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Qualität spielt in der Kunst keine Rolle

Heinz Peter Schwerfel, 44, Kunstkritiker und Filmemacher, ist seit September 1998 ART-Redakteur

Qualität spielt beim Umgang mit zeitgenössischer Kunst keine Rolle. Weil es objektive Kriterien von Qualität nicht gibt und nie gegeben hat. Vielleicht malten die Italiener ja wirklich schön, die Deutschen nur häßlich und die Franzosen elegant-jedenfalls bekam jede Malschule ihren Platz in der Kunstgeschichte, nicht nur die angeblich qualitativ beste.

 Qualität gibt es nur in der Mehrzahl, und da sind es schlicht die Eigenschaften eines Kunstwerks, die es zur Kunst machen. Die scheinbar objektiven Qualitätsmerkmale des konservativen Volksmundes aber - handwerkliche Meisterschaft, formale Innovation, ideologischer Konformismus - sind spätestens seit Marcel Duchamp nicht nur verlogen, sondern lachhaft geworden. Deshalb: Schluß mit Urteilskrücken, die den Umgang mit aktueller Kunst nur erschweren. Das komplexe Zusammenspiel von Form und Inhalt, Innovation und Tradition, Schönheitskanon und gesellschaftlichem Kontext, das jedes interessante Kunstwerk ausmacht, zuzüglich der vom Philosophen Roman Ingarden erläuterten, vor allem subjektiv und emotional konditionierten „ästhetischen Erfahrung" - dieses immer wieder faszinierende Spiel der Kunst sprengt den Rahmen eines noch so schwammigen Qualitätsbegriffs. So leicht wollen die Künstler es uns nicht machen. Rechthaben sie.

Heinz Peter Schwerfel -Jan 1999

kunstwissen.de

 
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