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Mittelalter ca. 750-1400

Als Übergangszeit von der Antike zum Mittelalter definiert man heute in der Regel die Zeit der Völkerwanderung vom 4. bis 6. Jahrhundert und die damit verbundene Konfrontation der Germanen mit der Kultur der Antike und dem Christentum. Allerdings bedeutete das Eindringen der Germanen in das Römische Reich nicht den völligen Untergang der antiken Kultur und ihrer sozialen und wirtschaftlichen Strukturen, wie in der älteren Forschung behauptet wird. Dort, wo das Römische Reich über Jahrhunderte prägend gewirkt hatte, blieben die alten Strukturen, Institutionen und Traditionen teilweise erhalten, denn die Germanen kamen nicht nur als Eroberer, sondern waren bereit, am Vorhandenen zu partizipieren.Mit der Kaiserkrönung Karls des Großen im Jahr 800 beginnt Erneuerung des Römischen Reiches als >Heiliges römisches Reich deutscher Nationen<.

 

Frühchristentum (etwa 200 - 600)

An die Stelle der komplizierten griechischrömischen Darstellungen treten einfache, klare und einprägsame Formen. Christus und seine Lehre sind das zentrale Thema.

Charakteristik. Vieles aus der jahrhundertelangen Tradition der heidnisch-antiken Formensprache wird in bescheidenerem Rahmen übernommen und die herkömmliche Thematik in christlichem Geist umgedeutet. Einfache Umrißzeichnungen zeigen schlicht gekleidete Menschen in ruhiger Haltung und Gebärde, mit massiven Händen, großen Köpfen und auffallend sprechenden Augen . Fisch, Kreuz, Weinstock und dgl. versinnbildlichen Glaubensinhalte.

In den großen Basiliken wird die Wandmalerei von dem dauerhafteren und ausdrucksstärkeren Mosaik verdrängt, das nicht mehr wie in heidnischer Zeit als Fußboden, sondern seiner gottesdienstlichen Aufgabe wegen als Wandoder Gewölbeschmuck dient.

Themen und Bildgattungen. Leben Christi, biblische Gestalten und Szenen, Porträts, christliche Symbole.

Material, Herstellung, Technik. Wandmalereien finden sich vor allem in den Katakomben*. Illustrationen schmücken Schriftrollen aus Papyrus*. Anfang der Buchkunst: Liturgische Bücher aus Pergament*-Blättern tragen teilweise in Gold und Elfenbein gefaßte und mit Edelsteinen verzierte Einbände. Die Blätter werden mit kostbaren Malereien in Gold, Purpur und anderen Farben geschmückt. Bei den Wandund Gewölbemosaiken wird Goldgrund bevorzugt.

Karolingische Kunst (etwa 750 - 900)

Das Bemühen Karls d.Gr., das römische Reich in bescheideneren germanischen Maßstäben unter fränkischer Herrschaft zu erneuern, führt zu einer teilweisen Übernahme des antiken Kulturerbes unter Einbeziehung germanischer Formvorstellungen (karolingische Renaissance).

Charakteristik. Abgesehen von einigen wenigen, bruchstückhaft erhaltenen Wandbildern beschränkt sich die überlieferte karolingische Malerei auf Buchillustrationen. Mit der Buchherstellung befaßte Mönche malen in Anlehnung an spätantike und byzantinische Vorlagen tiefenräumlich. Ein erregter, zügiger Rhythmus, der bisweilen die Umrißlinie in fasrige Striche auflöst, vereint die Bildgegenstände . In lebhaften Handlungsschilderungen sind Personen zu rhythmisch-bewegten Gruppen zusammengeschlossen . Germanische und keltische Uberlieferungen äußern sich in kraftvollen Linienornamenten, verschlungenen Tierleibern und ineinander verschränkten Dämonen . Flechtband-Ornamente* können Figuren umschließen, die dem antiken Formenschatz entnommen sind. Initialen sind gelegentlich in seitenfüllenden Linien-Ornamenten gestaltet.

 

Ottonische Kunst (etwa 900 - 1025)

Hatten die Künstler der Karolingerzeit die Naturnähe der Antike bevorzugt, so setzt sich in der Ottonik das Formgefühl der Germanen stärker durch.

Charakteristik. In ottonischer Zeit gelangt die Buchmalerei zu einem künstlerischen Höhepunkt. Ihr bezwingender Eindruck beruht auf festen Umrissen, flächiger Farbigkeit mit wenigen Glanzlichtern und ausdrucksstarken, sparsamen Gebärden. Durch weitgehenden Verzicht auf die Illusion von Körper- und Raumhaftigkeit wird die Gebärdensprache noch unterstrichen. Die Landschaftskulissen der karolingischen Buchmalerei werden durch einheitliche, flache Bildgründe abgelöst. Die Farbe dient nicht ausschließlich der Gegenstandscharakterisierung, sondern kann auch eine sinnbildliche Bedeutung haben. So kennzeichnet z. B. ein Gold- oder Purpurgrund das Uberirdische, den Himmelsbereich. Grundlage der Komposition ist ein beherrschtes, sparsames Linienspiel, das vor allem in den wenigen, stilisierten Falten der

Gewänder zu kunstvoller Wirkung kommt. Die Größenverhältnisse werden mehr von Bedeutung und Gewicht als von der natürlichen Gestalt bestimmt. Deshalb werden der Weltenherrscher am größten, Engel und Menschen jeweils kleiner oder Kaiser und Fürsten größer als deren Untergebene dargestellt .

Themen und Bildgattungen. Biblische, gelegentlich auch weltliche Themen.

Material, Herstellung, Technik. Die hervorragendsten Werke der Buchmalerei sind das Evangeliar Kaiser OTTOS III. (983-1002) und das Perikopenbuch Kaiser HEINRICHS II. (1002-1024). Beide Bücher sind im Kloster Reichenau (Bodensee) geschaffen worden. An Wandgemälden sind nur spärliche Reste erhalten.

Gotik (etwa 1150 - 1500)

Abgesehen von den Glasfenstern französischer Kathedralen erreicht die gotische Malerei erst in dem Florentiner Freskomaler Giotto di Bondone (um 1266-1337) mit einer zeitlichen Verzögerung von etwa 100 Jahren gegenüber Baukunst und Plastik ihren Höhepunkt. Während die entscheidenden Anregungen für die gotische Baukunst von Frankreich ausgegangen sind, übernimmt in der Malerei Italien die Führung.Giotto verbindet die erlernte byzantinische Malweise mit der ihm eigenen genauen Beobachtungsgabe; er beginnt zu malen, was er sieht. In der Nachfolge Giottos bildet sich im 14.Jahrhundert in Florenz, Siena und Pisa ein gotischer Malstil heraus, der auch die Malkunst nördlich der Alpen beeinflußt. Die Gotik endet in Nord und Süd unterschiedlich: Während sich in der ersten Hälfte des 15.Jahrhunderts in Italien bereits die Frührenaissance durchsetzt, kommt im Norden die Spätgotik zur Blüte.

Charakteristik. Die Maler wenden sich der Wirklichkeit zu; sie beobachten mit wachsendem Interesse die vielfältigen Lebensäußerungen ihrer Umwelt. Die Menschen werden in natürlich-bewegter Haltung und körperhaft dargestellt. Sie zeigen persönliche Eigentüm,lichkeiten; ihr Mienenspiel und ihre Gebärdensprache geben Gefühlsregungen wirklichkeitsnah wieder. Sie stehen nicht unvermittelt nebeneinander, sondern wenden sich einander zu. In Italien, später auch nördlich der Alpen, werden lockere Personengruppen als Teil einer lebhaften Gesamthandlung aufeinander bezogen.

Durch die Verlegung des Geschehens in die untere Bildhälfte wird das Bild der Raumerfahrung des Betrachters angeglichen. Das Bild wirkt wie eine Fortsetzung des Raums, in dem sich der Betrachter befindet .

Der flache Hintergrund romanischer Bilder wird durch zunehmend wahrnehmungsgetreuere Raumdarstellungen (Innenraum, Landschaft, Stadtansicht) abgelöst. Die göttlichen Personen und Maria werden im Tafelbild allerdings vielfach auch weiterhin vor einheitlichem, flachem Goldgrund dargestellt, der glatt oder punziert sein kann und schließlich als gemusterte Goldtapete, -teppich oder -vorhang den Raumabschloß bildet .

Voraussetzung für den zunehmenden inhaltlichen Reichtum der Bilder ist eine immer feinere hell-dunkle Farbabstufung, die erst mit den Ö1farben möglich geworden ist. In der Folge verliert die reine (ungemischte) Farbe an Bedeutung.

Gemeinsames Merkmal spätgotischer Malerei im nordalpinen Europa ist die ausschnitthafte Darbietung des Geschehens, in dem ausschmückende Einzelheiten (u.a. Spruchbänder, Leuchter) besonders herausgearbeitet werden . Diese Einzelheiten sind im Zusammenspiel mit kurzen gebrochenen Richtungsgebungen (u. a. Falten, Deckenbalken) wichtige Teile der Komposition.

 

Themen und Bildgattungen. Es herrschen biblische Darstellungen und solche aus dem Leben der Heiligen vor, unter zunehmender Berücksichtigung der profanen Umwelt: höfisches Leben mit Jagd, Turnier, Minnesang; das Leben in den Jahreszeiten.Gebrauchskunst (Spielkarten, Kalender, Andachtsblätter).Als neue Bildgattung setzt sich das Porträt durch.

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