<<


Antonio Sant'Elia ( 1888-1916 )

* geboren in Como, Italien - gestorben in Monfalcone, Italien

Im Jahre 1914 entstand unter dem Einfluß von Marinetti ein Manifest zur futuristischen Architektur", unterzeichnet von dem italienischen Architekten Antonio Sant'Elia. Dieser wandte sich gegen das "unglaubliche Gemisch" von Stilmerkmalen und für eine Architektur die von den vergangenen Stilmerkmalen gereinigt ist. "Ein Rennwagen ist schöner als die Nike von Samothrake", proklamierte der Dichter Filippo Tommaso Marinetti schon im Jahre 1909 und forderte eine "futuristische" Kunst, die dem Zeitalter von Maschine, Schnelligkeit und Dynamik Ausdruck verleiht.

Sant Elia wandte sich gegen die Architektur des Historismus und wollte eine "futuristische Stadt wie einen riesigen lärmenden Bauplatz erbauen, beweglich und dynamisch in all ihren Teilen, ... wie eine gigantische Maschine". Sant'Elias Stadt sollte von keinem Stil geprägt sein, sondern sich in einem Prozeß ständiger Erneuerung befinden. Er forderte den Verzicht auf Ornamentik und Detailform zugunsten konzentrierter Massen und zeichnete seine monumentalen Bauten wie Skulpturen
Sant Elias Architektur ist jedoch nicht sachlich, sondern verherrlicht die Technik und der Industrie als energetische Zentren der Kultur, so sricht man von "Ausdrucksarchitektur" bei den Werken Sant'Elias. Es deutet sich eine Nähe zum Expressionismus an, der die Maschine allerdings verteufelte. Sant'Elia dagegen machte sich sogar eine mehrgeschossige Verkehrsabwicklung zum Ziel. Aufgrund seines frühen Todes konnte er jedoch keines seiner Projekte verwirklichen. Der folgende Text zitiert aus Sant'Elias Manifest.

Ich
bekämpfe und verachte:

1. die gesamte avantgardistische Pseudo-Architektur österreichischer, ungarischer, deutscher und amerikanischer Herkunft;
2. die ganze klassische, feierliche, hieratische, bühnenhafte, dekorative, monumentale, elegante und gefällige Architektur;
3. die Einbalsamierung, den Wiederaufbau und die Nachahmung antiker Denkmäler und Paläste;
4. die senkrechten und horizontalen Linien, die Formen des Kubus und der Pyramide, die statisch, schwerfällig und drückend sind [ ... 1
;
5. die Verwendung von massiven, voluminösen, dauerhaften, veralteten und kostspieligen Baustoffen;

und proklamiere:

1. daß die futuristische Architektur die Architektur der Berechnung, der verwegenen Kühnheit und der Einfachheit ist; die Architektur des Eisenbetons, des Eisens, des Glases, des Kunststoffs, der Textilfaser und all jener Ersatzstoffe für Holz, Stein und Ziegel, mit denen man die größte Elastizität und Leichtigkeit erreichen kann;
2. daß die futuristische Architektur deshalb keine trockene Mischung von Brauchbarkeit und Zweckdienlichkeit ist, sondern daß sie Kunst bleibt, also Synthese, Ausdruck;
3. daß die schrägen und die ellipsenförmigen Linien dynamisch sind und auf Grund ihrer Natur eine emotive Potenz besitzen [ ... )
;
4. daßdiealsZutatzurArchitekturverstandeneDekorationeinWidersinn ist [ ... );
5. daß wir, die wir materiell und geistlich künstlich sind, unsere Inspiration in den Elementen der völlig neuen mechanischen Welt finden [ ... );
6. daß die Architektur nicht länger die Kunst ist, die Gebäudeformen nach vorher bestimmten Kriterien anordnet;
7. daß unter Architektur die Anstrengung zu verstehen ist, frei und sehr kühn die Umwelt mit dem Menschen in Einklang zu bringen [...]; 8. daß aus einer so verstandenen Architektur keine gewohnheitsmäßige Form- und Linienführung entstehen kann, denn die Grundeigenschaften der futuristischen Architektur werden Hinfälligkeit und Vergänglichkeit sein. Die Häuser werden kurzlebiger sein als wir. Jede Generation wird sich ihre eigene Stadt bauen müssen.


Antonio SantElia, 1914

kunstwissen.de

 
>