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Corporate Architecture

Imagetransfer

Stählerne Wahrzeichen ( nach einem Artikel von Ulrike Meine, Wirtschaftsspiegel 6.2002)

Vom Corporate Design zur Corporate Architecture! Der neue Trend bezeichnet die Identifizierung von Raum und Ort mit einem Gebäude oder Gebäudekomplex. Unternehmen leben mit ihren Bauten ihr Image vor.

Gebäude sind Imageträger. Deshalb haben erfolgreiche Unternehmen längst den Wert einer ansprechenden Architektur sowohl für die eigenen Mitarbeiter als auch für das untemehmerische Umfeld, für Kunden und Märkte, erkannt. Unternehmen aus den verschiedensten Bereichen setzen deutliche Zeichen ihrer Corporate Identity durch Gebäude. Dies gilt für Banken und Versicherungen ebenso wie für Automobilkonzerne oder Medienunternehmen. Auch Messen, Flughäfen oder Bahnhöfe erhalten über ihre Funktionalität hinaus immer mehr stählerne architektonische Highlights, die zu Symbolen ihrer jeweiligen Standorte und Städte werden. So grüßt das neue Zentralgebäude des Düsseldorfer Flughafens den Fluggast bereits von weitem durch die dominante Dachkonstruktion aus sechs gekrümmten Stahlrohr-Dreigurtbindern, und auch das Innere ist von moderner Stahlarchitektur geprägt.

 

Unternehmensgröße spielt keine Rolle

Doch was sich große Unternehmen leisten, braucht für kleine und mittlere nicht Tabu zu sein. Zwar haben ihre Bauwerke eine andere Größenordnung. Auch sie können sich aber durch ein eindeutig identifizierbares Erscheinungsbild und eine ansprechende Architektur auszeichnen. Der Einsatz von Stahlkonstruktionen kann dabei nicht nur in der Architektur interessante Akzente setzen. Die schnelle und flexible Bauweise mit großen, stützenfrei überspannten Flächen bringt Bauherren und Nutzern auch wirtschaftliche Vorteile.

 

Beispiel Autohäuser

Wer kennt nicht die Bilder oder vom eigenen Besuch den imposanten Anblick der Autostadt Wolfsburg und der gläsernen Manufaktur in Dresden. Der Architekt Gunter Henn bezeichnet diese Objekte als Weiterentwicklung vom Corporate Design zur Corporate Architecture, die "einen Raum und einen Ort schafft, der die Authentizität des Unternehmens sichtbar und erlebbar macht und den Bürger ungezwungen teil nehmen lässt." Durch die Stahl-Glas-Architektur sollen Transparenz und das Öffnen des Unternehmens dokumentiert werden. Besonders deutlich wird dies bei der gläsernen Manufaktur in Dresden, wo die Montage des Fahrzeuges von Kunden und Öffentlichkeit verfolgt werden kann.

Doch es geht auch kleiner. So haben sich die Autohäuser in den letzten Jahren als Aushängeschilder für die jeweiligen Marken entwickelt. Moderne Kundenzentren sind heute mitentscheidende Erfolgsfaktoren. Wer im Wettbewerb der Automobilhersteller bestehen will, muss Qualität und Kompetenz seiner Autohäuser auch optisch herausstellen. ( siehe die Architektur für die Automarke SMART )

Die Planungsvorgaben der Markenhersteller fordern helle, nach außen verglaste Angebots- und Ausstellungsbereiche mit freizügigen Flächen. Filigrane Skelettbauten aus Stahl, mit nur wenigen Stützen im Raum, großflächig und hindernisfrei überdacht, sind für anspruchsvolle architektonische Konzepte besonders geeignet. Sie vereinfachen die freizügige Planung der Betriebsbereiche und erleichtern eine interessante Ausgestaltung. Beispiel ist eine Autoarena in Bochum. Das Dach der Ausstellungshalle zeigt sich als gekrümmte, elegant ansteigende Pultkonstruktion. Die Dachträger lösen sich filigran durch raffiniert gefachte Bauweise der Unterspannstäbe auf. Die Fassade ist eine Pfosten-Riegel-Konstruktion mit Wärmeschutzverglasung. Für die Überdachung wurde ein doppelschaliges Kalzip-Dach gewählt.

 

Beispiel Medienunternehmen

Auch Verwaltungsbauten brauchen nicht zwangsläufig eine verschwenderische Pracht auszustrahlen, um ansehnlich zu wirken. So kommt die neue Deutschland-Zentrale der Accor Hotellerie eher bescheiden daher. Der in Stahl-/Stahlverbundbauweise errichtete Bau besteht aus zwei eigenständigen Baukörpern, einem V-förmigen 3- bzw. 4-geschossigen Verwaltungsgebäude und einem quadratischen Pavillon mit Cafeteria. Die Bauten sind durch einen erdgeschossigen, vollverglasten Gang durch den begrünten Innenhof miteinander verbunden. Als Fassade kam eine Pfosten-Riegel-Konstruktion mit Aluminium-Verkleidung zum Einsatz. Die Glasfassade des Foyers und der akzentuierte Einsatz von Naturstein in Treppenhäusern, bei Böden und Wänden gibt dem Gebäude ein optisch sehr ansprechendes Erscheinungsbild.

 

Beispiel Gewerbebauten

Wer bei Gewerbebauten noch graue, gesichtslose Gebäudekomplexe vor Augen hat, wird eines Besseren belehrt. Tradition und Moderne verbindend kommen sie heute in neuem Gewande daher. Die Verkaufs- und Lagerhalle für Schrauben und Werkzeuge der Firma Hülden in Düren erhielt im Architekturwettbewerb der WestHyp Stiftung bereits eine Auszeichnung für vorbildliche Gewerbebauten. Der zweigeschossige Stahlbau - im Erdgeschoss Verkauf, im Obergeschoss Verwaltung - ist als verwindungsfreie Konstruktion ausgeführt, die 40 Meter stützenfrei überspannt. Eine spätere Erweiterung ist jederzeit problemlos möglich. Zur Eingangsseite findet die Stahlkonstruktion im Vordach ihre Fortsetzung. Als Reminiszenz an die Dürener Industriearchitektur und die ländliche Umgebung bilden Ziegelsteine den seitlichen Abschluss.

 

Als Vitrine von erlesener Klarheit präsentiert sich die Werkshalle der Firma Glas und Metall Diemer. Das Gebäude zeichnet sich aus durch eine reduzierte Konstruktion und filigrane, transparente Bauteile. Auf Wunsch des Bauherrn sollte das Gebäude durch eine möglichst große Eigenleistung entstehen und zugleich das Firmenprofil repräsentieren. Im Sinne einer kostengünstigen Lösung wurden ausschließlich Standardprofile für die Stahlstützen und Stahlträger sowie Standardfassadensysteme eingesetzt. Die Hülle besteht aus einer gebäudehohen, abgehängten Stahl-Glas-Fassade sowie einer zweischaligen Sichtbetonwand im Westen, die sowohl als Speichennasse als auch als Aussteifung dient.

 

Zur Aussteifung dient auch ein frei unter der Konstruktion stehender, signalroter Stahlbetonkern, der im Keller die Haustechnik, im Erdgeschoss die Personalräume und im Obergeschoss Besprechungs- und Nebenräume beinhaltet. Über dem Werkstattbereich liegen im Obergeschoss die Büros sowie Sekretariat mit Empfang. Die dreiseitig ganzflächige Verglasung erlaubt eine völlig freie Sicht über Produktion, Verwaltung und Arbeiten.

 

Die aufgeführten Objekte sind an bestimmten Standorten beheimatet, sie könnten jedoch überall in Deutschland stehen. Stahlund Stahlverbundbauten bieten bei großen und kleinen Objekten eine große Gestaltungsvielfalt und hohe Flexibilität für Bauherren und Nutzer.

 

Ulrike Meine 2002 / www.bauen-mit-stahl.de / zentrale@bauen-mit-stahl.de

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