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Bernhard Schultze (1915 - 2005)

Biografie Bernard Schultze

1915 geboren in Schneidemühl / Polen

1934-39 Studium bei Willy Jäckel an der Hochschule für Kunsterziehung in Berlin und an der

Kunstakademie in Düsseldorf

1945 Zerstörung aller Arbeiten beim letzten Kriegsangriff auf Berlin

1951 erste informelle Bilder

1952 Gründung der Künstlergruppe „Quadriga“ in Frankfurt (zsm. mit Karl Otto Götz, Otto Greis

und Heinz Kreutz)

1954 erste plastische Einklebungen in den Bildgrund

1959 Teilnahme an der documenta II, Kassel

1961 Entstehung der "Migofs"

1964-75 Studienreisen in die USA, Ceylon, Thailand, Burma, Mexiko und Guatemala

1964 Teilnahme an der documenta III, Kassel

1968 Übersiedlung nach Köln

1969 Kunstpreis der Stadt Köln

1972-92 Mitglied der Akademie der Künste in Berlin

1977 Teilnahme an der documenta VI, Kassel

1981-82 Retrospektiven in Düsseldorf, Berlin, Frankfurt und Saarbrücken

1981 Titularprofessor des Landes Nordrhein-Westfalen

1984 Großer Hessischer Kunstpreis

1986 Lovis-Corinth-Preis, Regensburg

1989 Verleihung des Verdienst-Ordens des Landes Nordrhein-Westfalen

1990 Verleihung der Stephan-Locher-Medaille der Stadt Köln

2005 gestorben in Köln

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 1915 in Schneidemühl bei Posen geboren, studierte Bernard Schultze von 1934 bis 1938 in Berlin und Düsseldorf. Er lebte und arbeitete bis zu seinem Tode im Jahr 2005 in Köln. Das Frühwerk Bernard Schultzes wurde bei einem Bombenangriff 1944 zerstört, war– bedingt durch die Unterdrückung der Nationalsozialisten – von figurativer Malerei bestimmt. So kann man z.B. in dem Aquarell „Für Margret BS 46/2, 1946“ deutlich einen Kopf, ein Schiff, Fische und einen Vogel erkennen, das an den poetischen Duktus eines Paul Klee erinnert.

Die Gräueltaten des Zweiten Weltkrieges verarbeitet Bernard Schultze später dann zunehmend in abstrakten, düsteren, morbiden Arbeiten, die oft einen reliefartigen Charakter aufweisen. Sehr deutlich wird dieses in dem Materialbild „Wohrett, 1957/58“ (Materialbild auf Leinwand, 95 x 100 cm), welches von den Farben Schwarz, Anthrazit und Dunkelgrün dominiert wird. Diese frühen Arbeiten Schultzes können als Gesellschaftskritik, als Kritik am Schönen, an der Vergänglichkeit interpretiert werden, ein Ansatz der bis in die 1970er Jahre das Werk des Künstlers durchzieht.

Ab den 1980er Jahren entstehen vermehrt großformatige Leinwandarbeiten, so z.B. das Diptychon „Wirrnis eines Geflechts, 1992“ (2-teilig, Öl auf Leinwand, je 260 x 200 cm). Während des Malprozesses dreht Bernard Schultze diese großformatigen Arbeiten mehrmals und bearbeitet auf diese Weise die Leinwand immer wieder aus einer neuen Perspektive, was den Werken eine besondere Dynamik verleiht. Der Künstler verwendet vorwiegend Erdtöne; die Natur, insbesondere Waldlandschaften dominieren diese farbintensive Werkphase. Neben den Gemälden und Reliefs sind es die sog. >Migofs<, die für Bernard Schultze so bedeutenden Fabelwesen, welche immer wieder in seinen Bildern und Skulpturen auftauchen.

Man kann Bernard Schultze einen informellen Romantiker nennen, da er sich im Unterschied zu seinen Weggefährten nicht vom kursierenden Gedankengut einer Zen-Ästhetik beeinflussen ließ.Dem Ideal eines unendlichen Nichts der weißen Leinwand stellt Schultze die freie und gelenkte Assoziation gegenüber, das der Selbstfindung dient. "Ich fange an, Assoziation erzeugt Assoziation ... Ich kann nicht meditieren, dann schlafe ich ein."

Durch das schichtende Malen schafft er einen Farb-Form-Organismus. Durch die Folge von Schichten entsteht ein sehr kompliziertes System der Überlappungen. Die Assoziationen beim Malenden, wie beim Beschauer, vervielfachen sich, Relikte, Übermalungen, Lasuren, eine Unzahl von Nuancen, kurzum Spuren mannigfacher Bemühungen kennzeichnen eine derartig behandelte Fläche. Die informelle Malerei ermöglicht Schultze infinite Assoziationen, die metamorphe Gestalt annehmen und zusehends aus seinen labyrinthhaften Bildräumen in den realen Raum drängen. Schließlich löst sich seit 1962 sein Phantasiegebilde Migof, ein Zwitterwesen aus Malerei und Skulptur, vollkommen vom Bildträger und führt als vieldeutige Farbplastik ein Eigenleben.

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