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Die Welt vor der Schöpfung im antiken Ägypten
Raptor Systems

Stefan Eggers

Sinstorfer Kirchweg 74-92

21077 Hamburg

Germany

Im ägyptischen Schöpfungsmythos wurde die Welt von einer zeitlosen Gottheit geschaffenen.

Laut Interpretation der alten Texte entsprang das Leben unseres Planeten einem Urchaos, indem die für die Schöpfung benötigten Rohstoffe bereits alle vorhanden waren. Damit die eigentliche Schöpfung in Gang kommt, muss der ägyptischen Mythologie zufolge der machterfüllte Demiurg seiner selbst Bewusst werden, bevor er zur Existenz erwacht und mit der Schöpfung beginnt.

Diese Vorstellung lässt sich vielleicht mit unserer heutigen Abstraktion der sog. "Ursuppe" auf der Erde vergleichen, in der durch terrestrische und kosmische Einflüsse die Grundbausteine des Lebens entstanden.

Das Urchaos vor Entstehung der Welt wird von den Ägyptern als "die Abwesenheit der Elemente" definiert, die ihrer Meinung nach die Welt ausmachen.

Das Chaos selbst geht über die Vorstellungskraft hinaus, hat mit nichts eine Ähnlichkeit und kann vereinfacht als Negativ des Seienden beschrieben werden. So sagt zum Beispiel ein Pyramidentext:

 

"Dieser König wurde geboren, als der Himmel noch nicht entstanden war, als die Erde noch nicht entstanden war, als die Menschen noch nicht entstanden waren, als die Götter noch nicht geboren worden waren, als selbst der Tod noch nicht entstanden war."

 

In späterer Zeit nahm das Urchaos eine konkrete Form, nämlich die des Urozean "Nun" an. Als zur Zeit Pharaos Osorkon III (8. Jh. v. Chr.) die Nilüberschwemmung eine seit Menschengedenken nicht erreichte Höhe erlangte, wurde geschrieben:

 

"Der Nun stieg wieder empor in (…) dieses ganze Land, er schlug gegen die beiden Gebirgshänge wie in den Urzeiten. Das Land war seiner Macht wie der eines Meeres ausgeliefert."

 

Die Beschreibung des Urchaos als grenzenlose Urwasserfläche, welche in sich die Keime der Schöpfung birgt, ist allen ägyptischen und auch vielen anderen Kosmogonien gemeinsam. Die Auferstehung des Demiurgen aus diesem Urgewässer vollzieht sich in den verschiedenen Überlieferungen auf verschiedenste Weise:

 

Emportauchen eines Hügels

Ausschlüpfen aus einem Ei

Entfaltung einer Lotusblüte

Plötzliches Aufstehen eines Gottes

Für die Ägypter wäre ein Schöpfungsmythos aus rein abstrakten Spekulationen abgeleitet sehr untypisch, waren sie doch hervorragende Beobachter ihrer Umwelt. Daher scheint es plausibel, dass sie ihre Schöpfungsvorstellung aus einem konkreten Phänomen auf den Anfang der Welt übertragen haben.

Bei diesem Phänomen könnte es sich höchstwahrscheinlich um Beobachtungen des Nils handeln. Im Niltal können Archäologen heutzutage, auf den Terrassen der libyschen und arabischen Steilhänge, die Phasen verfolgen, in denen die ersten Bewohner der Hochebenen im Laufe der Zeit immer mehr ins Niltal hinabsteigen.

Was war passiert? Der Nil war einst ein reißender Strom mit wilden Wirbeln, der im laufe der Zeit sein Bett in das Massiv des afrikanischen Kontinents grub. Mit der Flut kamen die Schlammablagerungen, welche der Nil nach der jährlichen Nilüberschwemmung am Ufer zurückließ. Entlang des ruhig gewordenen Flusses entstand eine unsichere Zone, die zur Hälfte aus Wasser und zur anderen aus Erde bestand. Ein Marschland mit Büschen,und Lebensraum vieler Tiere.

Für die Menschen der damaligen Zeit war dieser jährliche Prozess ein "Miniatur"- Schöpfungsakt.

Die Nilüberschwemmung verwandelte das Land in ein riesiges Meer aus dem nur die Dörfer und Dämme emporschauten. Sobald der Nilpegel wieder sank, hinterließ er eine neue Landschicht, die das Land gleichmäßig überzog und aus der sehr schnell wieder Pflanzen mit allen möglichen Lebensformen entstanden.

Vor diesem Hintergrund, der jährlichen Nilüberschwemmungen, kann man den möglichen Gedankengang, dass das Land vor Urzeiten aus den Fluten des Urgewässers auftauchte, leicht nachvollziehen.

Mit der "Vorraussetzung des Nun" verallgemeinerten die alten Ägypter die Erinnerung an eine Zeit, wo das Niltal noch nicht mit Erde aufgefüllt war, wo der Nil gegen die beiden Gebirge schlug und wo von ganz Ägypten noch nichts aus dem Wasser herausragte.

Im Wüstenklima Ägyptens, konnte das Leben nur dank der Nilüberschwemmung und des Nilwassers gedeihen, so war es nur zu einleuchtend, dass das Wasser der Urquell des Lebens ist.

Text von Raptor Systems

Stefan Eggers

Sinstorfer Kirchweg 74-92

21077 Hamburg

Germany

 

Link: Dank an! cheops-pyramide.net

 

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