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MITTELALTER - GOTIK

Kathedrahle zu Reims 1211-1311 ,dreischiffige Basilika mit dreifachem Querhaus, Chorumgang mit Kapellenkranz. Doppelturmfassade mit reichem Figuren - und Ornamentschmuck, Rosen, Wimperge, Königsgalerie,bedeutende Glasmalerei, früheste Maßwerkfenster

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Der Dominikaner Thomas von Aquin und der spätere Benediktiner Abälard sind die führenden Köpfe der Scholastik, der neuen Philosophie. Sie lehren an der um 1200 gegründeten Universität von Paris. Die Kathedrale aber wird der Ort, in dem sich dieses Weltbildes widerspiegelt. Die frühe Kathedrale ist ein Symbol für die neue Macht der französischen Könige. Mit dem Aufstieg des Bürgertums im 14. und 15. Jahrhundert bildet sich eine neue Gesellschaftsschicht mit Standes- und Selbstbewußtsein heraus. Sie errichtet ihre Kathedralen nicht mehr als Frondienst, sondern in freier Zusammenarbeit und mit neuen Absichten, als Wahrzeichen der Stadt.

Zur Formgebung: Die wachsende Steilheit ihrer Wände, der Vertikalismus aller gliedernden Elemente deuten auf einen Formwillen hin, der von der neuen Frömmigkeit des Volkes und von der ekstatischen Gottsuche der Mystik geprägt ist. Spitzbogen und Strebewerk mit Rippengewölbe bestimmen den architektonischen Ausdruck. Es bleibt jedoch die Struktur des Basilikatypus erhalten. Aber die Einzelräume werden nicht mehr, wie in der Romanik, aneinandergereiht, sondern mehr und mehr zum Einheitsraum zusammengefaßt. Der Chor erhält einen Chorumgang und Kapellen.

Die Joche werden neu gebildet (Rechteckjoche) und erhalten gleichstarke Arkadenpfeiler an den Eckpunkten. Pfeilerdienste laufen vom Fußboden zum Gewölbeansatz durch und setzen sich in den Rippen bis zu den Scheitelpunkten des - nun meist vierteiligen - Gewölbes fort. Sie bilden das innere Strebewerk, in das die Last des Gewölbes abfließt. Die stetige Reihung solcher zeltartigen Joche bewirkt ein ruhiges Fortschreiten des Raumes in West-Ost-Richtung. Das äussere Strebewerk besteht aus einem Kranz von Strebepfeilern, von denen sich Strebebögen zum Schiff hinüberschwingen. Durch Fialen beschwert, stemmen sie sich an besonders zu sichernden Stellen gegen den Seitenschub. Die Mauen werden durchfenstert und so weitgehend aufgelöst. An ihrer Stelle werden Joch- und Chorwände mit farbigen Glasfenstern, die Giebelwände von Haupt- und Querschiffen mit Rosetten gefüllt. Sie sind Bildträger theologischer Programme, vor allem aber Quelle einer irrealen Raumbelichtung, in welcher der Gläubige die materiellen Lichter als ein Sinnbild der immateriellen Lichtergiessung betrachten.

 Die Vereinheitlichung des Raumes und der verstärkte West-Ost-Flucht der Längsachse führen schon in Notre-Dame von Paris zu einer Reduzierung des Querschiffs. Grosse Veränderung erfährt auch der Chor. In der Regel wird keine Krypta mehr gebaut. Der Chorraum wird deshalb nur wenig erhöht. Aber er wächst weit über die Vierung hinaus, wird mehrschiffig wie das Langhaus und bildet einfache oder doppelte Umgänge mit Kapellen. In der Romanik traten die Radialkapellen als isolierte Rundungen stark nach außen. Die Gotik bindet sie mehr und mehr zu einem Kranz von Polygonen zusammen, deren Gewölbe mit denen des Umgangs verschmelzen.

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