildung begann Egbert im Hauskloster Egmond in Holland, die entscheidende geistige Prägung dürfte er aber in der Schule Erzbischofs Bruno von Köln, des Bruders von Kaiser Otto I., gewonnen haben. Als Mitglied der Hofkapelle war Egbert bald im Zentrum der Kirchen-, Reichs- und Kulturpolitik. Seine Laufbahn verdankte er der Gunst Kaiser Ottos II., der ihn 976 zu seinem Kanzler berief und 977 zum Erzbischof von Trier einsetzte. Egbert war sehr auf die Stärkung seiner Diözese bedacht und gab wichtige Aufträge an Wissenschaft und Künste.

DIE REICHENAUER BUCHMALEREI

Nach dem Zusammenbruch der karolingischen Macht mit dem Tod Kaiser Karls des Kahlen († 977) verlagert sich der Schwerpunkt der Kunst vom Hof in die Klöster des Reiches. Voneinander unabhängige klösterliche Werkstätten arbeiten für verschiedene geistliche und weltliche Würdenträger. Der 724 auf der Insel Reichenau im Bodensee gegründeten Benediktinerabtei kommt eine zentrale Stellung für die ottonische Buchmalerei des 10. und frühen 11. Jahrhunderts zu. Die Forschung ordnet die überlieferten Prachthandschriften in Gruppen, die nach Schreibern, Künstlern und Auftraggebern benannt sind: Anno-Eburnant-Gruppe, Ruodprecht-Gruppe, Liuthar-Gruppe. Allen gemein ist die Inspiration durch karolingische Monumentalwerke sowie spätantik-frühchristliche und byzantinische Werke.

Die Reichenauer Malerschule umfasst eine umfangreiche otton. Handschriftengruppe (etwa 950-1150), deren Entstehung in den Skriptorien der Insel Reichenau vermutet wird. Auftraggeber und Empfänger werden vier Gruppen zugeordnet: Äbten und Klöstern, den otton. und sal. Kaisern, bes. den Kaisern Otto III. und Heinrich II. (nach dem führenden Schreiber Liuthargruppe genannt, mit dem Evangeliar Ottos III., der Bamberger Apokalypse und dem Perikopenbuch Heinrichs II.), dem Hof nahe stehenden Persönlichkeiten (darunter Egbert von Trier) und der hohen Domgeistlichkeit. Mit lebhafter Phantasie, Gestaltungskraft und neuen Ideen schufen die Mönche große Kunstwerke, deren Schönheit und Ausdruckskraft bis heute faszinieren.

 

Evangeliar Ottos III

Zu en bedeutendsten Handschriften, zählt das Evangeliar Ottos III. (um 1000 n. Chr., Bayerische Staatsbibliothek,München). Es weist neben Initialzierseiten, den Bildnissen der Evangelisten und Darstellungen aus dem Leben Jesu auch das Stifterbild des Kaisers auf.

 

DER EGBERT-CODEX

Eine Schlüsselstellung nimmt der Egbert-Codex aus dem letzten Viertel des 10. Jahrhunderts ein, die wohl berühmteste Handschrift, in der sich illusionistische Malkunst und die monumentale Darstellung der menschlichen Figur in einzigartiger Weise verbinden . Der Codex Egberti, Handschrift 24 der Stadtbibliothek Trier, zählt zu den schönsten Handschriften der ottonischen Renaissance. Dieses Perikopenbuch mit den Lesungen aus den vier Evangelien wurde um 980/90 für Erzbischof Egbert von Trier von den Reichenauer Mönchen Kerald und Heribert geschrieben und mit 60 Miniatur- und Initialseiten reich illustriert. Seitdem befindet sich die Handschrift in Trier. Die Illustrationsfolge gilt als der erste Bilderzyklus zum Leben und Wirken Jesu. Der Bogen spannt sich von der Verkündigung an Maria bis Pfingsten und illustriert die Kindheitsgeschichte Jesu, sein öffentliches Wirken anhand zahlreicher Wunder, die Passion, Auferstehung und Himmelfahrt. Die Handschrift verweist in vielem auf Reichenauer Kunstformen; es wird aber auch, vor allem aus paläographischen Gründen, eine Herkunft aus Trier diskutiert.

DER GREGORMEISTER

Hinter diesem Notnamen verbirgt sich einer der bedeutendsten ottonischen Buchmaler. Hauptzentrum seines Wirkens war Trier zur Zeit Erzbischofs Egbert. Neben Egbert zählten auch Kaiser Otto II. (955-983) und weitere Mitglieder aus Hochadel und Reichsklerus zu seinen Auftraggebern. Zu seinen Hauptwerken gehören die Miniaturen des Egbert-Codex, von denen ihm sieben zugeschrieben werden: Verkündigung an Maria (fol. 9v), Heimsuchung (fol. 10r), Hirtenverkündigung (fol. 13r), Kindermord (fol. 15v), Hauptmann von Kapharnaum (fol. 22r) und die Heilung der Schwiegermutter des Petrus (fol. 22v). Die Kompositionen bestechen durch die Ausstrahlung innerer Größe der Figuren und durch fließende Farbmodulation. Spätantike Vorlagen aus dem 4. / 5. Jahrhundert

Die religiösen Themen wusste der Meister kongenial umzusetzen, gestaltet zu eigenen Schöpfungen aus dem Geist der Antike und in klassischer Ausgewogenheit.

 


*Perikopen (griech.): Abschnitte, besonders die biblischen Abschnitte, die bei dem öffentlichen Gottesdienst zu Vorlesungen oder zu Predigttexten bestimmt sind. Je nachdem sie aus den Schriften der Apostel oder aus den Evangelien gewählt sind, heißen sie auch Episteln oder Evangelien

 

 

 

 


Literatur:

Links:

 

kunstwissen.de

 
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