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Monumentalmalerei in kirchlichen Innenräumen

Allgemeine Einführung

Die Innenausstattung von Kirchen mit monumentalen Malereien, Mosaiken. mit Textilien und Glasfenstern ist an Kultbauten geknüpft, deren Funktionen heute nur noch sehr entfernt mit unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit verbunden sind.

Die Innenausstattung mit szenischen Bildkomplexen und deren Funktion gehören ebenso der Vergangenheit an wie die originale, gesellschaftlich bestimmte 'Funktion der monumentalen Bildträger, nämlich vor allem der Basiliken und Kathedralen. Mit dem Verlust dieser Bauten als gesellschaftlicher Mitte ist auch das Wissen um die Arten und Funktionen sowohl der Bauten als auch ihrer monumentalen Ausstattungen verblaßt.

Während sich die Funktion der Kirchenarchitektur als Versammlungsraum der Gemeindemitglieder auf den ersten Blick zuerschließen scheint, sind die Aufgaben anderer Werke kirchlicher Kunst nicht mehr unmittelbar ablesbar. Dies trifft in besonderem Maße auf den Altar, seinen Aufbau (Retabel) und dessen Bildnerische Programme zu.

Meist nur an hohen Feiertagen wurden die bemalten Flügel aufgeschlagen, um die kostbar bemalten Skulpturen im Inneren sichtbar zu machen; gegenüber den flächigen Gemälden besaßen die vollplastischen Skulpturen einen höheren Bedeutungsgrad.

 

Die gesellschaftliche Funktion des monumentalen Bildes

Die Entwicklung der monumentalen Innenausstattungen war nicht nur durch die architektonischen Gegebenheiten der jeweiligen Kultbauten bedingt. Sowohl diese Bauten als auch ihre bildlichen Dekorationen erfahren übergeordnete symbolische und allegorische Interpretationen. In gleichem Maße waren sie Ausdruck einer kirchenpolitisch ausgerichteten Wirklichkeit. So waren beide, das monumentale Bild und sein Bildort, in höchstem Maße mit den gesellschaftlichen Bedingungen ihrer Zeit verknüpft. Wir haben es also in erster Linie zunächst weniger mit Kunstgeschichte als mit einer Bildgeschichte zu tun. Das Medium „Bild" stand in für uns heute kaum vorstellbarer Weise in der Mitte des damaligen gesellschaftlichen Lebens. Diese Bilder, ob an Textilien, Glasfenster, Mosaiken oder Fresken gebunden, waren nicht nur kunstvolle Dekorationen kirchlicher Innenräume. Sie dokumentierten, erzählten und erklärten die Gegenwart, Vergangenheit und vor allem die Zukunft ihrer Betrachter. Sie waren die Grundlage für Rechtsakte, rechtfertigten örtliche Traditionen und bildeten den sichtbaren Zugang zu den sonst transzendenten Glaubenswahrheiten. Der unvergleichlichen Rolle dieser Bilder entspricht die allmähliche Aufwertung nicht nur der durch sie vermittelten Inhalte, sondern auch des Bildobjektes selbst. Das Bild löste sich im Laufe der Jahrhunderte von seinen traditionellen Funktionen, Inhalten und Bildorten. Es wurde dadurch freigesetzt für neue Aufgaben und bekam - besonders seit dem 15. Jahrhundert - eine ausgesprochen künstlerische Dimension.

 

 

Die Verwendung monumentaler Bildsysteme im westlichen Europa war von sehr verschiedenen Gesichtspunkten geprägt. Konkurrenzdenken, die besonderen örtlichen Traditionen, die neuen geistigen Strömungen im Verlauf der Jahrhunderte sowie neue Techniken (Glasmalerei) bestimmten wesentlich die Form und die Art der Innenausstattungen kirchlicher Bauten. Besonders während des 13. und des 14. Jahrhunderts trat der bürgerliche Laie als Auftraggeber in das Licht der Bildgeschichte. Das Gewicht der monumentalen Innenausstattungen verlagerte sich zunehmend auf nicht-kirchliche Räume. In den nun entstehenden kommunalen Verwaltungsbauten erschienen ganz andere, von den bisher geläufigen Ausmalungen unterschiedliche Bildsysteme und Bildthemen. Im päpstlich-konservativen Rom herrschte der Rückbezug spätmittelalterlicher Ausstattungen auf das frühchristlich-apostolische und konstantinische Erbe vor. Dagegen orientierten sich die oberitalienischen Stadtstaaten an Vorbildern, die ihrer „modernen" republikanischen Gesinnung entsprachen. Sie waren auch offener für die neuen Bildkonzepte und die neuen Bildträger, die entweder aus dem byzantinischen Osten oder dem gotischen Frankreich "importiert" wurden.

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