<<
Der International Style - Architektur des 20. Jahrhunderts
Le Corbusier "Dom-ino", Bausystem aus armiertem Beton , 1915

::::::::::::::

:::

::::::

In der Zeit um den 1. Weltkrieg wenden sich die Architekten ADOLF Loos, WALTER GROPIUS, MIES VAN DER ROHE, LE CORBUSIER u. a. kompromißlos vom Jugendstil und vom Historismus ab. Sie wollen der Industrie- und Großstadtgesellschaft angemessene, äußere Lebensbedingungen schaffen, indem sie zweckmäßige und funktionsbestimmte Bauten entwerfen, mit Wohnungen die fließendes Wasser, Zentralheizung und Bad und Toilette in einer abgeschlossenen Wohnung haben. Diesen international Verbreitung findenden Baustil kennzeichnen Blockformen, weite, oft in durchgehenden Streifen angeordnete Fenster und einfacher Verputz ohne Verzierungen. Art und Beschaffenheit der Baumaterialien bleiben weitgehend erkennbar. Die neuen Baustoffe Beton, Eisen und Glas, die allgemein Verwendung finden, erhalten künstlerischen Eigenwert. Skelettartige Konstruktionen aus Stahl und Stahlbeton bilden das Gerüst für nichttragende Wände aus Naturstein, Ziegel, Glas, Holz, Leichtmetall- oder Kunststoff-Fertigteilen. Gropius verlagert an der 1914 entworfenen Fagus-Fabrikhalle bei Hannover erstmals alle tragenden Bauelemente in das Innere des Gebäudes und kann dadurch die Außenwände fast ganz aus Glas gestalten (courtain wall).

Geistiges Zentrum der neuen Architektengeneration ist das von Gropius 1919 in Weimar gegründete Bauhaus, das auf ein enges Zusammenwirken der Malerei und Bildhauerei mit der Architektur ausgerichtet ist und neuartige Lehrprogramme für funktionales Bauen entwickelt. Gropius wendet sich gegen die gedankenlose Verwendung überlieferter Formen. Kunst und Industrie sollen sich gegenseitig befruchten. Die Industriegesellschaft soll eine ihr angemessene künstlerische Ausdrucksweise finden. Gropius ist überzeugt, daß sich Kunst nicht lehren läßt, wohl aber die handwerkliche Technik und die geistigen Voraussetzungen gestalterischen Tuns. Die in Vorlehre, Werklehre, Formlehre und Baulehre gegliederten Lehrprogramme verbinden daher die künstlerische mit einer praktischhandwerklichen Ausbildung. Der Studierende wird bei einem Handwerksmeister und einem Künstler ausgebildet.

Das Bauhaus wird 1933 - nachdem es 1925/ 26 nach Dessau, 1932 nach Berlin übergesiedelt ist - »als Brutstätte des Kulturbolschewismus« geschlossen. Die von den Nationalsozialisten zur Emigration gezwungenen Bauhaus-Architekten verwirklichen zwischen 1933 und etwa 1960 ihre Ideen vor allem in den USA, wo aus der eigenen Tradition heraus schon vergleichbare Bautypen entwickelt worden sind (Frank Lloyd Wright). Die rasch wachsende Verstädterung Fordert von ihnen nun mehr und mehr die Lösung großer städtebaulicher Aufgaben. Es entstehen riesige Bürohochhäuser, Garten- und Trabantenstädte sowie Reihenhaussiedlungen. Die Wohnungen zeichnen sich durch einen weitgehenden Verzicht auf nichttragende Zwischenwände aus, so daß die Räume vielfach offen ineinander übergehen.

Gegen Mitte des Jahrhunderts verbindet eine neue Architektengeneration die Monumentalität ihrer Bauten (Stadthallen, Fabrikanlagen, Flughäfen, Museen, riesige Wohn- und Verwaltungsbauten) mit auffallenden, weitgehend konstruktionsbedingten, plastischen Linienverläufen. Rippen, Gitter, Bündel, Faltwerk, gekrümmte Flächen aus Spannbeton (Beton mit gespannter Stahlarrnierung) ermöglichen ein stützenloses Überspannen weiter Räume bei verhältnismäßig geringem Materialvolumen und Gewicht. Die Bauwerke des Plastischen Stils lassen oft kaum mehr die Unterscheidung von Stütze, Wand, Decke und Dach zu.


Architekten


Vereinigte Staaten
FRANKLLOYDWRIGHT(1869-1959)bautu.a.eineSerie niedriger, großflächiger Villen mit weit auskragenden Dächern und ausladenden Terrassen (sogenannte Präriehäuser).


Deutschland
WALTER GROPIUS (1883-1969) schafft - meist in Teamarbeit - kompromißlos funktionale StahlGlasBauten (u.a. zusammen mit Adolf Meyer FagusWerk in Ahlfeld bei Hannover, Bauhaus in Dessau). Vgl. Abb. 350.

MIES VAN DER ROHE (1886-1969) steckt dem sozialen Wohnungsbau durch die Schaffung preiswerter und menschenfreundlicher Wohnungen neue Ziele (Mietshaus in der Stuttgarter Weißenhof-Siedlung, 1927). Nach seiner Emigration in die USA entwirft er gläserne Wolkenkratzer mit Beton- oder Stahl-Skeletten.

HANS SCHAROUN (1893-1978) kann viele seiner kurvenbetonten Entwürfe erst nach Jahrzehnten verwirklichen, da sie sich zunächst gegen die vorherr

schende, nüchtern funktionale Bauauffassung nicht durchzusetzen vermögen (u. a. Berliner Philharmonie).

Frankreich
LE CORBUSIER (1887-1965) will vor allem für den Großstädter angemessene Wohnverhältnisse schaffen, indem er neue Wohntypen (unite d'habitation) entwickelt und Pläne für eine günstige Verkehrsanbindung seiner von Parks umgebenen Wolkenkratzer entwirft. Sein »plastischer Stil«, der gerade und kurvige Flächen verbindet, findet rasch internationale Verbreitung. Weltbekannt ist seine Wallfahrtskirche Ronchamp bei Belfort.


Finnland
ALVAR AALTO (1898-1976) rückt Holz in den Mittelpunkt der ästhetischen Gestaltung. 1960-76 ist er für die Stadtplanung Helsinkis verantwortlich. Bauten in Deutschland: u.a. Kulturzentrum und zwei Kirchen in Wolfsburg.


Brasilien
OSCAR NIEMEYER (*1907) wird 1957 Chefarchitekt für Brasilia, die neue Hauptstadt des gleichnamigen Landes, für die parabolförmige Dächer und geneigte Wände kennzeichnend sind (u.a. Kathedrale, Gerichtshof, Parlament).  

kunstwissen.de

 
>