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GRIECHISCHE ANTIKE ARCHITEKTUR

Von Nordgriechenland her dringen seit dem 12. Jahrhundert v. Chr. dorische Völker nach Süden in die Peloponnes, nach Osten auf die zahlreichen Inseln des Ägäischen Meeres bis nach Kreta und in die Küstengebiete Kleinasiens. Sie zerstören, was sie überrollen: die Denkmäler der mykenischen Kultur, die Kunstwerke der Achäer.
Sie übernehmen die Form des hier vorgefundenen Megaron-Hauses , eine Entscheidung, die für Jahrtausende von Bedeutung bleiben wird. Denn aus ihr werden sich in mannigfachen Abwandlungen die Tempel Griechenlands und Roms entwickeln.

Das Megaron war der zentrale Raum des mykenischen Palastes. Eine Votivgabe des 8. Jahrhunderts aus Terrakotta gibt eine gewisse Vorstellung dieses Typs mit seinem steilen Dach über einer Cella, deren Seitenwände nach vom vorgezogen sind (= Anten) und einen einseitig offenen Vorraum, den Pronaos, bilden. In den Schatzhäusern der archaischen, aber auch in kleinen Tempeln späterer Zeit finden wir diese Grundform als Antentempel - jedoch mit einem Säulenpaar zwischen den Anten - wieder. Beim Doppelantentempel tritt eine gleichartige Rückhalle (Opisthodomos) dazu, aber ohne eigenen Zugang zur Cella. Durch eine Säulenreihe, die der Eingangsseite des Antentempels vorgestellt wird, entsteht der Prostylos. Wird auch die Rückseite des Doppelantentempels mit solchen Säulen versehen, spricht man vom Amphiprostylos ). Aber erst die großen Tempel: Peripteros und hellenistischer Dipteros, von Säulenkränzen umstellte Ringhallen mit einer zweiten Tempelfront, werden unsere Vorstellung von griechischer Baukunst am eindrücklichsten prägen.

Als im 8. und 7. Jahrhundert einige Städte Griechenlands sich zu Staaten entwickelt haben, schicken sie ihre Kolonisten bis an die Ufer des Schwarzen Meeres, um dort neue Städte zu bauen. Im Westen besiedeln sie die Gebiete Unteritaliens und Siziliens, welche die Römer unter dem Namen Magna graecia, Großgriechenland, zusammenfassen. Auch hierhin bringen sie ihre Tempelformen und entwickeln sie zu riesenhaften Dimensionen mit 8-9 Frontsäulen, einer Freitreppe gegenüber dem Altar und dem Adyton, einem für das Volk unzugänglichen heiligen Raum hinter der Cella .

Das Gebiet des östlichen Mittelmeerraumes, in dem griechische Kunst sich entfaltet, ist groß, durch Meere getrennt, auf Inseln zersplittert. Bis zu den Zeiten Alexanders und der Römer können die Griechen nie zur Einheit einer Nation finden. Ihre Stadtstaaten sind oft blutig zerstritten. Aber sie sprechen alle griechisch, und die künstlerische Entwicklung geht immer einheitliche Wege. Und wenn auch die zweite Tempelfront in Korinth erfunden wurde, wenn auch die ionische Säulenordnung eine Zeitlang eine Art Markenzeichen der Inselbewohner und der kleinasiatischen Stämme ist: Keramik des frühen (geometrischen) Stils finden wir in allen Provinzen; Kuroi (Jünglingsplastiken) schmücken überall die Gräber, das Grundschema des Tempelbaus ist überall dasselbe. Und die Akropolis von Athen zeigt deutlich, wie zwanglos sich im 5. Jahrhundert der »ortsansässige« dorische Stil mit dem ionischen mischen läßt.

Gemeinsam ist aller griechischen Kunst auch, daß sie vom Tempel bis zum Gebrauchsgegenstand fast immer als Auftragsarbeit vor einem religiösen Hintergrund entsteht. Selbst das Theater ist ein religiöser Bezirk, das feierliche Theaterspiel Gottesdienst. Und vor dem hellenistischen Buleuterion von Milet, dem städtischen Versammlungsraum, steht im Vorhof der Altar.Einzelne Elemente der griechischen Architektur sind in ihrer Entwicklung verfolgbar. So wird der breit ausladende archaische Echinus des dorischen Kapitells in klassischer Zeit schmaler, die stämmige archaische Säule erhält elegantere Schlankheit, ihre früher stark schwellende Entasis geht fast bis zur Geradlinigkeit zurück. Die komplizierte ionische Säulenbasis kleinasiatischer Prägung wird zur dreiteiligen »attischen« Basis reduziert. In dieser Form wird sie noch in der Romanik bedeutungsvoll bleiben. Der ursprünglich langgestreckte Innenraum der Cella wird gegen die klassische Zeit hin kürzer. Entsprechend verändert sich das Verhältnis der Anzahlen von Säulen an Breit- und Langseite.

590, Olympia, Hera-Tempel: 6/16=archaisch
476, Olympia, Zeus-Tempel: 6/13 =klassisch
449, Athen, Parthenon: 8/17= klassisch
300, Didyma, Apollo-Tempel: 10/21 =hellenistisch
(Länge = 2 x Breite + 1)
Die dorische und die ionische Säulenordnung haben sich stammesgebunden in verschiedenen Kulturlandschaften entwickelt. Nur das korinthische Kapitell ist einespontane Erfindung des Iktonos. Der Erfindung des des Bogens und des Gewölbes bleibt den Griechen verwehrt.

 

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