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Vom Altarbild zur autonomen Tafelmalerei

Die Entwicklung des Tafelbildes (allgemein)

Geht man an die Anfänge des Privatbildes zurück, so muß man sich deutlich machen, daß es nicht neben dem Bild im öffentlichen Kultraum entstand, mit eigenen Themen und Formen, sondern eher dessen Aussehen übernahm, aber schrittweise „privatisierte". Denn man wollte keine andersartigen Bilder, sondern nur eines, das einem selbst gehörte. Die größte Faszination ging natürlich von Bildern aus' die Wunder wirkten oder vom Geheimnis einer wunderbaren Herkunft umgeben waren. Sie wenden sich dabei, ob öffentliches Kultbild oder nicht, an eine Person, die das Wunder erlebt. So entsteht eine private Bilderfahrung.

Das Tafelbild tritt zuerst als Kultbild und dann als Altarbild in Erscheinung. Es läßt sich von anderen Formen der Malerei unterscheiden? die entweder schmücken oder erzählen, aber nicht als selbständige Bilder wahrgenommen werden: Sie schmücken die Wände eines Innenraumes (Fresken) bzw. eines Geräts (Schreinmalerei) oder die Seiten eines Buches (Miniaturmalerei), und sie erzählen oft eine Geschichte, entweder aus der Bibel oder den Heiligenlegenden. So sind sie immer abhängig von einem Bildträger und auch von einem Inhalt, den sie nacherzählen. Die hier gemeinte Bildtafel tritt dagegen, zumal wenn sie transportabel ist, als selbständiges Bild in Erscheinung. Und sie dient vorrangig der Darstellung von Personen (nicht Geschichten), besonders solcher Personen, die Gegenstand des kirchlichen oder außerkirchlichen Kults waren.

Ein Kultbild blieb immer das Bild einer Person, selbst dort, wo es eine Szene darzustellen scheint. Und es bewohnte oft einen verschließbaren Schrein, in dem es zu besonderen Gelegenheiten sichtbar gemacht werden konnte: die kultische Ausstellung geht der Ausstellung von Kunst lange voran. Heute ist es immer ausgestellt. Damals aber war der Anblick solcher Kultbilder ein besonderes Privileg. Ihre Inszenierung, durch sehr seltene Schaustellung und Mitführung bei Prozessionen, gehörte untrennbar zu ihrem Kult. Der Kult war eine organisierte Form des Umgangs mit ihnen, die den Betrachter motivierte. Schließlich wurde er bei dieser Gelegenheit zum Empfänger besonderer Gnaden. Daher verstand er die Bilder, die sich ohnehin meist durch Wunderwirkungen eingeführt hatten, als Gnadenbilder.

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