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Frühchristliche Kunst
Zu Beginn des 2. Jahrhunderts n. Chr. erwähnte der römische Historiker Tacitus »eine wegen ihrer Schandtaten verhaßte Gruppe, vom Volk Christen geheißen. Christus, nach dem sie benannt werden, ist während der Regierungszeit des Tiberius vom Prokurator Pontius Pilatus zum Tode verurteilt worden; und der schändliche Aberglaube wurde für einen Moment eingedämmt, um dann wieder auszubrechen, nicht nur in Judäa, dem Ursprung des Übels, sondern auch in Rom selbst, wo alles Schreck-iiche und Schimpfliche der Welt zusammenkommt und gefeiert wird«. (>Annalen< xv, 44)

Zu seiner Zeit war das Christentum nur eine recht kleine, verstreute Sekte, die sich zum größten Teil aus Unterprivilegierten, kleinen Geschäftsleuten und Handwerkern zu zusammensetzte. Für Außenstehende mag es sich wenig von anderen orientalischen Mysterienkulten unterschieden haben, die Hoffnungen auf ein Leben nach dem Tode erweckten. Das Christentum hatte aber Eigenschaften, die zu einer Gefahr für den Staat werden konnten: Der Bekehrungseifer seiner Anhänger, gepaart mit einem absoluten Monotheismus und der Intoleranz gegenüber allen anderen Religionen, schloß jede Einordnung in den Staatskult, besonders den Kaiserkult, aus. Die Huldigung vor dem Kaiserbildnis zu verweigern, kam aber im Römischen Reich dem Hochverrat gleich. Trotz des Verbots -bei Androhung der Todesstrafe für alle seine Anhänger -und zeitweiliger harter Verfolgungen breitete sich das Christentum mit wachsender Kraft während des 2. und 5. Jahrhunderts aus. Im Jahre 305 kam es unter Diokletian zur letzten Verfolgungswelle, als man entdeckte, daß das Heer christlich unterwandert war. Dies geschah kaum zehn Jahre, bevor das Christentum durch Konstantins Mailänder Edikt legalisiert wurde (313 n. Chr.).

Die Anfänge christlicher Kunst

Ironischerweise ist das wohl älteste Bild von Christi Tod am Kreuz (2. Jahrhundert) eine Karikatur. Sie ist grob in eine Wand im Hause der kaiserlichen Sklaven in Rom geritzt: Ein Mann starrt auf eine gekreuzigte Gestalt mit Eselskopf, darunter steht in Griechisch >Alessamo betet zu Gott<. Die Christen verwendeten wohl das Kreuzsymbol, vermieden aber lange Zeit die Darstellung der Kreu igung, die eine entwürdigende Bestrafung für gemeine Kriminelle war. Bis ins späte 3. und frühe 4. Jahrhundert zögerten sie auch, Christus als Person darzustellen (es gibt einige Ausnahmen). Das Hauptdogma der Inkarnation (Menschwerdung Christi), daß Gott Christus wurde, ließ das Problem entstehen, ob Christus als Mensch dargestellt werden könne, eine Frage, die während der nächsten 500 Jahre mit wachsendem Eifer diskutiert werden sollte.

Die natürliche Vorsicht einer verfolgten Sekte mag ursprünglich die Schaffung einer geheimen Bildwelt unterstützt haben, die nur den Eingeweihten verständlich war. Die ersten Symbole der frühen Christen waren mehr semantisch als gegenständlich, einige rein wörtlich - denn das Wort überdauert das Fleisch und gehört so zur Ewigkeit. Das Chi-Rho-Monogramm zum Beispiel war nur eine Kombination der ersten beiden Buchstaben von >Christos< - >XP< auf Griechisch, der Sprache des frühen Christentums. Ein Fisch wurde als Rebus für Christi Namen genommen, da die Initialen der Gebetsformel >Jesus Christus, Sohn Gottes, Heiland< das griechische Wort für Fisch bildeten. Andere Symbole stammten von biblischen Metaphern: das Lamm von der Beschreibung Christi durch Johannes den Täufer als »Lamm Gottes, das die Sünden der Welt auf sich nimmt«. Die Worte Christi »Ich bin der gute Hirte, der gute Hirte gibt sein Leben für seine Schafe« verliehen einer alten Symbolfigur für Mildtätigkeit neue Bedeutung.

Die ersten christlichen Symbole erscheinen in der Malerei römischer Katakomben. Alttestamentarische Themen, die als Erfüllung des christlichen Glaubens verstanden wurden, überwiegen: Noah, Abraham opfert Isaak, Jonas und der Wal, drei Jünglinge im Feuerofen, Daniel in der Löwengrube. Auch Themen der römischen Mythologie tauchen auf, wenn ihnen eine christliche Interpretation zukommen kann. Die Katakkombenmalerei bezeichnet keinen Neuanfang, sondern übernimmt die Ausdrucksformen die in Gebrauch sind. Für die nächsten Jahrzehnte werden die Reliefs auf Sarkophagen zum Leitstrang der künstlerischen Entwicklung.Erst nach der Anerkennung des Christentums als Staatsreligion beginnt die Ausmalung von öffentlichen Räumen.

 

 

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