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Mendelsohn, Erich (21.3.1887 in Allenstein (Ostpreußen) - 15.9.1953 in San Francisco

Mendelsohn studierte in Berlin und München. Mit den Skizzen, die er während des Ersten Weltkrieges anfertigte, gehört Mendelsohn zu den frühesten Vertretern des Expressionismus in der Architektur. Diese Zeichnungen zeigen eine große Dynamik in der Fassadenführung. Bekannt wurde er durch den Bau des Einsteinturmes. Bei den Bauten für gewerbliche Auftraggeber (Mossehaus Berlin mit Neutra, Kaufhäuser Schocken in Stuttgart und Chemnitz) beruhigten sich diese Formen. Nach seiner Emigration 1933 errichtete Mendelsohn in Großbritannien den De La Warr Pavilion (Bexhillon-Sea 1934-1935) und zeitgleich bereits Bauten für Palästina, wohin er 1939 zog (ab 1936 Universität in Jerusalem). Wegen mangelnder Aufträge siedelte er 1941 in die USA über, doch hatte er auch dort zunächst keinen Erfolg. Erst ab 1946 (St. Louis) konnte er verschiedene Gebäude für jüdische Gemeinden errichten.

Der Einsteintrum in Berlin:

Mendelsohn hatte keinen Auftrag für den Bau, sondern Ideen und Skizzen, die ihn durch persönliche Kontakte zur Umgebung von Albert Einstein die Möglichkeite gaben dieses Turmteleskop mit Labor zu bauen. Mendelsohn nahm sich alle gestalterischen Freiheiten: gerundete Gebäudekanten, eingeschnittene Wandungen, kantig gebrochene Fensterrahmen, skulpturale Wasserspeier ( viel später von Le Corbusier in Ronchamp verwendet). Konzipiert hatte er den Turm als eine Stahlbetonkonstruktion. Der Beton als Füllbaustoff stellte die Geschlossenheit der Flächen her, bot dem Auge Halt und dem Tastsinn das Gefühl einer greifbaren Körperhaut. Vor allem aber ließ sich mit dem Beton der Charakter des Rein-Technischen vermeiden ,sondern organisch gestalten. Das Primat des technischen hielt Mendelsohn für unverträglich mit einem Kunstwerk. hielt Leider wurde der Einsteinturm, dieses Monument des Betons und seiner plastischen Möglichkeiten, nur zum Teil in Beton errichtet. Wegen eines Engpasses in der Zementlieferung mußte der Turm in Ziegelstein aufgeführt und mit einer Betonschicht überzogen werden.

Der Bau entfaltet ein dramatisches Spiel von Licht und Schatten - Licht, das auf den gekrümmten Außenflächen moduliert wird. Kein anderes Bauwerk der Epoche lädt derart zu anthropomorphen Charakterisierungen ein, weil im Baukörper eine organische Gestalt realisert wurde. Mendelsohn hat der Einsteinschen Forschung, nicht in ein technoides Symbol gesetzt , sondern in ein Sinnbild organischer Gestalt. Er schuf kein Labor, sondern ein Denkmal.


frei nach Wolfgang Pehnt

kunstwissen.de

 
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