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Die Architektur der
Renaissance (1420-1550 )
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Die Renaissance ging von Italien aus, befördert durch die dortigen wirtschaftlich-kulturellen Bedingungen. Bald wird auch die latente Abneigung der Romanen gegen die Gotik deutlich beim Namen genannt: >Verflucht sei diese Pfuscherei; nur Goten konnten sie nach Italien bringen <, schreibt Filarete 1460. Vasari verleiht dieser "Barbarenkunst" den Spottnamen "stilo gotico". Er erinnert damit an die Goten der Völkerwanderungszeit. Zunächst bezieht sich die Reanissance auf römische, dann aber auch griechische, hellenistische und byzantinische Vorbilder.
Das ethische Ziel der Renaissance ist auf Vollendung der in sich geschlossenen Persönlichkeit gerichtet. Allgemein wird als seine bauliche Entsprechung der zentrale Rundbau angesehen, der den Eingetretenen in seiner Mitte stille stehen läþt, so dass er, von allen Seiten gleichmässig umfangen, die Harmonie einer in sich ruhenden Vollendung erlebt" (H. Weigert). Im zentralen Kuppelbau sind die horizontalen und vertikalen Kräfte harmonisch ausgeglichen: Die Waagerechten laufen in sich selbst zurück, die Senkrechten sammeln sich in der Rundung der Kuppel.
Die Idealform des Sakralbaus ist für die grossen Theoretiker der überkuppelte Zentralbau, wenn auch die kultische Praxis meist kompromisshafte Langhausbauten daraus macht. Die Kuppel ruht gewöhnlich auf einem Tambour und ist von einer Laterne bekrönt. Die in der Gotik weitgehend aufgelösten Wände werden wieder geschlossen. Die gliedernden und schmückenden Elemente werden in der Hochrenaissance zu in sich ruhenden Formen ohne Höhendrang. Rechteck und Kreis dominieren. Rippe und Spitzbogen sind verbannt. Holzdecke, Tonnengewölbe und Kuppel werden in Kassetten unterteilt. Die Fenster werden in der Frührenaissance rundbogig, in der Hochrenaissance waagerecht abgeschlossen (seit etwa 1500) und mit Dreiecks- oder Segmentgiebeln verdacht. An die Stelle des spätgotischen Pfeilers ohne Basis und Kapitell treten die klassischen Säulenordnungen: dorisch, ionisch, korinthisch, komposit, die dem Mass des Menschen entsprechen und ihm in der Folge von Basis = Fuss, Schaft = Leib und Kapitell = Haupt ein Gleichnis sind. Körperhaft wird auch die Fassade: In zunehmendem Maße wird sie mit Säulen und Pilastern, mit Rustika- und Spiegelquadern, Risaliten, Vorhallen und Verkröpfungen durchgebildet. An die Stelle des Mystischen, Jenseitigen, Heiligen des gotischen Raumes tritt das festlich überhöhte Diesseitige.
Die ersten Zentralbauten der Renaissance sind die "Alte Sakristei " bei San Lorenzo, und die "Pazzi-Kapelle" an Santa Croce, beide in Florenz und von Brunelleschi (1377-1446). Filarete (140069), Alberti (1404-72), Bramante (1444 1514) und Leonardo (1452-1519) haben zahlreiche Entwürfe für Zentralbauten gemacht. Das griechische Kreuz, das Quadrat, der Kreis und ihre Durchdringungen sind wichtigste Bestandteile des Grundrisses. Bramantes >Tempietto< in Rom ist die Musterleistung der Rundkapelle, Santa Maria della Consolazione in Todi-, ein Werk seiner Schüler,in denen sich die Idealform aus Quadrat und Kreisen durchsetzt.
Der Langbau wird in der Renaissance immer neben dem Zentralbau gepflegt. Die Vorliebe der Theoretiker für den Zentralbau kann nur selten in gröþeren Gemeindebauten verwirklicht werden (Todi), denn die liturgischen Bedürfnisse verlangen meist den Langbau. Die zahlreichen Kompromiþlösungen führen zu 3 Bauprinzipien:
zu 2: Die für die Zukunft bedeutsamste Lösung ist Albertis Entwurf für Sant'Andrea in Mantua*. Die bisher üblichen Seitenschiffe werden durch Kapellen ersetzt, die unverbunden, also nur vom Mittelschiff her zugänglich sind. Offene und geschlossene Joehe wechseln einander ab (a-b-aSchema, vgl. Längsschnitt Venedig). Diese Lösung wird zum Vorbild für Gesu die ihrerseits das System zahlreicher Barockkirchen festlegt.
Architekten
FILIPPO
BRUNELLESCHI (1377-1446). Die Hauptwirkungsstätte dieses
bahnbrechenden Baumeisters der italienischen Frührenaissance
ist seine Heimatstadt Florenz (Abb.291). Er überbrückt
die gewaltigen Pfeilerabstände der Vierung des Florenzer Doms
durch Trompen* und errichtet darauf eine achteckige Kuppel mit
selbsttragenden Doppelrippen.
LEONE BATTISTA ALBERTI (1407-1472) ist Baumeister, Dichter, Musiker, Maler und Kunstschriftsteller (u.a. Schriften zur Proportionslehre und zur Perspektive). Sein Palazzo Rucellai in Florenz (um 1460) ist ein einfach gegliedertes Bank- und Handelshaus. Klobiges Quadermauerwerk (die sog. Rustika*) ist zwischen Pilaster* und Gesims* geschichtet. Die dorischen, ionischen und korinthischen Kapitelle* folgen der spätrömischen Schaufassade (Abb.293).
DONATO BRAMANTE (1444-1514) entwirft den später mehrmals abgeänderten Grundriß für den Neubau des Petersdoms in Rom (1506) und schafft in der Kirche Santa Maria della Consolazione in Todi (begonnen 1508) einen Zentralbau auf kleeblattförmigem Grundriß. Dem kuppelüberwölbten Kubus sind an allen vier Seiten Apsiden angefügt (Abb. 294).
ANDREA PALLADIO (1508-1580). Seine Bauten finden sich in Venedig, Vicenza und Umgebung und an der Brenta. Palladios Baukunst, die auf dem Studium des altrömischen Baumeisters Vitruv und der Vermessungantiker Bauten beruht, beeinflußt maßgeblich die Architektur der folgenden Jahrhunderte, insbesondere in England und den USA.