<<


Bild-PRAXIS
::::::::::::Handzeichnung : Linie, Fläche / Format / Proportion / Komposition / Bildraum / Farbe / Material / Drucktechniken / Bild-Dateiformate

Naturalismus / Idealismus / Surrealismus / Allegorie / Abstraktion / Expression / Symbol

Bastelbögen / Technische Medien / x-world / mathematische-basteleien /

 

Über unseren Partner School -Scout.de haben Sie Zugriff auf Unterrichtsmalerialien

Links: www.kunstschule-digital.de

Die Handzeichnung

 

Nicht nur Grafiker und Künstler machen Handzeichnungen. Der Junge, der auf die staubige Karosserie des Autos schreibt; der alte Mann auf der Bank, der mit der Spitze seines Spazierstocks allerlei Figuren in den sandigen Weg zeichnet; das kleine Kind, das die Fläche des feuchten Sandes zum Eingraben von Fingerspuren nützt — sie alle betätigen sich als Handzeichner.

Linienhaftes Zeichnen ist bei den meisten Menschen die erste bildhafte Äußerung im Kindesalter. Auch in der Menschheitsentwicklung steht die Zeichnung oder Ritzung am Anfang aller bildhaften Gestaltungen. Das zeigen Funde der Höhlenmalerei sowie die Gravuren in Geräten und Kleinplastiken, die in der frühen Jungsteinzeit geschaffen wurden. Man geht in der Kunstwissenschaft heute davon aus, daß der Anstoß dazu durch Kratzspuren ausgelöst wurde, wie sie von Höhlenbären beim Wetzen der Klauen im Kalkstein hinterlassen worden sind. In der Nachahmung solcher Spuren sollen die Menschen den Reiz des freien Linienspiels erfahren haben. Dann jedoch haben sie auch den Ausdruckswert li-nienhafter Formen erkannt und für die anschauliche Darstellung wichtiger Ereignisse (z. B. Jagdszenen) angewandt.

Jeder von uns greift heute ganz selbstverständlich zum Bleistift, wenn es darum geht, etwas zu entwerfen oder anhand einer Skizze zu klären. Dabei verwendet man Linien, die es in unserer sichtbaren Wirklichkeit eigentlich gar nicht gibt. Man bedient sich vielmehr einer abstrakten Formensprache. Und diese ist eine eigenwillige, geistreiche Erfindung des Menschen der Jungsteinzeit.

Die Handzeichnung ist seit dem 15. Jahrhundert eine selbständige künstlerische Ausdrucksweise. Wir verstehen sie als originale, einmalige, endgültige Form, in der vorwiegend linienhafte Elemente angewandt sind. Außerdem dient die Handzeichnung als Entwurf, etwa für Malerei und Druckgrafik, für Architektur und Technik. Doch ist sie als eigenwertiger Gestaltungsbereich bis in die Gegenwart zu verfolgen. Handzeichnungen werden in unterschiedlichen Verfahren und mit verschiedenen Materialien ausgeführt, z. B. mit Feder, Pinsel und Kreide. Wir finden sie als Einzelkunstwerk, als Bildfolge,häufig zur Illustration von Text in Zeitschriften und Büchern, für Werbung und Tagespresse (z. B. als Karikatur).

Punkt, Linie

So wie eine Sprache ihre Laute und ihre Schriftzeichen hat, besteht jeder bildhafte Ausdruck aus Formelementen. Es sind dies: Punkt, Linie und Fläche. Der Punkt ist der Ort, die Linie bezeichnet den Weg.

Führt man den Punkt weiter, entwickelt er sich zur Linie, ob nun mit geradem, eckigem oder gebogenem Verlauf.

Der Linie wohnt ein zeitliches Element inne, denn ihre Wahrnehmung erfordert Zeit und Bewegung.

Paul Klee schlug vor, drei Arten von Linien zu unterscheiden: die »aktive«, die »mediale« und die »passive« Linie. Die aktive Linie bewegt sich zwischen zwei Punkten, die mediale Linie erzeugt eine (passive) Fläche, die passive Linie entsteht aus einer (aktiven) Fläche. Klee sprach den Formen emotionale Energie zu. Die Richtungen von Linien haben Auswirkungen auf den Betrachter. »Richtungskräfte sind ganz ungewöhnlich stark«,erklärte Itten.

Eine Horizontale wird als liegend empfunden, eine Vertikale als stehend. Beide sind eher statisch, unbewegt, wobei die Senkrechte labil zu wirken beginnt, sobald sie etwas aus dem Lot gerät. Eine Diagonale dagegen wirkt dynamisch.

Selten liegt nur eine Richtung vor, oft kommt es zu Richtungswechseln oder Richtungskontrasten.

Die meisten Kunstwerke haben »Richtungsdominanzen«, die sich aus dem Zusammenspiel verschiedener Richtungen ergeben und über die Wirkung - statisch, labil oder dynamisch -entscheiden.

Die Linie als Umriß

Zu Lebzeiten Dürers und später nannte man diejenigen Künstler, die in den Werkstätten der großen Meister zeichnerische Entwürfe machten, die „Reißer". Wir finden den Wortstamm noch heute in Begriffen wie Reißbrett, Reißzeug, Reißnagel. Mit dem Umriß zeichnet man einen Gegenstand und grenzt ihn durch die Linie gegen die Umgebung ab (Flächengrenze). Das gilt für den Gegenstand als Ganzes und für seine Teile.

Die Linie als Form für einen Gegenstand.

Bei vielen Zeichnungen steht die Linie für den Gegenstand zB. eine Speiche selbst. Die Linie dient hier zur Gegenstandsbezeichnung.

Linie als Bewegungsspur. Speedlines , siehe Manga-Zeichnungen und Comics

Linien können eine Fläche bilden. Das Gras läßt sich entweder in Büscheln mit einer Folge von kurzen Strichen darstellen. LInien können auch in dekorativer Anwendung Flächen füllen.


Fläche

 Einige Flächenformen sind benennbar: Rechteck, Rhombus, Oval etc., andere wiederum sind hierfür zu komplex oder gar »amorph« (ohne eindeutige Gestalt). Einige Formen gelten als »elementar« . Johannes Itten erläutert: »Die am besten fassbare, bestimmbare Form ist die geometrische, deren Grundelemente der Kreis, das Quadrat, das Dreieck sind.« Wassily Kandinsky ordnete diesen Formen aufgrund von empirischen Untersuchungen die drei Primärfarben zu und entwickelte aus ihnen die korrespondierenden stereometrischen Grundformen Pyramide, Kubus und Kugel

Viele Künstler versuchten, den Charakter dieser Formen zu ergründen. Itten beispielsweise sah im Quadrat »Ruhe, Tod, schwarz, dunkel, Rot«, im Dreieck »Heftigkeit, Leben, weiß, hell, Gelb«, und im Kreis »Gleichmaß, unendlich, ruhig, immer Blau.«

Solche Zuschreibungen sind jedoch wenig verbindlich und ändern sich je nach den Kulturkreisen, Epochen und Individuen, die sich mit ihnen beschäftigen.

vgl. auch "Grundkurs Kunst" , Schroedel Verlag

Meist ist uns gar nicht bewußt, daß wir uns täglich in vielen Situationen von flächigen Figuren informieren und leiten lassen. Es geschieht überall dort, wo vielen Personen schnell wichtige Hinweise gegeben werden: im Verkehr, in öffentlichen Gebäuden, bei Behörden oder in privaten Unternehmen. Man hat dazu anschauliche Bildzeichen, sogenannte Piktogramme, entwickelt. Die Figuren sind dabei als einfarbige Flächen, als Silhouetten dargestellt. Sie sollen ohne eine Binnenzeichnung verstanden werden. Daher ist es erforderlich, die Silhouette in möglichst typischer Weise zu formen. Besonders wichtig ist dabei die Ansicht, in der eine Person, ein Tier oder ein Gegenstand dargestellt werden soll. Bei einem großen Teil der abgebildeten Piktogramme und Verkehrszeichen ist die Seitenansicht gewählt. Mit ihr vor allem gelingt eine klare Aussage über Bewegung und Gebärde, etwa bei den gehenden Kindern.

Soll die Form nicht auf die einfache Silhouette beschränkt bleiben, so wird man die Fläche durch eine Binnenzeichnung gliedern. Man kann damit Teilformen voneinander abheben oder Einzelheiten hervorheben, die im Umriß nicht erfaßt werden können. Am einfachsten wird dies mit Linien erreicht, doch lassen sich Einzelteile auch als Fläche aussparen. Die Darstellung der Musiker — von einem Schüler in Linoleum geschnitten — zeigt den Versuch, eine Fläche allein durch Linien zu gliedern.

Flächige Formen lassen sich auch über Farbverläufe strukturieren oder Binnenzeichnung ( oder Ornament) besitzen.

 

Text, siehe auch "Grundsteine der Bildenden Kunst" , Klett Verlag,1979

 


Druck- Vervielfältigungstechniken

Hochdruck (Druckstock mit erhöhtem Bildmotiv)
Holzschnitt: Druckstock aus Langholz mit liegender Faser. Motiv bleibt stehen, wird mit Konturmesser und V-förmigem Geißfuß freigelegt; nichtdruckende Stellen werden mit U-förmigem Hohleisen vertieft.

Druckvorgang beim Holzschnitt: Durch Handabrieb (mit Reiber oder Falz-Dein) oder in Handpresse; Papier wird auf liegenden Druckstock aufgelegt; Fettdruckfarben. Künstlerische Anwendung; Einzelblätter, Bildserien, Buchillustration.

Holzmodel: Stempeldruck auf liegenden Materialien.

Holzstich (Xylografie): Druckstock aus Stirnholz mit stehender Faser (z. B. Birnbaum, Buche). Motiv wird mit Sticheln freigelegt, siehe Dürer.

Linolschnitt: Druckstock aus Linoleum oder anderem schneidbarem Material (Gummi, PVC).Druckvorgang beimLinolschnitt: Wie bei Holzschnitt. Druck auch mit wasserlöslichen Druckfarben möglich, siehe Picasso.

Klischee: Motiv wird fotografisch auf Metallplatte übertragen; nichtdruckende Stellen werden weggeätzt.Druckvorgang erfolgt beim Maschinendruck mit Buchdruckfarben. Anwendung in der Industrie für größere Auflagen (Anzei-aen. Zeitunaen. Zeitschriften).


Tiefdruck (Druckstock mit vertieftem Bildmotiv)

Radierung: Kaltnadelradierung — Motiv wird mit stählernen Radiernadeln in Kupfer- oder Zinkblech eingeritzt. Ätzradierung — Motiv wird in Platte gezeichnet, die mit einer säureabweisenden Schicht überzogen ist. Die Zeichnung wird im Säurebad in die Platte eingeätzt.

Druckvorgang bei der Radierung: Druck in Zylinderpresse mit zäher („kurzer") Fettdruckfarbe auf leicht angefeuchtetes, saugendes Papier; Papier wird auf liegenden Druckstock aufgelegt. Erfindung zur Zeit des Barock, siehe Rembrandt.

Kupferstich: Motiv wird mit Stahlsticheln in Kupferplatte gestochen, wobei die Linien ausgehoben werden. Druckvorgang beim Kupferstich: Wie bei Radierung, siehe Dürer.

Stahlstich: Motiv in Stahlplatte.Stahlstich: Maschinendruck mit Spezialfarben. Anwendung bei kleineren Auflagen (Ornament, geprägte Schrift)

Kupfertiefdruck: Motiv wird fotografisch in Rasterpunk1-te zerlegt und auf Kupferplatte übertragen. Tiefätzung der Rasterpunkte durch chemische Bearbeitung. Kupfertiefdruck: Maschinendruck mit Kupfertiefdruckfarbe. Anwendung bei Massenauflagen.


Flachdruck (Bildmotiv und Grund in einer Ebene)

Steindruck/Lithographie: Motiv wird mit fetthaltiger Kreide oder Tusche auf Solnhofer Kalksteinplatte gezeichnet. Chemische Bearbeitung des Steins bewirkt, daß beim Druck nur die Zeichnung fetthaltige Farbe annimmt, die nichtdruckenden Stellen die Farbe abstoßen. Erfindung genutzt zur Zeit des Impressionismus, siehe Toulouse-Lautrec und Picasso.Druckverfahren beimSteindruck/Lithographie: Handdruck in Reiberpresse. Das auf der Kalksteinplatte liegende Papier gleitet bei hohem Druck unter einer Hartholzleiste hindurch, die mit Leder gepolstert ist. Pressendruck in Flachdruckpresse. Künstlerische Anwendung.

 

Offsetdruck: Meist fotografische Übertragung der Bild-und Textvorlagen auf Aluminium- oder Zinkplatte. Chemische Bearbeitung wie bei Lithographie. Druck in Flachdruckpresse über Gummituch als Zwischenträger. (Das Gummituch bewirkt, daß das Motiv nicht spiegelverkehrt wiedergegeben wird.) Bedeutendstes Druckverfahren der Gegenwart für Massenauflagen.


Durchdruck (Bildmotiv wird durch Schablone gedrückt)

Siebdruck: Schablone aus festem Gewebe (Kunstfaser, Metall). Motiv wird heute meist fotografisch übertragen, speziell entwickelt und dadurch im Gewebe ausgespart.Druckverfahren beim Siebdruck: Zähe, dickflüssige Farbe wird von Hand (Abb. links) oder maschinell mit Gummirakel durch die Schablone auf Papier (Abb. rechts) oder Gegenstand gestrichen. Künstlerische Anwendung; Industriedruck für kleinere Auflagen; Bedrucken von Fertigteilen und Materialien, die nicht in den anderen Verfahren bedruckt werden können.Erfindung wird genutzt seit ca 1960, siehe Andy Warhol.

 

 

kunstwissen.de

 
>